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Der Sachbuchthriller aus Amerika: ein Insider-Bericht über den Jahrhundert-GAU, der die Finanzmarktkrise einleitete. Der ehemalige Vizepräsident im Wertpapierhandel der Investmentbank Lehman erzählt aus nächster Nähe, wie ein realitätsfernes, von Gier getriebenes Management und politische Fehlentscheidungen auf höchster Ebene zum Untergang der Wall-Street-»Titanic« führten. »Charmant und witzig.« Fortune »Noch nie ist die Todesfahrt der Bank so ergreifend dargestellt und mit so scharfem Blick rekonstruiert worden wie in diesem Buch«, schreibt das Fachmagazin BusinessWeek. Indem McDonal…mehr

Produktbeschreibung

Der Sachbuchthriller aus Amerika: ein Insider-Bericht über den Jahrhundert-GAU, der die Finanzmarktkrise einleitete. Der ehemalige Vizepräsident im Wertpapierhandel der Investmentbank Lehman erzählt aus nächster Nähe, wie ein realitätsfernes, von Gier getriebenes Management und politische

Fehlentscheidungen auf höchster Ebene zum Untergang der Wall-Street-»Titanic« führten.

»Charmant und witzig.« Fortune

»Noch nie ist die Todesfahrt der Bank so ergreifend dargestellt und mit so

scharfem Blick rekonstruiert worden wie in diesem Buch«, schreibt das Fachmagazin BusinessWeek.

Indem McDonald seinen persönlichen Werdegang ' vom Schweinekotelettverkäufer bis zur Wall Street Community"' vor der großen Kulisse des internationalen Finanzmarktes schildert, vermittelt er dem Leser einen farbigen Eindruck vom Innenleben des modernen Bankwesens. Was er bietet, ist alles andere als eine dröge Analyse. Stattdessen präsentiert er eine Heerschar von "Lehmännern", die viel zu erzählen haben. Fazit: Die Bewohner von Lehmans "Elfenbeinturm" ignorierten sämtliche Alarmglocken."
  • Produktdetails
  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • Seitenzahl: 415
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 415 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 149mm x 38mm
  • Gewicht: 617g
  • ISBN-13: 9783455501568
  • ISBN-10: 3455501567
  • Best.Nr.: 28032944

Autorenporträt

Lawrence G. McDonald ist Geschäftsführer der Pangea Capital Management LP. Bis 2008 war er stellvertretender Leiter der Abteilung »Handel mit Distressed Debts und Wandelanleihen« bei

Lehman Brothers. Er profilierte sich dort durch ein extrem erfolgreiches Trading und führte ein Joint

Venture der Geschäftsbereiche »Festverzinsliche Wertpapiere« und »Eigenkapital«. Ende der neunziger Jahre gründete McDonald zusammen mit einem Freund die Internet-Investmentberatungsfirma

Convert-bond.com, die das Magazin »Forbes« von 2000 bis 2003 zur »Best of the Web« wählte.

Rezensionen

Besprechung von 13.09.2010
Der Untergang
Zwei Jahre nach Lehman: Neue Bücher zur Finanzkrise

Ist zur Finanzkrise schon alles geschrieben worden? Vermutlich nicht alles, aber auf jeden Fall noch nicht von jedem. Gleichwohl erscheinen immer wieder Werke, die Aufmerksamkeit verdienen, sowohl analytischer wie deskriptiver Natur.

Simon Johnson ist ehemaliger Chef-Volkswirt des Internationalen Währungsfonds und heute Professor am angesehenen Massachusetts Institute of Technology in Boston. Sein Mitautor James Kwak war Berater bei McKinsey und ist heute Softwareunternehmer. Sie vertreten in ihrem Buch die Ansicht, dass die bisherigen Krisenanalysen das machtpolitische Geflecht zwischen Washington und der Wall Street unterschätzen. An der Wall Street habe sich nicht zuletzt als Folge von Deregulierungen eine Finanzoligarchie gebildet, die Washington beeinflussen und als Geisel nehmen könne. Im Amerikanischen existiert hierfür der Begriff "crony capitalism", und während ihn die Amerikaner gerne auf die Zustände in Entwicklungs- und Schwellenländern anwenden, ist er nach Ansicht der Autoren längst auch in den Vereinigten Staaten verbreitet.

Die Autoren beginnen mit unterschiedlichen Politikkonzeptionen, die sie, wie in Amerika seit langem verbreitet, zwei Gründervätern der Vereinigten Staaten zuordnen. Da ist zum einen Thomas Jefferson, der für einen starken Dezentralismus eintrat und die Gefahr beschwor, dass starke nationale Banken die Regierung in Washington un damit die Demokratie unter Kontrolle bekommen können. Banken seien "gefährlicher als stehende Armeen", schrieb Jefferson einmal. Jefferson war kein Ökonom; er betrachtete die Angelegenheit aus machtpolitischer Perspektive.

Die Gegenposition wird Alexander Hamilton zugeordnet, der aus ökonomischen Gründen für eine starke politische Zentralmacht und für ein Finanzsystem mit starken Banken eintrat, die in der Lage wären, eine dynamische Wirtschaft und gegebenenfalls auch den Staat zu finanzieren.

Wie Johnson und Kwak schreiben, haben sich die Amerikaner überwiegend an Hamiltons Ideen orientiert, und sie kritisieren dies auch nicht grundsätzlich, denn das amerikanische Finanzsystem habe die Entwicklung einer dynamischen Wirtschaft gut unterstützt. Das Hauptproblem sehen sie darin, dass vor allem nach Phasen der Deregulierung von Finanzmärkten eine Machtkonzentration unter den Banken einsetzte und die Oligarchie der großen Banken dann den Staat für ihre Zwecke einspannte, während die Banken gleichzeitig ihre Geschäftsrisiken unterschätzten.

Als ein Beispiel nennen die Autoren die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, in denen ein entfesseltes Finanzsystem einen gewaltigen Boom erzeugte, der dann in die Katastrophe der Weltwirtschaftskrise führte. Das zweite Beispiel bilden die vergangenen 30 Jahre, in denen Deregulierungen die Finanzbranche und die in ihr verborgenen Risiken über jedes normale Maß gewachsen seien und an deren Ende die größten Banken immer größer geworden seien - was ihnen die Möglichkeit gab, in der Krise Rettung vom Staat und damit vom Steuerzahler zu verlangen. Zu dem Verhängnis beigetragen habe ein naiver Glaube, dass Deregulierungen von Finanzmärkten immer vorteilhaft seien. Dies hätten Professoren der Wall Street und der Politik aufgeschwatzt, und die Banker wie die Politiker hätten diese Botschaft begierig aufgenommen.

Johnson und Kwak treten ideengeschichtlich dafür ein, sich an Jefferson und dessen Misstrauen gegenüber den großen Banken zu erinnern. Sie halten zwar die in der Weltwirtschaftskrise der Dreißiger beschlossenen zahlreichen Regulierungen der Finanzbranche für übertrieben. Sie geben aber auch zu bedenken, dass in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg die Wirtschaft der Vereinigten Staaten real um 4 Prozent im Jahr gewachsen sei - und dies bei einer hochregulierten Finanzbranche und in Abwesenheit von Börsenkrächen.

Die Autoren geben sich nicht der Illusion hin, dass sich der Zyklus von Hausse und Baisse sinnvoll weg regulieren lasse. Sie halten eine leistungsfähige Finanzbranche auch für notwendig. Aber um die engen Bande zwischen Wall Street und Washington - die Finanzbranche spendete zwischen 1998 und 2008 für Wahlkämpfe von Politikern 1,7 Milliarden Dollar und investierte zeitgleich noch einmal 3,4 Milliarden Dollar für Lobbyarbeit - ein wenig zu kappen, schlagen die Autoren vor, die Größe von Banken zu beschränken, damit diese im Krisenfall ohne Steuergeld abgewickelt werden können. Der Vorschlag ist nicht neu, er wird sich in dieser Form auch nicht durchsetzen lassen. Das Buch ist gleichwohl lesenswert.

Neben Analysen werden seit dem vergangenen Jahr in den Vereinigten Staaten immer mehr ereignisgeschichtliche Werke veröffentlicht. Sie wollen den Krisenverlauf schildern, ohne ihn notwendigerweise zu erklären. Viel Aufsehen hat "Die Unfehlbaren" von Andrew Ross Sorkin gefunden, einem noch jungen Reporter der "New York Times". Im Mittelpunkt seines Buches steht der Untergang von Lehman Brothers, und hierfür hat er mit rund 200 Zeitzeugen gesprochen, die er mit Hinweis auf Quellenschutz nicht benennt. Seine Quellen waren zum Teil sehr auskunftsfreudig. Sorkin erzählt von geheimen Fusionsgesprächen in den Landhäusern von Bankern, wobei er die Zimmereinrichtung ebenso präzise schildert wie die Sitzordnung. Er hat erfahren, dass sich der Verwaltungsrat von Goldman Sachs "rein zufällig" in Moskau traf, als dort auch der amerikanische Finanzminister Hank Paulson - ein ehemaliger Goldman-CEO - anwesend war. Selbstverständlich kam es zu einem Geheimtreffen. Sorkin hat aber nicht nur mit Beteiligten gesprochen, sie haben ihm auch schriftliche Aufzeichnungen überlassen. Kurzum: Die Quellenlage ist ergiebig.

Sorkin hat daraus ein in Romanform geschriebenes Buch verfasst, das wie ein moderner Krimi aus knapp geschriebenen Episoden mit häufigen Szenenwechseln besteht. Dieser scheinbare Blick durch das Schlüsselloch erhöht die Lesefreude erheblich, besitzt aber auch Gefahren, weil nie ganz klar bleibt, ob sich die einzelnen Szenen wirklich so wie beschrieben abgespielt haben.

Hinzu kommt, dass die jeweilige Gesprächigkeit der Gesprächspartner auch deren Gewichtung in der Geschichte mitbestimmt haben dürfte: Paulson spielt hier eine überragende Rolle, während Ben Bernanke nur am Rande auftaucht. Und letztlich ist Sorkin eher der klassische Reporter als ein Experte für Finanzprodukte. Man erfährt mehr über die Anzugfarben von Wall-Street-Größen als über die Eigenheiten der Produkte, mit denen sie gehandelt haben. Der positive Gesamteindruck überwiegt jedoch eindeutig: Wer die Finanzkrise zur Abwechslung einmal mehr aus einer "Vanity-Fair"-Perspektive als aus der Perspektive des Elfenbeinturm-Professors erzählt haben möchte, wird das Buch nicht enttäuscht aus der Hand legen.

Hingegen wäre es leicht, einen Verriss über das von dem ehemaligen Lehman-Beschäftigten Lawrence G. McDonald zusammen mit dem Thriller-Autor Patrick Robinson verfasste Buch "Dead Bank Walking" zu schreiben, das den Untergang von Lehman aus einer Innensicht schildern will. Das Problem ist, dass McDonald in diesem zum Teil recht pathetisch, aber auch routiniert geschriebenen Buch ungewöhnlich unsympathisch daherkommt: Er nimmt die Attitüde des rechthaberischen und eitlen, vor allem aber intellektuell brillanten Beschäftigten ein, der im Unterschied zu den Blödmännern aus der Führungsetage den Untergang von Lehman schon Jahre vorher kommen sah.

Nun gab es innerhalb der Bank Mitarbeiter, die früh vor dem Unheil warnten. Das waren aber zum Teil Spitzenmanager aus höheren Ebenen, die Einblick in die Geschäfte der Bank besaßen. McDonald war eine niederrangige Charge in der Handelsabteilung, die im Frühjahr 2008, also einige Monate vor dem Zusammenbruch der Bank, gefeuert wurde. Er kannte zwar mehrere interne Kritiker; die Unternehmensspitze um Richard Fuld hat er aber nie gesehen.

Bestünde das Buch nur aus der Besserwisserei dieses selbstgerechten, aber unerkannten Genies, könnte man es sofort in den Papierkorb werfen. Aber das Werk besitzt auch starke Passagen wie zum Beispiel die Schilderung des Wahnsinns, als Investmentbanken wie Lehman nach Hypothekenkrediten von Armen schrien, die man zu Wertpapieren verbriefen und unter anderem naiven deutschen Bankern für viel Geld andrehen wollte. Und wie sich daraufhin in Stockton in Kalifornien Verkäufer aufmachten, die Kreditverträge für teure Häuser armen Leuten andrehten, von denen etwa die Hälfte Analphabeten waren.

GERALD BRAUNBERGER

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