Das Schlangenei - Xammar, Eugeni

Eugeni Xammar 

Das Schlangenei

Berichte aus dem Deutschland der Inflationsjahre 1922-1924

Übersetzer: Brandt, Kirsten
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Das Schlangenei

Niemand in Deutschland kennt den Namen Eugeni Xammar. Dabei hat kaum jemand die Deutschen besser kennen gelernt und beschrieben als dieser katalanische Journalist, der von 1922 bis 1935 für Tageszeitungen in Madrid und Barcelona aus Deutschland berichtete. Als sich in der Inflation das Geld buchstäblich in Luft auflöste, als die Franzosen die Ruhr besetzten, der junge Konrad Adenauer einen rheinischen Separatstaat gründen wollte und ein gewisser Adolf Hitler in einem Münchener Bierkeller die ersten Schritte auf dem Wege zur Weltherrschaft tat. Aus diesen wilden Jahren stammen die hier erstmals auf Deutsch erscheinenden Berichte. In ihnen paart sich ein unbestechlicher, freier Blick, der noch den absurdesten Exzessen mit ironischer Gelassenheit begegnete. Xammars Berichte aus Deutschland sind eine Wiederentdeckung ersten Ranges.


Produktinformation

  • Verlag: Berenberg
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 179 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 224
  • Best.Nr. des Verlages: 3423
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 167mm x 20mm
  • Gewicht: 417g
  • ISBN-13: 9783937834238
  • ISBN-10: 3937834230
  • Best.Nr.: 22842193
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.06.2008

Finanzministers Wollust

Deutschland als Land der Nullen und eines gewaltigen Dummkopfs: Eugeni Xammar berichtet aus den Inflationsjahren und interviewt den jungen Hitler.

Im Verlauf des Jahres 1923 produzierte die deutsche Regierung die schlimmste Hyperinflation, die die Welt je erlebt hatte. Bis November dieses Jahres war der Wert des Dollar von 4,20 Reichsmark vor dem Krieg auf 4 200 000 000 000 Mark gestiegen. In jenem Jahr, in dem verschiedenste politische Bewegungen aus der extremen Geldentwertung Kapital zu schlagen suchten und das Land in Anarchie versank, berichtete der katalanische Journalist Eugeni Xammar aus Berlin den Lesern der in Barcelona erscheinenden Tageszeitung "La Veu de Catalunya" vom Alltag der Deutschen. Xammar schreibt aus Distanz, aber mit großer Sympathie.

Kann man sich vorstellen, dass die deutschen Haushaltsausgaben 1923 exakt drei Billionen fünfhundert Milliarden Mark betrugen, die Staatseinkünfte aus Steuern und Zöllen sich auf 2,1 Billionen addierten, aber all diese phantastischen Summen, bei Lichte besehen, auf 140 Millionen Dollar schrumpfen und damit geringer ausfallen als der Haushalt des armen Spanien? …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

"Die Reportagen des katalanischen Journalisten Eugeni Xammar, die er 1922 aus der Weimarer Republik an die "Veu de Catalunya" schickte, lesen sich heute noch frisch und unverbraucht, wie Sabine Fröhlich erfreut feststellt. Sie mag die einfache, klare Schreibe des Katalanen ebenso wie seine gelassene Distanz gegenüber dem Trubel in den wirren Nachkriegsjahren. Als Besucher habe Xammar manches deutlicher gesehen als die deutschen Kollegen. Der Korrespondent verzichte auf Sensationalismus ebenso wie auf pittoreske Milieuschilderungen. Seine "intelligente Ironie" könne aber auch in Sarkasmus umschlagen, meint Fröhlich, was sich besonders bei seinem Münchner Bericht über Hitler und dessen Getreue zeige. Xammar habe da recht direkte Parallelen zwischen Spanien und Bayern gezogen, was ihn nach Ansicht der Rezensentin auch seinen Job gekostet hat. Unmittelbar nach dem Hitler-Artikel wurde Xammar abgezogen.

© Perlentaucher Medien GmbH"

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.10.2007

Trenchcoat mit Schnurrbart
Er hat Hitler vor dem Putsch interviewt: Eugeni Xammars sachliche Berichte aus dem Deutschland der Inflationszeit
Adolf Hitler exklusiv als Interviewpartner, wenige Augenblicke vor dem Münchner Putsch – diesen Coup könnte man als journalistische Sternstunde begreifen. Eugeni Xammar hieß der Mann, der sie erleben durfte. Zu Beginn der zwanziger Jahre kam er als Korrespondent nach Deutschland. Für die „Veu de Catalunya” durchquerte er das Reich, das keine Republik werden wollte. Von Berlin aus reiste Xammar 1923, mitten in der Inflation, zunächst ins besetzte Ruhrgebiet. Er sah menschenleere Fabriken, verfolgte Militärtribunale gegen Bürgermeister, die sich der französischen Erfüllungspolitik verweigert hatten, suchte die Zeichen des aufkeimenden Widerstandes in der Bevölkerung. Unbehagen beschleicht den Leser dieses Deutschlandpanoramas der Jahre 1922 bis 1924 von Beginn an: ein Gemeinwesen, erschüttert bis in die moralischen Grundfesten, befindet sich in Auflösung.
Man darf sich indes diese kurzen, im Abstand von zwei, drei Tagen nach Barcelona telegrafierten Texte nicht vorstellen, wie die heute viel geschätzten, …

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Eugeni Xammar geboren 1888 in Barcelona, wurde einer der berühmtesten und für die reaktionären spanischen Diktatoren seines Zeitalters unbequemsten Journalisten. Er berichtete von 1920 bis 1936 aus Deutschland und Europa, ehe er nach einem kritischen Wortwechsel bei einer Pressekonferenz mit Alfred Rosenberg ausgewiesen wurde. Er ging 1939, nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs ins Exil nach Tunesien, kehrte aber in den sechziger Jahren in seine Heimat zurück und starb 1973 in L'Ametlla del Vallès.

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