Fotodokumente aus russischen Kriegsgefangenenlagern sind äußerst
selten. Wie hätte es ein Gefangener auch schaffen sollen, eine
Kamera ständig vor den Wachen zu verstecken, heimlich zu
fotografieren und dann auch noch die Filme unbemerkt aus den Lagern
zu schmuggeln? Und doch tauchte in den fünfziger Jahren eine Reihe
von Bildern aus den Lagern in Jelabuga, Kasan und Selenodolsk auf,
die das Schicksal der Insassen aus der Perspektive eines Gefangenen
auf eindrucksvolle Weise dokumentieren. Lange Zeit blieb die
Herkunft der Bilder ein Rätsel. Erst vor kurzer Zeit gelang es
endlich, Klaus Sasse als Fotografen der Bilder ausfindig zu machen
und ihn dazu zu bewegen, seine Erinnerungen an diese Zeit
niederzuschreiben und die Bilder zu kommentieren. Entstanden ist
dabei ein einmaliges Zeitdokument, das tiefe Einblicke in grausame,
tragische und groteske, ja manchmal sogar freudige Momente der
Alltagswirklichkeit eines Kriegsgefangenen eröffnet. Es schildert
nicht nur, wie es möglich war, eine Kamera unter Lebensgefahr durch
die zahlreichen Kontrollen zu retten. Text und Bilder beschreiben
vor allem auch die Erfahrungen eines Kriegsgefangenen, der wie so
viele andere nach dem Ende des Krieges fünf Jahre in verschiedenen
russischen Arbeitslagern gefangengehalten wurde. Den Lesern werden
dabei die Auswirkungen größerer politischer Entwicklungen genauso
vor Augen geführt wie privateste Strategien, Tricks und Kniffe im
Kampf mit den Widrigkeiten des Gefangenendaseins.
Ausstattung/Bilder: 278 S. m. über 90 Fotos u. Dok.
Seitenzahl: 278
Rückblick, Autobiographische Materialien Bd.2
Deutsch
Abmessung: 209mm x 149mm x 16mm
Gewicht: 452g
ISBN-13: 9783830918028
ISBN-10: 383091802X
Best.Nr.: 22919750
Ernst Helmut Segschneider studierte ab 1958 in Marburg Germanistik, Slawistik, Geschichte, Volkskunde und Kunstgeschichte, 1969 Promotion an der Universität Bonn. Danach war er als Museumswissenschaftler am Niedersächsischen Freilichtmuseum in Cloppenburg und am Kulturgeschichtlichen Museum in Osnabrück tätig. Seine Forschungen, Ausstellungen und Publikationen wandten sich vorzugsweise Themen der Sachvolkskunde mit verschiedenen Aspekten des Brauchtums, des Handwerks und der Nahrungsforschung zu. Seit den späten 1980er Jahren näherte sich sein Forschungsinteresse kulturgeschichtlichen Aspekten der Nachkriegs- und Kriegsgefangenenthematik.
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