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"Zum In-die-Hose-Machen komisch." -- Süddeutsche Zeitung Als 7-Jähriger wurde Stephen Fry aufs Internat geschickt. Er überlebte Prügel, Heimweh, Liebeskummer, Entjungferung, Schulverweise und einen Selbstmordversuch. Sein Leben scheint gescheitert, als er mit 18 wegen Diebstahls und Scheckbetrug im Gefängnis landet. - Der englische Filmstar und Kultautor erzählt seine Kindheit und Jugend wie einen Roman: bestürzend, zärtlich und rücksichtslos ehrlich. "Fry ist ein Unterhalter im besten Sinn, ausgestattet mit einem feinen, niemals bösartigen Sinn für Humor, der die Quintessenz des Englische…mehr

Produktbeschreibung

"Zum In-die-Hose-Machen komisch." -- Süddeutsche Zeitung

Als 7-Jähriger wurde Stephen Fry aufs Internat geschickt. Er überlebte Prügel, Heimweh, Liebeskummer, Entjungferung, Schulverweise und einen Selbstmordversuch. Sein Leben scheint gescheitert, als er mit 18 wegen Diebstahls und Scheckbetrugs im Gefängnis landet. - Der englische Filmstar und Kultautor erzählt seine Kindheit und Jugend wie einen Roman: bestürzend, zärtlich und rücksichtslos ehrlich.

"Fry ist ein Unterhalter im besten Sinn, ausgestattet mit einem feinen, niemals bösartigen Sinn für Humor, der die Quintessenz des Englischen augenzwinkernd zum Ausdruck bringt." -- FAZ
  • Produktdetails
  • Aufbau Taschenbücher Bd.2488
  • Verlag: Aufbau Tb
  • Seitenzahl: 448
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 448 S. Mit 17 Abbildungen. 190 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 115mm x 24mm
  • Gewicht: 354g
  • ISBN-13: 9783746624884
  • ISBN-10: 3746624886
  • Best.Nr.: 23831894

Autorenporträt

Stephen Fry, Jahrgang 1957, unterrichtete an einer Universität, bevor er selbst eine besuchen durfte. In jungen Jahren wegen Kreditbetrugs im Gefängnis, verdiente er seine erste Million mit einem Theaterstück. Er hat unzählige Stücke geschrieben, in noch mehr mitgewirkt und ist aus den Filmen "Peter's Friends" und "Oscar Wilde" bekannt. Er ist ein Meister des britischen Humors.

Rezensionen

"Zum In-die-Hose-Machen komisch."Süddeutsche Zeitung
Besprechung von 06.10.1998
Der Honigtopf in Platons Höhle
Ich bin ein Klischee, und ich weiß das: Stephen Fry über eine Jugend als Snob / Von Ingeborg Harms

Die Markenzeichen Stephen Frys sind eine schiefe Nase und eine spitze Feder. Zwischen beiden gibt es eine untergründige Verbindung. Wer seine Verletzlichkeit im Gesicht trägt, muß wenigstens mit Worten fechten können. Und das tut der englische Schauspieler, Romancier und Essayist mit Genuß. "Wir behalten unsere Makel, damit wir unsere größeren Defekte darauf abwälzen können", erklärt er frech und vergleicht seinen "krummen Kolben" mit der britischen Monarchie: "Kosmetische Veränderungen an unserer Verfassung werden zweifellos schwere psychologische Schäden nach sich ziehen. Die Welt würde auf uns blicken und aufgeregt tuscheln und kichern, wie es immer der Fall ist, wenn jemand aus dem Bekanntenkreis beim Plastikchirurgen war."

Fry besitzt einen zu untrüglichen Instinkt für die allerorts lauernde Schadenfreude, um es der Welt recht machen zu wollen. Von vornherein schlägt der lungenschwache Knabe den umgekehrten Weg ein: "Ich wurde so ungemein stolz auf mein Asthma, genau wie ich später stolz auf mein Jüdischsein und meine Sexualität wurde. Die Bereitschaft, persönliche Eigenschaften, die andere als Schwäche auslegen mochten, mit kämpferischer Entschlossenheit zu verteidigen, wurde geradezu zu meinem hervorstechendsten Charaktermerkmal", schreibt der Vierzigjährige in "Columbus war ein Engländer", der Geschicht seiner Jugend. Die autobiographische Erzählung konzentriert sich auf die Jahre zwischen sieben und achtzehn und legt sich damit auf die Schauplätze der englischen Eliteausbildung fest. In der "Prep School" und in der anschließenden "Public School" dreht sich alles um die Vorbereitung auf die Aufnahmeexamen von Oxford und Cambridge. Daß er seine Jugend in der militärischen Welt der Knabeninternate verbrachte, hält Fry zwar auch für ein merkwürdiges Faktum, verteidigt es aber gerade deshalb mit derselben Inbrunst wie das Könighaus oder seine Nase: "Ein siebenjähriger Junge stellt Gewohnheiten nicht in Frage: Sie gehören für ihn zum Lauf der Welt. Hätte man mich nicht von zu Hause weggegeben, hätte ich mich gefragt, was mit mir nicht stimmte."

Konformismus und Exzentrizität sind, wie Fry nahelegt, in England mehr oder weniger die gleiche Sache: "Ich bin ein Klischee, und ich weiß das", räumt der erklärte Außenseiter, ohne mit der Wimper zu zucken, ein. Wie für die Schadenfreude hat Fry auch für das Bewunderungsvermögen seiner Mitwelt einen siebten Sinn. Ohne größere Anstrengung steigt er unter achthundert Schülern zum beneideten Vorbild auf. Die Mär seiner Streiche, originelle Ausreden und abgebrühte Rettungsmaßnahmen, füllt einen großen Teil des umwerfend komischen Buches.

Es mag kein Zufall sein, daß der Vater des Autors von Beruf Erfinder ist. Obwohl der Sohn nicht einmal versuchte, es in den Naturwissenschaften mit ihm aufzunehmen, ist er seinem Erzeuger auf dem Gebiet der Geistesblitze gewachsen. Frys Selbststilisierung zum obsessiven Lügner vermeidet knapp den naheliegenden Ehrentitel "Erfinder". Der sich selbst erzählende Autor entwickelt einen großen Einfallsreichtum, wenn es darum geht, der Festlegung auf bestehende Muster zu entkommen. Mit gespaltener Zunge lobt und ridikülisiert er sich zugleich, jede Anpreisung der eigenen Person wird von einer Ich-Persiflage überboten.

Geschichten aus einer Adoleszenzhochburg wie dem Jungeninternat sind nicht immer von rührender Unschuld. Zwar folgt Fry der aristotelischen Auffassung, "daß sich die Realität oftmals sehr viel besser durch Fiktion als durch ein nüchternes Aufzählen der Fakten darstellen läßt". Doch diese Position führt nicht zur Zensur des kruden Materials, das seine Vergangenheit zu bieten hat. Erfrischend unverblümt wird der Leser mit den Perversionen einer zur Geschlechtsreife erwachenden Knabengesellschaft vertraut gemacht. Mit einem Enthusiasmus, den er der Natur nicht in allen Punkten entgegenbringt, spricht sich der Autor für das Recht der Triebe aus. So wird selbst seine Vergewaltigung durch einen ihm vorgesetzten Mitschüler schulterzuckend hingenommen. Als weit weniger durchdacht und toleriert erweist sich die Sphäre der weiblichen Natur. Daß die Frauen in der Schulküche nur als "Topfschlampen" bezeichnet wurden, gibt Fry noch schmerzlich grinsend weiter. Enthemmter ist schon die Bemerkung, ein Freund habe auf die Frage, "wann er gewußt habe, daß er schwul sei", geantwortet, "er könne sich noch genau erinnern, wie er bei seiner Geburt noch einmal zurückgeblickt und gesagt habe: ,Nein danke! In so was verirre ich mich kein zweites Mal . . .' Ich benutze diesen Satz seither schamlos", fügt Fry hinzu, "als meine eigene Erklärung, wann ich es denn gewußt habe."

Den Maschinenraum der Vergänglichkeit betrachtet er lieber von ferne. Ein toter Maulwurf, der ihm als Kind aus der Hand fiel, eröffnete ihm zum ersten Mal das Schreckenskabinett der Verwesung: "Es war der reinste Horror, die ganze Natur war der reinste Horror. Sie stank und gluckste und spie Schleim, Maden und tröpfelndes Gedärm aus." Die Zeit ist für einen Snob wie Fry eine schmutzige Sache. Der literarische Rückblick wäscht, so hofft er, den Film der Jahre wieder von ihm ab. Allerdings sucht er in der Geschichte seiner Jugend nicht das intensive Erleben des Pubertären im allgemeinen. Aus dem Schutt der Zeiten birgt er ein spezifisches Gefühl. "Columbus" ist auch eine Liebesgeschichte. Und es kommt als keine gelinde Überraschung, daß der skurrile Komiker, Normverächter und Skandalspezialist sein Herz ausgerechnet an einen Adonis verliert: "Mit einem Mal offenbarte sich mir Schönheit, und das ganze Aufhebens der Griechen und Keats' ergab einen Sinn." Die mädchenhafte Schönheit, die Fry an einem Mitschüler entdeckt, überlebt als Idee dessen Erwachsenwerden. Den Autor macht sie zum Platoniker, der von nun an in der Erscheinung nach dem Wesen sucht. Auch die Musik, zu der er kein Talent hat, gehört für ihn in diese höheren Bereiche. Wohlwissend, daß man dem Verbalvirtuosen eher mißtraut, entwickelt Fry die Sprache zu seiner Ersatzmusik: "Ich konnte mich an Nonsense-Sätzen genauso berauschen wie Pu der Bär an seinem Brummen."

W ährend Pu seine Höhle mit den erbeuteten Honigtöpfen zu schätzen weiß, sieht der platonische Denker auf die Spelunke des irdischen Daseins nur mitleidig hinab. Fry ist in diesem Punkt gespalten. Ausgerechnet, als er sein Ideal erblickt, setzt er alles daran, die eigene Existenz in ein Gaunerschlupfloch zu verwandeln. Die Liebe macht ihn zum notorischen Fälscher, Lügner und Dieb. Der Erzähler verzichtet auf eine Erklärung für diese zeitliche Koinzidenz. Doch läßt sich unschwer eine Verbindung ziehen. Der Anblick der Schönheit hat Stephen die Ruhe geraubt, ihm den Alltag verleidet und das Elternhaus verhaßt gemacht. Sein kriminelles Tun, von dem der Autor mit narzißtischer Genugtuung berichtet, erprobt die Grenzenlosigkeit, die das Vollkommene verspricht. Frys Jugend treibt nach dem Zünden der Liebe dem Abgrund zu. Er enttäuscht Eltern und Geschwister, versagt in der Schule und wird mit Schimpf davongejagt. Am Ende seines Amoklaufs ist der achtzehnjährige Kreditkartenbetrüger angelangt, als sich Gefängnistüren hinter ihm schließen. Und hier liegt der zweite Wendepunkt der Vita: "Ich war überglücklich, so überschwenglich, wahnsinnig und grenzenlos glücklich, daß ich gesungen und getanzt hätte, wenn ich auch nur eins von beiden gekonnt hätte. Ich war frei. Endlich war ich frei. Ich ging auf eine Reise, bei der andere für mich entscheiden würden, für mich denken würden und meinen Tag planen würden. Ich ging zurück in die Schule."

Das Ende der Freiheit kommt als Befreiung. Erst die beengenden Mauern der platonischen Höhle geben Fry den Seelenfrieden zurück und ermöglichen das autobiographische Schreiben, das sich mit Makeln, Fehlern und Fakten abgibt. Nur wer seine Grenzen kennt, kann sich ausgelassen über sie äußern. Die Gefängniswärter bringt Fry durch eine übertrieben geschrobene Sprache zur Verzweiflung: "In Situationen", schreibt er, "in denen es um das reine Überleben geht, muß man sich sämtlicher zur Verfügung stehender Eigenschaften und Qualitäten bedienen." Sein zwischen Wortklauberei und Hyperbolik angesiedelter Stil tut genau das: Im Glashaus einer berüchtigten Berühmtheit verwirrt er die Neugier der Gaffer, lenkt ab und hält in Schach. Doch die Blicke, für die Frys Stift erst zu tanzen beginnt, sind die der Götter. Seine blitzenden Repliken überspielen nicht nur den bedauernswerten Zustand des Häftlings, an ihnen bricht sich auch, oftmals ganz nah, olympisches Gelächter.

Stephen Fry: "Columbus war ein Engländer". Geschichte einer Jugend. Aus dem Englischen übersetzt von Georg Deggerich. Haffmans Verlag, Zürich 1998. 395 S., geb., 44,- DM.

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