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Innehalten. Nachdenken. Träumen. Sich ausprobieren. Sich neu entdecken. Wagen. Handeln. Gewinnen. Wach werden. Mit Aleph beginnt ein neues Kapitel in Ihrem Leben!

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Produktbeschreibung

Innehalten. Nachdenken. Träumen. Sich ausprobieren. Sich neu entdecken. Wagen. Handeln. Gewinnen. Wach werden. Mit Aleph beginnt ein neues Kapitel in Ihrem Leben!
  • Produktdetails
  • Verlag: Diogenes
  • Seitenzahl: 309
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 309 S. 190 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 128mm x 27mm
  • Gewicht: 350g
  • ISBN-13: 9783257068108
  • ISBN-10: 3257068107
  • Best.Nr.: 34411970

Autorenporträt

Paulo Coelho, geb. 1947 in Rio de Janeiro, studierte Rechtswissenschaften, unternahm danach Reisen nach Südamerika, Europa und Nordafrika. Zurück in Brasilien, veröffentlichte er Theaterstücke und provokative Rocksongs, die ihm über die Militarjunta der 70er Jahre dreimal Gefängnis einbrachten. Er ist Herausgeber einer Untergrundzeitschrift, eines Musikmagazins sowie Direktor von Polygram und CBS, Brasilien. Ab 1980 (Stellenverlust) 5 Jahre Studium in einem alten spanischen Orden und Zurücklegung des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela. 2006 wurde Paulo Coelho mit dem mexikanischen Literaturpreis "Las Pergolas" ausgezeichnet.
Paulo Coelho

Rezensionen

Besprechung von 03.01.2012
Das fängt ja sensationslüstern an

Heute erscheint der neue Roman des literarischen Alchimisten Paulo Coelho: "Aleph" schlingert dahin auf den Pfaden größtmöglicher Allgemeinheit.

Das neue Jahr begann mit einer Erleuchtung - genauer, mit einem Kurzschluss. Nach gut dreihundert Seiten aus der Feder des Weltbestsellerautors Paulo Coelho folgt nicht taghelle Erkenntnis, auch kein interesseloses Wohlgefallen stellt sich ein, sondern nur Verdunkelungsgefahr und die bohrende Frage, wie es sein kann, dass Millionen Leser irren. Es ist empirisch erwiesen, dass es weltweit mehr Käufer dieser literarischen Gattung gibt, als Deutschland Einwohner hat. Was in jedem drittklassigen Yogakurs würdevoller dargeboten wird, reißt der Leser den Buchhändlern aus den Regalen. Es ist etwas Seelenpornographisches an dieser Literatur, etwas Klammes, das allerdings eindrucksvoll mit dem Erhabenen koaliert, was den Pornographieverdacht sofort wieder aushebelt - anders lässt sich der Erfolg des literarischen Alchimisten ja nicht erklären.

Natürlich sichert sich Coelho nach allen Seiten ab. Statt Körperflüssigkeiten fließt Reinkarnationsäther. Sex findet quasi auf der immateriellen Ebene statt, was perfider ist als der schnöde Akt, weil man Geilheit ungehindert mit Spiritualität verrechnen und Sexismus als Ode an die Weiblichkeit tarnen kann. Dort, wo Coelho über potente Greise und barbusige Engel schreibt, wird rasch ein doppelter Deutungsboden eingezogen, und plötzlic bekommt man es mit einem "Reisenden" auf der Suche nach seinem "verlorenen Königreich" zu tun. Das ist dann wiederum herrlich erbaulich, und wer hat heute keine Erbauung nötig.

In "Aleph" geht es wieder um ein Alter Ego des Schriftstellers Coelho, den das stundenlange Signieren seiner Bücher zwar mit "positiver Energie" auflädt, jedoch nicht restlos erfüllt. Zudem ist seine persönliche spirituelle Entwicklung "blockiert". "Lass dich ein", hatte sein Guru ihm vor kurzem in einer Meditationssitzung geraten. Da fasst unser Schriftsteller den Entschluss, mit der Transsibirischen Eisenbahn eine Reise zu sich selbst zu unternehmen und Restfragen seiner Genealogie zu klären. "Ich glaube, ich bin wie dieser chinesische Bambus und dass gerade mein fünftes Jahr begonnen hat. Der Zeitpunkt, wieder zu wachsen." Nicht umsonst spricht man bei Pflanzen auch von "jungen Trieben".

Passenderweise assistiert dem glücklich verheirateten Kontinentalreisenden eine penetrante junge Türkin ("Diese Augen. Grün, ohne jede Spur von Make-up"), die überzeugt ist, der angebetete Schriftsteller schreibe "nur für sie". Besonders in der zweiten Hälfte des Romans verleiht sie ihrer Seelenverwandtschaft häufig nur noch mit einer Geige und ein wenig Schamhaar bekleidet Ausdruck. Zunächst fühlt sich der Wahlverwandte von Hilal belästigt, dann entschließt er sich doch, sie auf seine Reise mitzunehmen. Und wem würde es auch nicht gefallen, vom anderen Geschlecht bewundert zu werden! Fassungslos liest man dann allerdings den Bericht von einer als Kind missbrauchten Stalkerin, die sich dem standhaften Erbauungsliteraten auf den unmöglichsten Wegen und stets mit bebendem Körper nähert. Doch dessen Geduld scheint grenzenlos zu sein, und schon bald geraten die beiden an einer Stelle des Zugabteils per Augenkontakt in einen ozeanischen Zustand.

Schamlos schielt Coelho hier nach dem großen Literaturheiligen seines Kontinents. In Borges' Erzählung "Das Aleph" erlebt ein Schriftsteller unter der Kellertreppe eines Bekannten das rauschhafte Ineinanderfallen von Raum und Zeit. In der Kabbala bezeichnet der Buchstabe Aleph die unbegrenzte lautere Göttlichkeit, in der Mengenlehre steht er für die transfiniten Zahlen. Dieser Moment von Unendlichkeit und Allwissenheit hat bei Borges allerdings etwas zutiefst Verstörendes: Magie, die ein Leben verwirren kann und erst durch die menschliche Gabe zum Vergessen wieder gebannt wird.

Coelhos Aleph evoziert hingegen keine Ambivalenz, sondern nur platte, Dan-Brown-hafte Bilder. Plötzlich befinden wir uns im Mittelalter. Eine Frau soll auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, weil sie angeblich mit dem Teufel im Bunde ist. Ein junger Karriere-Dominikaner, der das Mädchen einst geliebt hat, könnte es verhindern, schweigt aber im entscheidenden Augenblick. Wen wundert's, dass es sich um frühere Inkarnationen des ungleichen Paares aus der Transsibirischen Eisenbahn handelt. Klar, dass die beiden noch etwas miteinander zu regeln haben. Und klar auch, dass das Ziel "Vergebung" heißt. Einzige Schwierigkeit: Hilal liebt ihren Schriftsteller, "wie eine Frau einen Mann liebt", er sie hingegen nur "wie ein Fluss". "Nicht immer", Coelho sieht das ganz richtig, "gehen spirituelle Entwicklung und menschliche Weisheit Hand in Hand."

Einer der schärfsten Kritiker der seit Jahrzehnten in Lateinamerika grassierenden Verramschung des magischen Realismus hat Paulo Coelho einmal einen Seifenoper-Hexenmeister genannt. Seine Bücher gehörten der Literatur des "schwachen Denkens" an. "An Unterhaltsamkeit fehlt es ihm nicht", schreibt Roberto Bolaño. "An Anschaulichkeit mangelt es ihm ebenso wenig. Und die sogenannten sozial Schwachen verstehen die Botschaft genau." Das trifft zu. Man versteht jedes Wort oder, besser gesagt, kann jedes Wort in alle Richtungen verstehen, weil Coelhos spirituelle Reise ein offenes Kunstwerk ist. Alles ist in größtmöglicher Allgemeinheit gehalten ("Das, was wir suchen, sucht immer auch uns"), so dass sich jeder sein Scheibchen Lebensweisheit abschneiden kann.

"Den Schmerz willkommen heißen" lautet eine oft verwendete Floskel. Wir aber möchten ihn an dieser Stelle lieber verabschieden, mit einer Übung, die der Meister selbst empfiehlt: "Atmen Sie tief ein und bitten Sie, dass die Gnade, die in der Luft enthalten ist, in Ihren Körper eindringt und sich auf jede einzelne Zelle verteilt. Atmen Sie langsam aus, übertragen Sie die Freude und den Frieden auf Ihre Umgebung. Wiederholen Sie das zehnmal." Und widerstehen Sie diesem Buch.

KATHARINA TEUTSCH.

Paolo Coelho: "Aleph". Roman.

Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann. Diogenes Verlag, Zürich 2012. 320 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Lieber widerstehen, rät uns die Rezensentin eindringlich bezüglich dieses Buches vom "Seifenoper-Hexenmeister" (Roberto Bolano) und Bestsellerautor Paulo Coelho. An der Verramschung des Magischen Realismus möchte sie nicht beteiligt sein. Oder um es anders zu sagen: Katharina Teutsch hält diesen Roman für blanke Seelenpornografie mit einem Schuss Reinkarnationsäther. Wo Geilheit mit Spiritualität verkleidet wird und geile Greise auf nackte Engel treffen, steigt sie aus. Was den Erzähler wie den Leser in Borges' gleichnamiger Erzählung in einen zutiefst verstörenden Zustand der Ambivalenz überführt, so erläutert Teutsch den Qualitätsunterschied, evoziert bei Coelho bloß platteste Bilder a la Dan Brown.

© Perlentaucher Medien GmbH

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