Drecksbagage - Polt, Gerhard

Gerhard Polt 

Drecksbagage

Anwürfe, Unterstellungen, aber auch Ehrabschneidungen

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Drecksbagage

"Dieses Gschwerl, diese Drecksbagasch, Saubande, Halsabschneider, Blutsauger, Banditen, Mörder!"

Unvergessliche Figuren hat Gerhard Polt im Lauf der Jahre geschaffen und diese immer wieder variiert. Nun fügt er seinem subversiven Panorama der Gegenwart neue Charaktere hinzu. Zur Sprache kommen u. a. ein "CSU-Sammler", der mit drei Originalbarthaaren aufwarten kann, ein empörter Wirtschaftskrimineller und ein Komponist, der sich von Mozart betrogen fühlt.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 118 S. m. Illustr. v. Reiner Zimnik.
  • Seitenzahl: 128
  • rororo Taschenbücher Nr.25247
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 116mm x 15mm
  • Gewicht: 108g
  • ISBN-13: 9783499252471
  • ISBN-10: 3499252473
  • Best.Nr.: 26381460
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.07.2008

Polterabend

Mit dem Untertitel fängt es an: "Anwürfe, Unterstellungen, aber auch Ehrabschneidungen". Dann gibt es kein Halten mehr, das ist ein polternder Gerhard Polt, wie man ihn liebt. Urlaubte er auch zwischenzeitlich auf dem Komposthaufen Comedy - man denke an den Film "Germanicus" -, hier steht der bierernste Satiriker, der vierzehn Brandreden gegen die stumpfsinnig "schweigende Mehrheit" ("Laut sind nur so Minoritäten") hält. Es beginnt mit der Vergangenheitsbeschau eines Bayern: "Sachen haben wir gemacht, da tät man heute sagen, ui ui ui." Und was zum Beispiel? Einen gefundenen Geldbeutel abgegeben, was sogar die Mutter für Rindviehlertum hielt. Natürlich sinniert bald jemand über Hitler, den er, wäre er damals älter gewesen, wohl zur Torte eingeladen hätte: "Weil der Hitler war ja als solches kein Zechpreller." Aber er war nicht älter, sondern ein brüllender Säugling. Hitler, am Nebentisch, wollte indes hören, "was der Ludendorff seinen Offizieren über den Dolchstoß erzählt", weshalb er sich über den Erzähler beugte und "duzi, duzi, duzi" sagte. Da verstummte das Baby ("Heute erkläre ich mir mein Schweigen natürlich so, dass dieser …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.08.2008

Mit eindeutigem Ja zum Nein
Gerhard Polt poltert über Gott und die Welt
„Wenn der Kormoran sich an keine Vereinbarung hält, dann sage ich heute: Ab 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen.” Starker Tobak. Aber Satire darf alles, und wenn sie besonders scharfsichtig ist, schlägt sie verbal schon auf das ein, was sich erst zusammenbraut. Dass Gerhard Polt dafür ein ganz besonderes Gespür hat, zeigt er erneut in dem neuen, schmalen Büchlein mit dem krassen Titel „Drecksbagage”. Darin hat er 14 Texte versammelt, eben auch den, der mit „Der Kormoran” überschrieben ist. Da liefert er auf seine unnachahmliche Art einen Kommentar zu dem wieder ganz frisch aufgebrochenen Streit um den Kormoran, den bayerische Vogelschützer und Fischereivereine gegeneinander führen.
Alle „Anwürfe, Unterstellungen, aber auch Ehrabschneidungen”, so der Untertitel des Bandes, sind Monologe in Polts bewährter Manier: Der Leser wird ohne viel Federlesen tief in den gesellschaftlichen Sumpf gestoßen. Die Mannsbilder, die auf den knapp 120 Seiten über Gott oder die Welt schwadronieren, sind von der Richtigkeit ihrer Lebenseinstellung und der sie stützenden Argumente beseelt: …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Keine Frage, Thomas Thieringer ist ein eingefleischter Gerhard-Polt-Fan. Und so amüsiert er sich auch bestens bei der Lektüre von seinem neuen Buch, auch wenn ihm hin und wieder das Lachen im Hals stecken bleiben könnte. Drastisch geht es zu bei Polt, räumt der Rezensent ein, der auch wirklich "starken Tobak" aufgetischt sah. Aber scharfsinnige Satire darf das, findet Thieringer, denn Polt enthülle den schmalen Grat zwischen Alltag und Abgrund. Wie in den Fernseh-Satiren fühlt sich der Rezensent durch die 14 Monologe "tief in den gesellschaftlichen Sumpf gestoßen", wenn der Kabarettist seine Spitzen bayrisch-bierseeligen Mannsbildern in den Mund lege.

© Perlentaucher Medien GmbH
Gerhard Polt, geboren 1942 in München, brilliert seit 1975 als Sänger, Schauspieler, Poet und Philosoph auf deutschen und internationalen Bühnen. Polt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Staatspreis für Literatur (Jean Paul Preis) und den Heimito von Doderer Literaturpreis. 2006 erhält er den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. 2010 wird ihm der Ernst-Toller-Preis für "besondere Leistungen im Grenzbereich von Literatur und Politik" verliehen.

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