Der Habicht - May, Karl

Karl May 

Der Habicht

Hrsg. v. Euchar A., Roland, Lothar u. Bernhard Schmid. Roman. Hrsg. v. Euchar A., Roland, Lothar u. Bernhard Schmid

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Der Habicht

Dies ist eine weitere bayerische Geschichte um den Wurzelsepp und König Ludwig II. So drohend, wie ein Habicht über Schloß Steinegg kreist, lauert der habsüchtige Baron Alberg über dem Erbe seiner Stieftochter, der jungen Schloßherrin Hilda. Doch der Wurzelsepp sorgt auch hier für Gerechtigkeit.


Produktinformation

  • Gesammelte Werke
  • Bd.73
  • Verlag: Karl-May-Verlag
  • 1967
  • 1967.
  • Ausstattung/Bilder: 403 S.
  • Seitenzahl: 403
  • Best.Nr. des Verlages: 73
  • Deutsch
  • Abmessung: 173mm x 116mm x 29mm
  • Gewicht: 352g
  • ISBN-13: 9783780200730
  • ISBN-10: 3780200732
  • Best.Nr.: 00370301
Karl May (1842 - 1912) war das fünfte von 14 Kindern einer armen Weberfamilie aus Ernstthal/Sachsen. Vom Studium am Lehrerseminar wurde er zunächst ausgeschlossen, nachdem er Kerzenreste unterschlagen hatte. Später konnte er die Ausbildung fortsetzen, arbeitete nur 14 Tage in seinem Beruf, bevor er wieder des Diebstahls bezichtigt und von der Liste der Kandidaten gestrichen wurde. Wegen Diebstahls, Betrugs und Hochstapelei wurde er in den Jahren darauf immer wieder verhaftet und monatelang festgesetzt. Die Jahre zwischen 1870 und 1874 verbrachte er im Zuchthaus Waldheim. Erst viele Jahre nach dem Erscheinen des akribisch recherchierten Orientzyklus reiste Karl May tatsächlich in den Orient. Karl May war lange Zeit einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Er starb1912 in Radebeul.

Leseprobe zu "Der Habicht"

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Leseprobe zu "Der Habicht" von Karl May

8. Gewitter in den Bergen (S. 176-177)

Um die Mittagszeit fand sich der Sepp am Bahnhof Steinegg ein. Er stellte sich so im Schatten des Gebäudes auf, dass er alle Reisenden beobachten konnte, ohne selber gesehen zu werden. Eine Viertelstunde vor zwölf Uhr kam ein Wagen und brachte Asta von Zolba, den Baron und seinen Diener. Alberg löste die Fahrkarten, der Diener besorgte das Gepäck und dann begaben die drei sich auf den Bahnsteig. Nachdem sich Sepp davon überzeugt hatte, dass sie wirklich abreisen würden, eilte er mit langen Schritten ins Städtchen, wo er am Marktplatz die Expedition der Lokalzeitung betrat.

Dort ließ er sich die Mappe mit den Nummern der letzten Wochen geben und blätterte sie durch. Er hatte bald gefunden, was er suchte, und kaufte sich die betreffende Ausgabe. Als er wieder ins Freie trat, betrachtete er prüfend den Himmel. Die Sonne brannte und es war drückend heiß. Noch war der Himmel blau, aber im Süden zog über den Bergen Gewölk auf. Sicherlich würde es ein Gewitter geben. Sepp wollte nach dem kleinen Ort Tannenwinkel, der anderthalb Stunden von Steinegg einsam in den Bergen lag, und da er sein Ziel möglichst noch trocken erreichen wollte, machte er sich eiligst auf den Weg.

Inzwischen war auf dem Bahnhof der Kleinbahnzug aus Lindenberg eingetroffen, der zehn Minuten Aufenthalt hatte, bevor er wieder nach Lindenberg zurückdampfte. Die ankommenden Fahrgäste entstiegen den Wagen und die abfahrenden liefen am Zug entlang, um sich ein Abteil zu suchen. Vor dem Verlassen des Schlosses hatte es zwischen Asta und dem Baron noch eine heftige Auseinandersetzung gegeben und seitdem hatten beide kein Wort mehr gewechselt. Asta ließ sich ihr Handgepäck von dem Diener in ein Abteil Erster Klasse tragen und nahm darin Platz. Der Diener verzog sich in die Dritte Klasse und der Baron trat an den Bahnhofsausschank, um vor der Abfahrt noch ein Glas Bier zu trinken.

Unter den Reisenden, die in Steinegg ausgestiegen waren, befand sich ein großer, schlanker Mann von etwa fünfundzwanzig Jahren. Der breitkrempige Hut beschattete ein tiefgebräuntes, bartloses Gesicht mit regelmäßigen, feinen Zügen, auf denen eine frohe Erwartung lag. Er trug einen schlichten Anzug, hatte auf dem Rücken einen Ranzen und in der Hand einen Stock aus Olivenholz. Mit beschwingten Schritten strebte er dem Ausgang zu. Dabei kam er an dem Baron vorbei. Dessen Augen weiteten sich und erschrocken setzte er das Bierglas auf die Theke. „Rudolf!“, entfuhr es ihm. Der junge Mann blieb stehen und blickte den Fremden erstaunt an.

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