Vorabend, 6 Audio-CDs - Kurzeck, Peter

Peter Kurzeck 

Vorabend, 6 Audio-CDs

Gelesen vom Autor. 355 Min.

Sprecher: Kurzeck, Peter
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Vorabend, 6 Audio-CDs

Peter Kurzeck hat aus seinem Roman Vorabend, der von den Feuilletons in den höchsten Tönen gelobt wurde, für verschienene Rundfunkanstalten gelesen. Das Hörbuch vereinigt auf vier CDs Lesungen für den Saarländischen und den Hessischen Rundfunk. Koproduktion Stroemfeld/Saarländischer Rundfunk/Hessischer Rundfunk

Im Jahr 1982 in Frankfurt-Eschersheim ein langes Wochenende im Herbst. Der Erzähler ist mit Frau und Kind bei Freunden zu Besuch. Vielleicht das letzte Wochenende, bevor die Freunde nach Südfrankreich ziehen. Der Erzähler ist müde. Will schlafen. Um ihn her der Nachmittag und die vertrauten Stimmen und dazu die Stimmen in seinem Kopf. Und dann muss er erzählen! Eine lange Reise. Und wir begleiten ihn in das Land seiner Kindheit. Das Oberhessen aus der Zeit nach dem Krieg und bis in die Siebziger Jahre. Gestern noch hier und jetzt ein versunkenes Land.
Man muss die ganze Gegend erzählen, die Zeit! Und dazu die Menschen. Kleinbauern, Handwerker und Gießereiarbeiter. Die Oberdorfwitwen, die alten Leute und ihre Geschichten. Und die Kinder, als wir alle noch Kinder waren. Die alten Kaufläden. Flohmarkt- und Flüchtlingsgeschichten. Wie es bei der Arbeit zugeht.
Lebensläufe, Vergangenheiten, die Zeit. Was die Zeit mit uns macht. Das Fernsehen. Die Liebe. Drei Paargeschichten. Wie man mitten im Pferdefuhrwerk- und Dampflokzeitalter als Sechsjähriger in Lollar am Güterbahnhof bei der amtlichen Waage steht (neben einer großen Pfütze) und weiß vom Hörensagen, die Erde ist eine Kugel. Ein langer Herbstnachmittag und er ist sechs und muß sich alle Stimmen und Farben und jede Einzelheit merken. Hier will er ein Dichter und groß werden! Wenn man auf einem Berg wohnt, führt jeder Heimweg am Ende bergauf.
Die Nachkriegs-, die Not-, die Hunger-, die Hamster-, die Schwarzmarkt- und dann die neue und immer noch eine neuere neue Zeit. Der Fortschritt. Und fängt dann zu fahren an. Baustellen, der Straßenbau, Autobahnen, Schnellstraßen und Autobahnzubringer. Staatssekretäre, Ehrenjungfrauen und das Weltbild der Igel. Eine vergessene alte Landstraße, die leer in der Sonne liegt. Supermärkte, Einkaufsfahrten, Räubergeschichten, ein gelungener Amoklauf und die langen Sommer der späten Sechziger Jahre. Ein ganzes Zeitalter und jeder Augenblick fängt zu reden an.


Produktinformation

  • Verlag: Stroemfeld
  • ISBN-13: 9783866000896
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3866000898
  • Best.Nr.: 33078552
  • Laufzeit: 355 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.04.2011

Vorabend
Lesung mit Peter Kurzeck

"Ich wollte das Buch ja gar nicht schreiben", gesteht Peter Kurzeck später am Abend im Frankfurter Literaturhaus durchaus selbstironisch: Weiß der Autor doch um jenen geläufigen literarischen Topos, wonach sich ein Buch gleichsam von selbst schreibt und der Autor lediglich als Medium zur Feder greift. Es musste einfach aus ihm raus - dieses Bekenntnis nimmt man dem akribischen Heimatchronisten allerdings eher ab als anderen.

Seit Jahren widmet sich der Autor einem literarischen Großprojekt, das sich freiwillig wohl niemand zur Aufgabe machen würde: In zwölf Bänden erzählt er aus dem Leben in Frankfurt und der hessischen Provinz. Der fünfte Band "Vorabend" erstreckt sich vom Beginn der Fünfziger bis in die späten Siebziger. Ausgangspunkt dieser Erinnerungsarbeit sind einige Tage im Herbst 1983 - aus dieser Zeitnische entfaltet der Erzähler seine Memoiren. Auf 1015 Seiten findet sich all das, was in "Oktober und wer wir selbst sind" (2007) nicht mehr zwischen die Buchdeckel passte. Kurzeck schrieb daran, wann immer er konnte, auch auf seiner Fahrplanauskunft machte er sich im Zug Notizen. Herausgekommen …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.04.2011

Wie man die Vergangenheit erfindet, Schritt für Schritt
Von Juli bis September 2010 hat Peter Kurzeck im Frankfurter Literaturhaus seinen neuen Roman öffentlich diktiert: Jetzt ist „Vorabend“ als Buch erschienen – und liest sich wunderbar
Damals. Seinerzeit. Genauer gesagt: Die seinerzeitige Gegenwart. Das ist die Zeit, die Peter Kurzeck durchstreift, durchwandert, ausmisst, Meter für Meter: „Erst nur die wechselnden Jahreszeiten. Und dann geht man und schreitet die Jahre ab.“ Diese Zeit verläuft nicht linear. Sie verdickt sich, staut sich, und dann rast sie dahin. „Wieder Herbst“, heißt deshalb der erste Satz im neuen Roman „Vorabend“, nachdem frühere Romane „Kein Frühling“ oder „Oktober und wer wir selbst sind“ hießen. Doch die Jahreszeiten wiederholen sich zu oft und zu rasch, um Orientierung zu bieten. Kann es sein, dass zwischen Karfreitag und Gründonnerstag ein Sommer lag? Schon vorbei? Die Zeit zerrt und zieht und ruckt, gelegentlich summt sie wie eine Heizung im Winter, dann fängt sie zu gehen und später sogar „zu fahren an“, als wäre sie ein Auto und wir stiegen ein. Die Welt ist in Bewegung. Doch wo fährt sie hin, die …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Gerührte Leser, selige Zuhörer, Kritiker, die ihn den hessischen Proust nennen: Peter Kurzeck ist mit seinem Erinnerungsroman "Vorabend" eines der merkwürdigeren Phänomene des Literaturbetriebs, konstatiert Rezensentin Ina Hartwig und erhebt gegen solche Lobhudeleien Einspruch. Proust sei nicht Proust, weil er sich auf tausend Seiten an seine Kindheit erinnert, sondern weil er dies komisch, böse und gesellschaftlich brisant tut. Bei Kurzeck konnte sie davon nichts spüren: keine Auseinandersetzung mit anderen Literaturen, keine Distanz zu sich selbst als Erzähler, kein kritischer Blick auf die Gesellschaft der fünfziger Jahre, die zwanzig Jahre zuvor noch den Willen des Führers exekutiert hat. Stattdessen sentimentale Erinnerungen an die ländliche Schönheit, Mutters Küche, das alte Filmtheater und die Igel, die der vernichtenden Moderne zum Opfer fallen. Auch "den Stachelschweinen setzt der Fortschritt zu". Angesichts der patriarchalen Erzählsituation regt Hartwig an, über das ramarbasierende Männer nachzudenken.

© Perlentaucher Medien GmbH
Peter Kurzeck ist 1943 in Böhmen geboren und als Flüchtlingskind in Staufenberg im Kreis Gießen aufgewachsen, lebte seit 1970 lange Jahre in Frankfurt am Main. Heute lebt er in Uzès, Südfrankreich, und in Frankfurt am Main. Verschiedene Literaturpreise und Stipendien: Alfred-Döblin-Preis 1991, Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1999, Hans-Erich-Nossack-Preis 2000, Stadtschreiber von Bergen 2000/2001. 2008 erhielt Peter Kurzeck den Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis.

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