Mittelreich, 10 Audio-CDs - Bierbichler, Josef
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Josef Bierbichler 

Mittelreich, 10 Audio-CDs

Ungekürzte Autorenlesung. Ausgezeichnet als Hörbuch des Jahres 2011. 727 Min.

Sprecher: Bierbichler, Josef
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Mittelreich, 10 Audio-CDs

Als der älteste Sohn des Seewirts im Ersten Weltkrieg fällt, muss der jüngste Sohn das väterliche Erbe antreten. Der wäre lieber Künstler statt Gastwirt geworden. Da braucht es erst einen Jahrhundertsturm, der droht, Haus und Hof in den See zu blasen, damit aus ihm doch noch ein brauchbarer Unternehmer wird. Als ihn später sein eigener Sohn anfleht, ihm das katholische Internat zu ersparen, kann er ihn nicht verstehen. Zu sehr ist man in diesen Zeiten damit beschäftigt, das Vergangene vergangen sein zu lassen und die Geschäftsbedingungen der neuen Gegenwart zu studieren. Josef Bierbichler (Foto), der große Menschendarsteller im deutschen Theater und Film, erzählt hundert Jahre Deutschland. Ein Epos über Krieg und Zerstörung, alte Macht und neuen Wohlstand.


Produktinformation

  • ISBN-10: 3862311406
  • Best.Nr.: 33823227
  • Laufzeit: 727 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.09.2011

Die Untergeher
Ach, Heimat: Josef Bierbichler entwirft in seinem Roman „Mittelreich“ ein zeitgeschichtliches Provinz-Panoptikum
Autobiographisch? Natürlich ist dieses Buch nicht autobiographisch, sonst würde es ein lupenreines Mordgeständnis beinhalten und Josef Bierbichler müsste sofort ins Gefängnis. Der junge Mann, Semi heißt er, der in der Geschichte seine demente Mutter umbringt, indem er sich nackt zu ihr ins Bett kuschelt und sie zu Tode küsst, kann nicht der echte Bierbichler sein, auch wenn frappierende Indizien darauf hindeuten, dass der Autor sich selbst porträtiert in diesem Semi. Viel historische und erlebte Wirklichkeit ist in diesem Buch geronnen zu einem Werk, das, je mehr Bierbichler seine Phantasie einsetzt, zu einem mitreißenden Roman wird.
„Mittelreich“ – so der Titel – spielt im Wesentlichen in jener Gastwirtschaft in Ambach am Starnberger See, in der Bierbichler geboren wurde und wo er aufwuchs. Das Wirtshaus, zu dem lange Zeit eine Landwirtschaft gehörte, heißt „Zum Fischmeister“, im Roman ist es der Seewirt. Hier lebt der 63-jährige Bierbichler, wenn er nicht seinem Hauptberuf als Schauspieler an den großen …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.09.2011

Der Seewirt, der alte Sepp und die Deppen

Sanfter ist er nicht geworden, aber doch reif für Suhrkamp: Josef Bierbichler wütet in seinem ersten Roman wie die Axt im Walde gegen Gschaftlhuberei und Nationalsozialismus.

Sepp Bierbichler, der feinfühlige Holzhacker des deutschen Theaters, hat schon manchen groben Klotz gespalten. Regisseure sind Deppen, Schauspieler Idioten, Kritiker sowieso Watschenmänner, und das Publikum ist auch "relativ wurscht". "Das Spiel mit der Sprache und den Figuren, die ich bin", sagt Semi, sein Alter Ego, nachdem er in der Theater-AG des Internats seine Aggressionen dämpfen gelernt hat, "schützt mich davor, zu morden." Dafür zerstückelt er dann aber auf dem Papier Turnvater Ezechiel, der Semis Heimweh am Barren sexuell missbrauchte. Bierbichler ergeht es mit seiner literarischen und theatralischen Wut indes wie mit seinem Wirtshaus am Starnberger See: Je mehr er den Münchner Cabriofahrern und Kulturtouristen den Laberkäs seines Hasses um die Ohren haut, desto zahlreicher und ehrfürchtiger nähern sie sich dem grantelnden Wirt. "Für Talente vom Land gibt es im Kulturbetrieb immer eine erhöhte Aufmerksamkeit", ermunterte …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Ein Dorf in Bayern, See, Kirche, Gasthof. Da können die Zeiten vorbeischwimmen, Erster Weltkrieg, Weimar, Nazis, Wirtschaftswunder, der Seewirt sitzt da, trinkt ein Bier und weiß: Nichts wird die eingespielten Hierarchien angreifen. Josef Bierbichler ist von Haus aus Schauspieler, ein Berg von einem Mann, intellektuell, kraftvoll, geprägt von einer tiefen inneren Unruhe. Diese Charaktereigenschaften zeichnen auch sein Romandebüt aus, eine eigentlich unoriginelle Anlage, die Weltgeschichte auf den Mikrokosmos eines Dorfes eindampft. Für diese Geschichte findet Bierbichler aber eine ganz eigene Sprache, die mehr dumpfes Brüten ist als strukturiertes Beschreiben. Das Dorf wird hier zum Organismus, der geprägt ist von Verdrängung - und dass Verdrängung nicht gut ausgehen kann, das wusste schon Freud. "Nun aber war alles wieder da. Alles./Und der Seewirt begriff, dass Kunst Leben ist./Und Leben Geschichte./Und Geschichte Menschheitsgeschichte." Dunkel. Schwer. Groß. (fis)

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Reine Begeisterung bei Sandra Kegel. Für den Schauspieler Josef Bierbichler, den Schriftsteller Bierbichler, seinen "bayrischen Jahrhundertroman" und nun auch für die von ihm selbst gelesene Hörbuchfassung. Ausgiebig preist Kegel noch einmal den Roman selbst für seine erzählerische Wucht, die kraftvolle Sprache und das grandiose Figurenarsenal. Wenn es um die Hörbuchfassung geht, lässt Kegel keinen Zweifel daran, dass niemand sonst dieses Buch hätte einlesen dürfen als der Autor selbst, der sich gekonnt "allen Regeln schöner Vortragskunst" widersetzt, wie die Rezensentin frohlockt. Ganz ohne die Brillanz versierter Sprecher lese Bierbichler mit brüchiger Stimme und in einem nuancenreichen Bayrisch, erklärt Kegel, wobei er ganz genau wisse, welche Silben wann und wie "gequetscht oder gedehnt" werden.

© Perlentaucher Medien GmbH
Josef Bierbichler, geboren 1948 in Ambach am Starnberger See, ist einer der großen und das deutsche Theater prägenden Schauspieler. Er war "Mein Herbert" in dem Stück seines Freundes Achternbusch, er war Müllers "Philoktet", Marthalers "Faust" und Lopachin in Zadeks "Kirschgarten". Er spielte in Michael Hanekes Filmen "Code Inconnu" und "Das weiße Band", in Jan Schüttes Film "Abschied" den alten Brecht sowie in Hans Steinbichlers "Winterreise".

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