Ich schlage vor, dass wir uns küssen, 4 Audio-CDs - Wieland, Rayk

Rayk Wieland 

Ich schlage vor, dass wir uns küssen, 4 Audio-CDs

Ungekürzte Lesung. Gesprochen vom Autor. 304 Min.

Sprecher: Wieland, Rayk
Audio CD
 
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Produktbeschreibung zu Ich schlage vor, dass wir uns küssen, 4 Audio-CDs

Herr W. hat eines Tages eine ominöse Einladung in der Post: Auf einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter soll er Auskunft geben über sein Werk, über die Unterdrückung in der DDR und über seine Erlebnisse als Staatsfeind. Zuerst glaubt er an einen schlechten Scherz. Ist er überhaupt gemeint? Mit der DDR hat er doch längst abgeschlossen, nachdem sie 1989 wie ein falsch montiertes Chemieklo zusammenklappte. War er je als Dichter auffällig geworden? Als unterdrückter gar?
W. stellt Nachforschungen an, unterzieht sich bei der Psychologin Tyna Novelli einer Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit und nimmt schließlich Einsicht in seine Stasi-Akte. Was für ein Fund: Tatsächlich sind hier seine lyrischen Gehversuche unter dem Titel "Mögliche Exekution des Konjunktivs" abgeheftet, dazu sämtliche Liebesbriefe an Liane in München - alles von einem Oberleutnant Schnatz über Jahre akribisch gegengelesen, verwegen gedeutet und als staatszersetzend-konterrevolutionäres Schrifttum eingestuft."Ich schlage vor, dass wir uns küssen" ist ein Roman über die Absurditäten der Erinnerung, auch der eigenen, über rätselhafte Wirkungen unbeholfener Gedichte und über eine Liebe, wie sie nur in Zeiten der deutschen Teilung blühen konnte. Ein Buch über die Mauer, die es nie gab. Eine wahre Geschichte, die niemand für möglich gehalten hat. Nicht einmal ihr Verfasser.
Die Geschichte dieses Buches beruht auf einer wahren Begebenheit. Die DDR hat es wirklich gegeben.

Produktinformation


  • ISBN-10: 386847112X
  • Best.Nr.: 27255805
  • Laufzeit: 304 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.10.2009

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Die achtziger Jahre in Prenzlauer Berg: Rayk Wielands quietschvergnügter Roman „Ich schlage vor, dass wir uns küssen”
Dieser Roman ist so erfrischend, weil er genau dort vom Genuss her argumentiert, wo Genuss offiziell nicht vorkommt. Das Stasi-Unwesen der späteren und spätesten DDR mag grau, drückend und menschenverachtend gewesen sein; der 1965 in Leipzig geborene Rayk Wieland aber sieht das nicht so eng und vor allem einmal anders. In fröhlicher Opposition zum Tenor des laufenden Gedenkjahres schwelgt er in seinen ganz privaten Erinnerungen – oder aber, und das ist die eigentliche Pointe dieses mit Pointen reich gespickten Buches, in seinen noch viel privateren Erinnerungslücken. Und aus Lücken besteht „Ich schlage vor, dass wir uns küssen” geradezu. Die achtziger Jahre im Prenzlauer Berg, anhand Wielands mal stockender, mal komplett fehlender Erinnerungen nachvollzogen, treten als kolossal klaffende, nicht im Ansatz gefüllte Zeit hervor.
Etwas Kunst machen, viel Alkohol trinken und noch viel mehr einfach nur diffus vor sich hin warten: Wenn dieser Dornröschenschwipps einem ganzen Milieu über …

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"Rayk Wielands Roman "Ich schlage vor, dass wir uns küssen" ist weder nostalgisch oder moralisch noch monumental oder neunmalschlau, und darum ist es vielleicht eines der besten Bücher, das in letzter Zeit über die DDR geschrieben wurde. Es ist leicht und lustig, es hat den Zauber des Dranvorbeigehens, um es mit Max Goldt zu sagen, und quasi aus dem Augenwinkel betrachtet sieht man sie plötzlich einmal wieder so klar wie schon lange nicht mehr, diese seltsame DDR." Susanne Messmer, taz 07.03.09

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sehr gern mag Rezensent Edo Reents diesen Roman, ohne ihn deswegen gleich für bedeutende Literatur zu halten. Es geht darin um die DDR, bzw. um den Schriftsteller W., der ohne viel eigenes Zutun im Westen in den Verdacht gerät, ein lyrischer Widerständler zu sein. Flugs gründet er die "Gruppe 61" und der Roman entpuppt sich als satirische Meditation über Erinnerungspolitik. Ostalgisch geht's dabei gar nicht zu, freut sich Reents, dafür umso lustiger. Was kein Wunder sei bei einem Autor aus dem Titanic-Umfeld. Manche heilige Kuh wird dabei fröhlich geschlachtet. Allen, die die deutsch-deutsche Geschichte allzu ernst nehmen, komme das ganze sicherlich, weiß der Rezensent, arg "frivol" vor. Er hält den vom Autor gefundenen, aber für einen durchaus passenden Ton.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.04.2009

Die Schnüffelphilologie wittert überall tickende Lyrikbomben

Das war die DDR: lethargisch, aber auch lustig, vorausgesetzt, man hatte selbst Humor. Rayk Wieland hat einen verblüffend leichthändigen Roman zum Wendejahr geschrieben.

Von Edo Reents

Kann man mit Büchern die Welt verändern?", fragte die "Titanic" im Herbst 1986. Zu sehen war Ronald Reagan, der "Yes, Sir!" antwortete und mit einer Schwarte auf den roten Knopf schlug, mit dem man die Atombomben zündete. Dass drei Jahre später mit dem ganzen Ostblock auch die DDR zu Bruch ging, muss aber nicht unbedingt kollektiver Lesewut zugeschrieben werden. Die Ursachenforschung für den Republik-Untergang hat seither gleichermaßen Erinnerungen und literarische Phantasien freigesetzt, die den einen immer noch zu wenig sind - irgendwie wartet man ja immer noch auf den Wenderoman -, den anderen schon zu viel oder aufdringlich, den wieder anderen zu larmoyant oder feierlich.

Einen unerhörten Ton schlägt nun Rayk Wieland an. Sein Roman "Ich schlage vor, dass wir uns küssen" signalisiert im Titel die frech-sympathische Unbekümmertheit mancher Schlager und hält sich ansonsten an den …

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kulturnews - RezensionBesprechung
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(c) bunkverlag
Mit einer Einladung fängt alles an. Herr W. soll an einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter teilnehmen. Dumm nur, dass Herr W. sich überhaupt nicht erinnern kann, je schriftstellerisch tätig gewesen zu sein. Man belehrt ihn eines Besseren - dank seiner Stasiakte. Einsicht in diese sowie eine psychologische Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit bringen an den Tag: Herr W. hat gedichtet, sogar regelmäßig! In den 80er-Jahren, in Briefen an seine Münchner Freundin Liane. Und weil die Stasi seine Gedichte nicht nur sammelte, sondern auch politisch interpretierte, wurde er von Oberleutnant Schnatz "zum Staatsfeind erfunden". Während Rayk Wielands Romanheld die 80er-Jahre mit viel Herzschmerz erlebt, Philosophie studiert, Kontakt zur Klohäuschen-Mafia der DDR-Hauptstadt aufnimmt und mit Ufo-Jürgen ein Bier nach dem anderen leert, ist sein Freundes- und Bekanntenkreis schwer IM-belastet - doch Herr W. merkt nichts. Mit "Ich schlage vor, dass wir uns küssen" gelingt Rayk Wieland eine wunderbar ironische, entspannte Erinnerung an die DDR, ohne jede Dissidenten-Aufgeregtheit und ohne falsche Pathos. (jw)
Rayk Wieland, geb. 1965, lernte Elektriker, studierte Philosophie, war Zeitungs-, Funk- und Fernsehredakteur und lebt als Autor und TV-Journalist bei Hamburg. Einmal im Monat veranstaltet er zusammen mit Gerhard Henschel den »Toten Salon« im Nachtasyl des Hamburger Thalia Theaters.

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Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von MaWiOr aus Halle am 27.06.2010 ***** ausgezeichnet
Jahrelang hatten die Literaturkritiker und Feuilletonisten nach dem ultimativen Wenderoman Ausschau gehalten. 1995 erschienen dann die beiden heiß ersehnten Romane „Helden wie wir“ von Thomas Brussig und „Der Zimmerspringbrunnen“ von Jens Sparschuh, in denen der DDR-Alltag, der Irrwitz des sozialistischen Überwachungsapparates oder die ersten turbulenten Wendejahre hintersinnig auf die Schippe genommen wurden. Im Vorjahr nun, also vierzehn Jahre später, wurde Rayk Wieland mit seinem Debütroman „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ quasi der Dritte im Bunde.

Die Handlung spielt zwanzig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer. Herr W. (Wielands alter ego?) bekommt eines Tages per Post eine ominöse Einladung zu einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter. Dort soll er über sein in der DDR verbotenes Werk referieren und Auskunft geben über die Unterdrückung im Honecker-Staat und über seine persönlichen Erlebnisse als Staatsfeind.

So weit, so gut - nur Herr W. kann sich überhaupt nicht erinnern, jemals schriftstellerisch tätig gewesen zu sein. Das muss eine Verwechslung oder ein übler Scherz sein. Er hat zu DDR-Zeiten nie etwas veröffentlicht, geschweige denn im Untergrund gearbeitet.

Herr W. stellt selbst Nachforschungen an und unterzieht sich sogar einer psychologischen Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit. Schließlich beantragt er Einsicht in seine Stasi-Akte. Und die bringt es an den Tag: W. hat tatsächlich gedichtet … und zwar jugendliche Liebesverse an seine Münchner Freundin Liane.

Die Stasi witterte damals in diesen pubertierenden Lyrikversuchen (ebenso in den leidenschaftlichen Liebesbriefen) staatsfeindliches Schrifttum, ja einen Angriff auf die Grundfesten des Sozialismus. Also wurde das konterrevolutionäre Material abgefangen und von dem übereifrigen Stasi-Offizier Schnatz akribisch dokumentiert und unter dem Decknamen „Spiegel“ abgeheftet. Frei nach dem Motto: Wo kein Staatsfeind ist, muss einer erfunden werden.

Nun liegt „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ im Leipziger Hörbuchverlag BUCHFUNK auf vier Audio-CDs vor. Die vollständige Lesung des Schelmenromans nimmt der Autor auf humorvolle Weise selbst vor. Ohne Nostalgie gelingt ihm dabei eine schalkhafte Erinnerung an eine DDR, die an ihrem grotesken Widersinn selbst untergegangen ist. Wer allerdings nach 304 Hörminuten glaubt, das alles sei nur eine fiktive Geschichte, der irrt gewaltig: die DDR hat es wirklich gegeben.

Manfred Orlick

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Rayk Wieland 

Ich schlage vor, dass wir uns küssen, 4 Audio-CDs

Ich schlage vor, dass wir uns küssen, 4 Audio-CDs - Wieland, Rayk

Ungekürzte Lesung. Gesprochen vom Autor. 304 Min.

Sprecher: Wieland, Rayk

  • Erscheinungstermin: 2009
  • Anzahl 4
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  • EUR 19,90
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  • Best.Nr.: 27255805
  • Laufzeit: 304 Min.

Produktbeschreibung zu "Ich schlage vor, dass wir uns küssen, 4 Audio-CDs"

Kurzbeschreibung

Herr W. hat eines Tages eine ominöse Einladung in der Post: Auf einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter soll er Auskunft geben über sein Werk, über die Unterdrückung in der DDR und über seine Erlebnisse als Staatsfeind. Zuerst glaubt er an einen schlechten Scherz. Ist er überhaupt gemeint? Mit der DDR hat er doch längst abgeschlossen, nachdem sie 1989 wie ein falsch montiertes Chemieklo zusammenklappte. War er je als Dichter auffällig geworden? Als unterdrückter gar?
W. stellt Nachforschungen an, unterzieht sich bei der Psychologin Tyna Novelli einer Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit und nimmt schließlich Einsicht in seine Stasi-Akte. Was für ein Fund: Tatsächlich sind hier seine lyrischen Gehversuche unter dem Titel "Mögliche Exekution des Konjunktivs" abgeheftet, dazu sämtliche Liebesbriefe an Liane in München - alles von einem Oberleutnant Schnatz über Jahre akribisch gegengelesen, verwegen gedeutet und als staatszersetzend-konterrevolutionäres Schrifttum eingestuft."Ich schlage vor, dass wir uns küssen" ist ein Roman über die Absurditäten der Erinnerung, auch der eigenen, über rätselhafte Wirkungen unbeholfener Gedichte und über eine Liebe, wie sie nur in Zeiten der deutschen Teilung blühen konnte. Ein Buch über die Mauer, die es nie gab. Eine wahre Geschichte, die niemand für möglich gehalten hat. Nicht einmal ihr Verfasser.
Die Geschichte dieses Buches beruht auf einer wahren Begebenheit. Die DDR hat es wirklich gegeben.

04.04.2009

Die Schnüffelphilologie wittert überall tickende Lyrikbomben

Das war die DDR: lethargisch, aber auch lustig, vorausgesetzt, man hatte selbst Humor. Rayk Wieland hat einen verblüffend leichthändigen Roman zum Wendejahr geschrieben.

Von Edo Reents

Kann man mit Büchern die Welt verändern?", fragte die "Titanic" im Herbst 1986. Zu sehen war Ronald Reagan, der "Yes, Sir!" antwortete und mit einer Schwarte auf den roten Knopf schlug, mit dem man die Atombomben zündete. Dass drei Jahre später mit dem ganzen Ostblock auch die DDR zu Bruch ging, muss aber nicht unbedingt kollektiver Lesewut zugeschrieben werden. Die Ursachenforschung für den Republik-Untergang hat seither gleichermaßen Erinnerungen und literarische Phantasien freigesetzt, die den einen immer noch zu wenig sind - irgendwie wartet man ja immer noch auf den Wenderoman -, den anderen schon zu viel oder aufdringlich, den wieder anderen zu larmoyant oder feierlich.

Einen unerhörten Ton schlägt nun Rayk Wieland an. Sein Roman "Ich schlage vor, dass wir uns küssen" signalisiert im Titel die frech-sympathische Unbekümmertheit mancher Schlager und hält sich ansonsten an den …

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22.10.2009

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Die achtziger Jahre in Prenzlauer Berg: Rayk Wielands quietschvergnügter Roman „Ich schlage vor, dass wir uns küssen”
Dieser Roman ist so erfrischend, weil er genau dort vom Genuss her argumentiert, wo Genuss offiziell nicht vorkommt. Das Stasi-Unwesen der späteren und spätesten DDR mag grau, drückend und menschenverachtend gewesen sein; der 1965 in Leipzig geborene Rayk Wieland aber sieht das nicht so eng und vor allem einmal anders. In fröhlicher Opposition zum Tenor des laufenden Gedenkjahres schwelgt er in seinen ganz privaten Erinnerungen – oder aber, und das ist die eigentliche Pointe dieses mit Pointen reich gespickten Buches, in seinen noch viel privateren Erinnerungslücken. Und aus Lücken besteht „Ich schlage vor, dass wir uns küssen” geradezu. Die achtziger Jahre im Prenzlauer Berg, anhand Wielands mal stockender, mal komplett fehlender Erinnerungen nachvollzogen, treten als kolossal klaffende, nicht im Ansatz gefüllte Zeit hervor.
Etwas Kunst machen, viel Alkohol trinken und noch viel mehr einfach nur diffus vor sich hin warten: Wenn dieser Dornröschenschwipps einem ganzen …

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Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 1 Bewertung):
5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen *****
ausgezeichnet
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*****
ausgezeichnet
Jahrelang hatten die Literaturkritiker und Feuilletonisten nach dem ultimativen Wenderoman Ausschau gehalten. 1995 erschienen dann die beiden heiß ersehnten Romane „Helden wie wir“ von Thomas Brussig und „Der Zimmerspringbrunnen“ von Jens Sparschuh, in denen der DDR-Alltag, der Irrwitz des sozialistischen Überwachungsapparates oder die ersten turbulenten Wendejahre hintersinnig auf die Schippe genommen wurden. Im Vorjahr nun, also vierzehn Jahre später, wurde Rayk Wieland mit seinem Debütroman „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ quasi der Dritte im Bunde.

Die Handlung spielt zwanzig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer. Herr W. (Wielands alter ego?) bekommt eines Tages per Post eine ominöse Einladung zu einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter. Dort soll er über sein in der DDR verbotenes Werk referieren und Auskunft geben über die Unterdrückung im Honecker-Staat und über seine persönlichen Erlebnisse als Staatsfeind.

So weit, so gut - nur Herr W. kann sich überhaupt nicht erinnern, jemals schriftstellerisch tätig gewesen zu sein. Das muss eine Verwechslung oder ein übler Scherz sein. Er hat zu DDR-Zeiten nie etwas veröffentlicht, geschweige denn im Untergrund gearbeitet.

Herr W. stellt selbst Nachforschungen an und unterzieht sich sogar einer psychologischen Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit. Schließlich beantragt er Einsicht in seine Stasi-Akte. Und die bringt es an den Tag: W. hat tatsächlich gedichtet … und zwar jugendliche Liebesverse an seine Münchner Freundin Liane.

Die Stasi witterte damals in diesen pubertierenden Lyrikversuchen (ebenso in den leidenschaftlichen Liebesbriefen) staatsfeindliches Schrifttum, ja einen Angriff auf die Grundfesten des Sozialismus. Also wurde das konterrevolutionäre Material abgefangen und von dem übereifrigen Stasi-Offizier Schnatz akribisch dokumentiert und unter dem Decknamen „Spiegel“ abgeheftet. Frei nach dem Motto: Wo kein Staatsfeind ist, muss einer erfunden werden.

Nun liegt „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ im Leipziger Hörbuchverlag BUCHFUNK auf vier Audio-CDs vor. Die vollständige Lesung des Schelmenromans nimmt der Autor auf humorvolle Weise selbst vor. Ohne Nostalgie gelingt ihm dabei eine schalkhafte Erinnerung an eine DDR, die an ihrem grotesken Widersinn selbst untergegangen ist. Wer allerdings nach 304 Hörminuten glaubt, das alles sei nur eine fiktive Geschichte, der irrt gewaltig: die DDR hat es wirklich gegeben.

Manfred Orlick
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Perlentaucher-Notiz zur FAZ-Rezension

04.04.2009

Sehr gern mag Rezensent Edo Reents diesen Roman, ohne ihn deswegen gleich für bedeutende Literatur zu halten. Es geht darin um die DDR, bzw. um den Schriftsteller W., der ohne viel eigenes Zutun im Westen in den Verdacht gerät, ein lyrischer Widerständler zu sein. Flugs gründet er die "Gruppe 61" und der Roman entpuppt sich als satirische Meditation über Erinnerungspolitik. Ostalgisch geht's dabei gar nicht zu, freut sich Reents, dafür umso lustiger. Was kein Wunder sei bei einem Autor aus dem Titanic-Umfeld. Manche heilige Kuh wird dabei fröhlich geschlachtet. Allen, die die deutsch-deutsche Geschichte allzu ernst nehmen, komme das ganze sicherlich, weiß der Rezensent, arg "frivol" vor. Er hält den vom Autor gefundenen, aber für einen durchaus passenden Ton.

© Perlentaucher Medien GmbH

Rezensionen und Kritik

"Rayk Wielands Roman "Ich schlage vor, dass wir uns küssen" ist weder nostalgisch oder moralisch noch monumental oder neunmalschlau, und darum ist es vielleicht eines der besten Bücher, das in letzter Zeit über die DDR geschrieben wurde. Es ist leicht und lustig, es hat den Zauber des Dranvorbeigehens, um es mit Max Goldt zu sagen, und quasi aus dem Augenwinkel betrachtet sieht man sie plötzlich einmal wieder so klar wie schon lange nicht mehr, diese seltsame DDR." Susanne Messmer, taz 07.03.09

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Mit einer Einladung fängt alles an. Herr W. soll an einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter teilnehmen. Dumm nur, dass Herr W. sich überhaupt nicht erinnern kann, je schriftstellerisch tätig gewesen zu sein. Man belehrt ihn eines Besseren - dank seiner Stasiakte. Einsicht in diese sowie eine psychologische Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit bringen an den Tag: Herr W. hat gedichtet, sogar regelmäßig! In den 80er-Jahren, in Briefen an seine Münchner Freundin Liane. Und weil die Stasi seine Gedichte nicht nur sammelte, sondern auch politisch interpretierte, wurde er von Oberleutnant Schnatz "zum Staatsfeind erfunden". Während Rayk Wielands Romanheld die 80er-Jahre mit viel Herzschmerz erlebt, Philosophie studiert, Kontakt zur Klohäuschen-Mafia der DDR-Hauptstadt aufnimmt und mit Ufo-Jürgen ein Bier nach dem anderen leert, ist sein Freundes- und Bekanntenkreis schwer IM-belastet - doch Herr W. merkt nichts. Mit "Ich schlage vor, dass wir uns küssen" gelingt Rayk Wieland eine wunderbar ironische, entspannte Erinnerung an die DDR, ohne jede Dissidenten-Aufgeregtheit und ohne falsche Pathos. (jw)

Autorenporträt zu "Rayk Wieland"

Rayk Wieland, geb. 1965, lernte Elektriker, studierte Philosophie, war Zeitungs-, Funk- und Fernsehredakteur und lebt als Autor und TV-Journalist bei Hamburg. Einmal im Monat veranstaltet er zusammen mit Gerhard Henschel den »Toten Salon« im Nachtasyl des Hamburger Thalia Theaters.

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