Ein Sommer, der bleibt, 4 Audio-CDs - Kurzeck, Peter

Peter Kurzeck 

Ein Sommer, der bleibt, 4 Audio-CDs

Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit. 290 Min.

Sprecher: Kurzeck, Peter
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Ein Sommer, der bleibt, 4 Audio-CDs

Das Dorf Staufenberg im Landkreis Gießen liegt auf einer Felskuppe. Hoch oben die alte Burg. Wenn der böhmische Flüchtlingsjunge Peter vom Turm ins Tal blickt, kommt ihm das wogende Korn vor wie das Meer, das er nicht kennt, sich aber immer wieder vorstellen muss, und die Flugameisen, die nur hier und nur an wenigen, Jahr für Jahr wiederkehrenden Tagen Hochzeit feiern, erzählen ihm vom Sommer, der kommt. Er sieht die Menschen im Dorf, von denen er nun selbst einer ist, und er sieht all die Wege, die vom Dorf wegführen: in die Weite des Tals vor dem Autobahnbau, zur Lahn und den Lahnwiesen, wo er mit den anderen Kindern spielt und einmal fast sein Taschenmesser verliert, zur Mühle, wo er mit seiner Mutter um ein Säckchen Mehl bittet, zum Rex-Filmtheater Lollar und zur Buderus-Hütt, dem großen Eisenwerk, nach Gießen zum Papierwarenhändler und zum Teufelslustgärtchen, und nicht zuletzt nach Frankfurt, wohin er später mit seinem Freund Eckart in den großen glitzernden Amischlitten der GIs trampt. Ein Kaleidoskop an Geschichten fügt sich zu einem detailreichen Bild von Nachkriegsdeutschland und früher Bundesrepublik.

Hören und Sprechen nicht als Derivat des Geschriebenen zu begreifen, sondern ihm als eigenständiger Form Gehör zu verschaffen - das war von Anfang an das besondere Anliegen von supposé. Mit "Ein Sommer, der bleibt" gehen wir auf diesem Weg einen bedeutenden Schritt weiter: In langen Gespräch-Sessions haben supposé-Betreiber Klaus Sander und der Schriftsteller Peter Kurzeck das bislang weitgehend mit Wissenschaftlern und Philosophen entwickelte Produktionsverfahren der freien Erzählung für die Literatur angewandt. Herausgekommen ist ein Roman, der ausschließlich in akustischer Form existiert.

Vergleichbar der improvisierten Vortragskunst der legendären schwarzen Bluessänger, die er in den 60er Jahren in hessischen Army-Clubs gehört hat, gerät Peter Kurzeck aus dem Gespräch heraus ins Erzählen und findet so zu einer neuen Form des Romans: ein Text, der erst während der Rede, während der Aufnahme entsteht, ohne Buchvorlage oder Manuskript eine Beschwörung. So entspinnt sich aus einer Kindheit im Dorf Staufenberg ein exemplarisches Leben, in dem schließlich die Kunst der Erinnerung in eins fällt mit der Kunst der Literatur.


Produktinformation

  • ISBN-10: 3932513851
  • Best.Nr.: 22927375
  • Laufzeit: 290 Min.

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Ein interessanter und sehr ungewöhnlicher Seitenzweig von Peter Kurzecks großem Erinnerungsproduktionsprojekt: das Hörbuch als Original. Kurzeck, der hier spricht, liest nämlich nicht eigenen Text, sondern hat ihn im Studio vor aufnahmebereiten Mikrofonen mündlich erzählend erst hergestellt. Höchst erstaunlich findet Christiane Zintzen, was dabei herauskommt. Nämlich keineswegs eine unstrukturierte Suada, sondern ein Text, der nach den "Topoi der Rhetorik" - des Raums und der Jahreszeit - organisiert ist. Weit zurück geht es in der Erinnerung, es beginnt im Frühjahr 1946, da ist Peter Kurzeck gerade mal drei. Es wird Herbst, es wird Winter beim warmen Licht der "25-Watt-Birnen". Dann kommen Fernsehen und Automobil und hinein geht es in die "Beton-Epoche des verwalteten Lebens". Beeindruckt ist Zintzen davon, wie die Erinnerung bei Kurzeck diesen Beton durch Beschwörung zu "sprengen" versteht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.12.2007

Umfassende Gelassenheit
Warum dem Schriftsteller Peter Kurzeck die Zeit nicht lang genug sein kann

Man sagt, Frauen und Männer unterschieden sich in der Art, wie sie einen Weg beschrieben. Eine männliche Wegbeschreibung bestehe aus Himmelsrichtungen und geschätzten Entfernungen. Eine Frau erkläre einen Weg anhand optischer Auffälligkeiten. Würde diese Theorie zutreffen, müsste der Schriftsteller Peter Kurzeck über ein erzweibliches Wegbeschreibungsgen verfügen: Am Telefon erklärt, nein, dichtet er den Weg zum "Kasino" der Sparkasse Calw, wo ein kleiner Empfang zu seinen Ehren stattfindet, weil er als Hermann-Hesse-Stipendiat in der Hermann-Hesse-Stipendiatenwohnung drei Monate lang ungestört und sorgenfrei arbeiten darf. Kurzecks Wegbeschreibung ist eine vorliterarische Vignette: Man solle über die Brücke mit dem Hermann-Hesse-Denkmal spazieren, nach dem ersten Fachwerkhaus hinter der Brücke links in die schön gepflasterte Straße einbiegen, dann die erste Möglichkeit wieder links in den Hinterhof der alten Apotheke, dort finde man ein Tor, wo man eingelassen werde, sei man nur würdig genug.

Kurzeck ist ein Erinnerungs- und ein …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.11.2007

DAS HÖRBUCH
Wir selber sind nicht schwer
Nur zum Hören: Peter Kurzeck erzählt den Roman seiner Kindheit
Nichts bleibt so im Gedächtnis haften wie die Zeit der Kindheit: Das erste Bad im Fluss, der Klang der Häckselmaschine am Abend – die ganze rätselhaft-schöne Welt. Und so heißt Peter Kurzecks Hörbuch-Roman über seine Kindheit auch „Ein Sommer, der bleibt”. In ihm erinnert sich der Frankfurter Schriftsteller, Jahrgang 1943, an die Zeit, als er, sechs, sieben, acht Jahre alt, das Leben entdeckte. Ein Flüchtlingsleben nach dem Krieg.
Armut und Leid der Flüchtlinge spielen dabei durchaus eine Rolle, etwa wenn die Mutter um ein Säckchen Mehl betteln muss und rüde abgewiesen wird. Vor allem aber geht es in diesen Erinnerungen um das Glück der Kindheit, das Eins-sein mit der Welt, um die Zeit, in der die nächste Umgebung wie ein unerschöpflicher Kosmos wirkt. Heute noch scheint Kurzeck vom Zauber umfangen, von dem diese Kinderwelt durchwirkt ist. So wie man sagt, jemandes Augen begännen zu leuchten, so wird Kurzecks Stimme heller und heiterer, je intensiver er der Zeit in der hessischen Provinz kurz nach …

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Peter Kurzeck ist 1943 in Böhmen geboren und als Flüchtlingskind in Staufenberg im Kreis Gießen aufgewachsen, lebte seit 1970 lange Jahre in Frankfurt am Main. Heute lebt er in Uzès, Südfrankreich, und in Frankfurt am Main. Verschiedene Literaturpreise und Stipendien: Alfred-Döblin-Preis 1991, Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1999, Hans-Erich-Nossack-Preis 2000, Stadtschreiber von Bergen 2000/2001. 2008 erhielt Peter Kurzeck den Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis.

Inhaltsangabe

CD1
Das Dorf meiner Kindheit
Vor der Haustür der Tag
Das Licht im Dorf und die Vielfalt der Welt
Ich bin im Juni geboren
Als ich sechs war
In der Schule
Der Blick aus dem Fenster
An die Diefebach
Flüchtlingsfamiliengemeinschaftswohnungen
Nach Gelnhausen
Ein böhmischer Weihnachtsbaum
Vor dem Schaufenster
Am Anfang des Sommers
Baden an der Lahn
Durst
CD2
Kalte Fleischwurst
Mein Hund Rolf
Die amtliche Hundesteuer
Weite Wege
Das verschwundene Tal
Sichtblenden
Ameisenhochzeiten
Die Autobahn
Billige Markenbutter
Einkaufsfahrten
Vom Feld auf die Hütt und zehn Jahre eher sterben
Die alten Leute im Dorf
Am Hoftor
Die Amis
Im Teufelslustgärtchen
Fußgängerzone
Ami-Zahltag
CD3
Keine Kirche im Dorf
Die Kirche von innen auffressen
Maiandachten
Flüchtlingsbaracken und Behelfsheime
Das Mohnmühlchen
Das Mehlsäckchen
Hypnotisieren lernen
Afrika
Schwarzwaldhaus
Das rote Zauberglas
Rex-Filmtheater Lollar
Das erste Auto im Dorf
Vom Klempner zum Gastwirt
Flüchtlingswärmflaschen
Das verlorene Taschenmesser
CD4
Für meinen Vater ein Rezept
Auf dem Heimweg
Straßenlampen
Die Theaterschneiderin
Der Bücherbus
Die Bücher im Dorf
Bücher, die ein Leben lang reichen
Schlittenfahrten
Waschtage
Strohsäcke
Amipritschen und Heuwagen
Die Dreschmaschine

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