Elf ist freundlich und Fünf ist laut - Tammet, Daniel

Daniel Tammet 

Elf ist freundlich und Fünf ist laut

Ein genialer Autist erklärt seine Welt. Vorw. v. Darold Treffert u. Simon Baron-Cohen

Übersetzer: Klostermann, Maren
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Elf ist freundlich und Fünf ist laut

"Dieses Buch ist eine Sensation, weil es uns einen einzigartigen Einblick in die Welt der Savants gewährt (...). Daniel Tammets Sichtweise lässt uns unser eigenes Leben mit anderen Augen sehen. Er öffnet uns den Blick für die Wundermaschine Gehirn. Er rückt das Wesen Mensch in ein anderes Licht." -- Melanie Mühl/Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Tammet ist selbst eine Art Primzahl unter den Lebenden; er gehört zu den wenigen Menschen mit spektakulären Inselbegabungen. Kaum 50 seinesgleichen gibt es auf Erden. Und nur er ist fähig zu sagen, was in einem solchen Kopf vorgeht." -- Der Spiegel

Eine einzigartige Innenansicht des Autismus und zugleich ein faszinierender Einblick in die Kraft des menschlichen Geistes

Daniel Tammet ist ein Genie: Er rechnet schneller als jeder Computer dieser Welt und spricht zehn Sprachen. Zahlen nimmt er als Formen, Farben und Charaktere wahr. Für Hirnforscher ist er ein besonderer Fall: Seine erstaunlichen mentalen Fähigkeiten sind auf das Savant-Syndrom und eine gemäßigte Form des Autismus zurückzuführen. In seiner Autobiografie gibt der 29-Jährige Einblick in seine Wahrnehmung der äußeren Welt, seine Suche nach innerer Ruhe und die kurzen Momente des Glücks.


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 283 S.
  • Seitenzahl: 288
  • Heyne Bücher Nr.64040
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 118mm x 21mm
  • Gewicht: 232g
  • ISBN-13: 9783453640405
  • ISBN-10: 3453640403
  • Best.Nr.: 23816274
"Dieses Buch ist eine Sensation, weil es uns einen einzigartigen Einblick in die Welt der Savants gewährt (...). Daniel Tammets Sichtweise lässt uns unser eigenes Leben mit anderen Augen sehen. Er öffnet uns den Blick für die Wundermaschine Gehirn. Er rückt das Wesen Mensch in ein anderes Licht." Melanie Mühl/Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Tammet ist selbst eine Art Primzahl unter den Lebenden; er gehört zu den wenigen Menschen mit spektakulären Inselbegabungen. Kaum 50 seinesgleichen gibt es auf Erden. Und nur er ist fähig zu sagen, was in einem solchen Kopf vorgeht."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.08.2007

Vier ist schüchtern und still
Daniel Tammet gibt einzigartige Einblicke in seine Inselbegabung

Er hat sich noch nie geirrt. Daniel Tammet rechnet schneller und präziser als jeder Computer dieser Welt. Bittet man ihn, 13 durch 97 zu teilen, bekommt man ein Ergebnis, das mehr als hundert Stellen nach dem Komma umfasst. Er bildet mühelos die vierte Potenz der Zahl 37 und kann die mathematische Konstante Pi bis auf 22 514 Stellen nach dem Komma aus dem Gedächtnis aufsagen. Wenn Daniel Tammet eine Zahl durch eine andere teilt, sieht er vor seinem inneren Auge eine Spirale, die sich in immer größer werdenden Windungen und Schleifen nach unten schraubt. Von Primzahlen fühlt er sich magisch angezogen, weil sie sich glatt und rund anfühlen, wie Kieselsteine am Meer.

Innerhalb von nur einer einzigen Woche lernt Daniel Tammet eine völlig neue Sprache - zehn beherrscht er mittlerweile, darunter hochkomplizierte Sprachen wie Walisisch und Isländisch. Sein Gehirn ist ein gigantisches, perfekt sortiertes Lagerhaus, gefüllt mit Informationen, die jederzeit abrufbar sind. Zahlen nimmt Tammet als Farben wahr. Hinzu kommt, dass für ihn jede Ziffer auch …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sensationell findet Melanie Mühl dieses Buch von Daniel Tammet, das einen äußerst faszinierenden Einblick in die Inselbegabung des Autisten vermittelt. Ausführlich berichtet sie über das Phänomen der autistischen Savants, die etwa mathematische oder sprachliche Genies sein können, aber oft rechts und links nicht unterscheiden können oder Gefühle nicht verstehen. Auch die Fähigkeiten Tammets, der etwa die mathematische Konstante Pi bis auf 22.514 Stellen nach dem Komma aus dem Gedächtnis aufsagen kann und zehn Sprachen beherrscht, haben sie in Erstaunen versetzt. Anders als die meisten Inselbegabten aber ist Tammet in der Lage, sich selbst zu beobachten, zu beschreiben, mitzuteilen. Das Ergebnis ist vorliegende Lebensgeschichte, die nach Ansicht Mühls in einem berührenden, aber nie pathetischen Tonfall geschrieben ist und neben den außergewöhnlichen Fähigkeiten Tammets auch seinen schwierigen Weg in ein fast normales Leben vor Augen führen. Sie hebt hervor, dass Tammets Sichtweise uns auch "unser eigenes Leben mit anderen Augen" sehen lasse, indem er den Blick für die "Wundermaschine Gehirn" öffne und das Wesen Mensch in ein "anderes Licht" rücke.

© Perlentaucher Medien GmbH
Daniel Tammet, 1979 in London geboren, arbeitete nach seiner Schulausbildung zunächst als ehrenamtlicher Englischlehrer in Litauen. In enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern versucht er, seine Krankheit zu erforschen und besser zu verstehen. Er lebt heute in Kent und leitet ein Online-Unternehmen, das Sprachkurse anbietet.

Leseprobe zu "Elf ist freundlich und Fünf ist laut" von Daniel Tammet

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Leseprobe zu "Elf ist freundlich und Fünf ist laut" von Daniel Tammet

Blaue Neunen und rote Wörter

Ich wurde am 31. Januar 1979 geboren - einem Mittwoch. Ich weiß, es war ein Mittwoch, denn in meiner Vorstellung ist der Tag blau, und Mittwoch ist immer blau - wie die Zahl Neun oder der Klang lauter, streitender Stimmen. Mir gefällt mein Geburtsdatum, weil ich die meisten Zahlen darin als glatte, runde Formen vor mir sehen kann - so wie Kieselsteine an einem Strand. Das liegt daran, dass es Primzahlen sind: 31, 19, 197, 97, 79 und 1979 lassen sich alle nur durch sich selbst und durch eins teilen. Ich kann jede Primzahl bis 9973 an ihrer "kieselsteinartigen" Beschaffenheit erkennen. So arbeitet mein Gehirn.

Ich habe eine seltene Krankheit, das sogenannte Savant-Syndrom, das wenig bekannt war, bis es 1988 von dem Schauspieler Dustin Hoffman in dem Oscar-prämierten Film "Rain Man" dargestellt wurde. Wie die von Hoffman verkörperte Gestalt des Raymond Babbitt habe ich ein fast zwanghaftes Bedürfnis nach Ordnung und Routine, das praktisch jeden Bereich meines Lebens beeinflusst. So esse ich zum Beispiel jeden Morgen exakt 45 Gramm Porridge zum Frühstück; ich wiege die Schüssel mit einer elektronischen Waage, um ganz sicher zu sein. Dann zähle ich die Anzahl der Kleidungsstücke, die ich trage, bevor ich das Haus verlasse. Ich werde unruhig, wenn ich meinen Tee nicht jeden Tag um die gleiche Zeit trinken kann. Immer wenn ich unter zu starken Stress gerate und nicht ordentlich atmen kann, schließe ich die Augen und zähle. An Zahlen zu denken hilft mir, mich wieder zu beruhigen.

Zahlen sind meine Freunde und sie sind ständig um mich. Jede ist einzigartig und hat ihre ganz eigene "Persönlichkeit". Elf ist freundlich und Fünf ist laut, während Vier still und schüchtern ist - sie ist meine Lieblingszahl, vielleicht weil sie mich an mich selbst erinnert. Einige Zahlen sind groß, wie 23, 667, 1179, andere klein, wie 6, 13, 581. Einige sind schön, wie 333, und einige hässlich, wie 289. Für mich ist jede Zahl etwas Besonderes.

Ganz gleich, wohin ich gehe oder was ich tue, Zahlen sind in meinem Denken immer sehr präsent. Bei einem Interview mit dem Talkshow-Moderator David Letterman in New York sagte ich David, er sehe aus wie die Zahl 117 - groß und schlaksig. Als ich später draußen auf dem Times Square stand und zu den hoch aufragenden Wolkenkratzern hinaufsah, fühlte ich mich wie von lauter Neunen umgeben - die Zahl, die ich am stärksten mit dem Eindruck von Größe verbinde.

Die Wissenschaft bezeichnet meine visuell-emotionale Wahrnehmung von Zahlen als Synästhesie, eine seltene neurologische Vermischung der Sinne, die in den meisten Fällen zu der Fähigkeit führt, dass man die Buchstaben des Alphabets und/oder Zahlen in Farbe sieht. Bei mir ist die Synästhesie so ungewöhnlich und komplex ausgeprägt, dass ich Zahlen als Formen, Farben, Stoffe und Bewegungen wahrnehme. Die Zahl Eins zum Beispiel ist ein strahlend helles Weiß, als ob mir jemand mit einer Taschenlampe direkt in die Augen leuchten würde. Fünf ist ein Donnerschlag oder der Klang von Wellen, die gegen Felsen branden. Siebenunddreißig ist klumpig wie Porridge, während mich Neunundachtzig an fallenden Schnee erinnert.

Der wahrscheinlich berühmteste Fall von Synästhesie war der eines Journalisten namens Schereschewski, der über ein phänomenales Gedächtnis verfügte. Seine Geschichte wurde ab den 1920er-Jahren von dem russischen Psychologen A. R. Lurija über einen Zeitraum von dreißig Jahren beobachtet und aufgezeichnet. "S", wie Lurija ihn in seinem "Porträt eines großen Gedächtnisses" nennt, hatte ein ausgeprägtes visuelles Gedächtnis, das ihm ermöglichte, Worte und Zahlen in unterschiedlichen Formen und Farben zu "sehen". "S" konnte eine Tabelle mit 50 Zahlen erinnern, nachdem er sie drei Minuten lang betrachtet hatte - nicht nur sofort im Anschluss an den Test, sondern auch noch viele Jahre später. Lurija hielt Schereschewskis synästhetische Wahrnehmung für die Grundlage seines erstaunlichen Kurz- und Langzeitgedächtnisses.

Ich selbst nutze meine synästhetischen Erfahrungen seit frühester Kindheit und bin mit der Fähigkeit aufgewachsen, große Zahlen ohne bewusste Anstrengung im Kopf zu rechnen, genau wie die Figur des Raymond Babbitt. Tatsächlich ist dies ein verbreitetes Talent bei mehreren anderen realen Savants (die manchmal auch als "Blitzrechner" bezeichnet werden). Der in Wisconsin lebende Arzt Dr. Darold Treffert, ein führender Wissenschaftler auf dem Gebiet des Savant-Syndroms, beschreibt in seinem Buch "Extraordinary People" das Beispiel eines Blinden, dessen "Rechenfähigkeit an ein Wunder grenzt":

Als er gefragt wurde, wie viele Saatkörner sich in jeder von 64 Kisten befänden, wenn in der ersten Kiste ein einzelnes Saatkorn wäre, zwei Körner in der zweiten, vier in der dritten, acht in der vierten usw., nannte er die Lösung für die vierzehnte (8192), für die achtzehnte (131 072) und die vierundzwanzigste (8 388 608) Kiste sofort und die Lösung für die achtundvierzigste Kiste (140 737 488 355 328) innerhalb von sechs Sekunden. Auch die Gesamtzahl der Saatkörner in allen Kisten gab er nach fünfundvierzig Sekunden korrekt mit 18 446 744 073 709 551 616 wieder.

Meine Lieblingsrechenart ist die Potenz-Multiplikation, was bedeutet, dass man eine Zahl mehrmals mit sich selbst malnimmt. Wenn man eine Zahl mit sich selbst multipliziert, bezeichnet man das Produkt der beiden Faktoren als Quadrat oder als zweite Potenz; die Quadratzahl von 72 ist zum Beispiel 72x72 = 5184. Quadratzahlen sind in meiner Vorstellung immer symmetrische Formen, was ich besonders schön finde. Multipliziert man eine Zahl dreimal mit sich selbst, nennt man das die Zahl hoch drei nehmen oder die dritte Potenz bilden. Die dritte Potenz von 51 entspricht 51x51x51 = 132 651. Ich sehe jedes Ergebnis einer Potenzrechnung als klares visuelles Muster in meinem Kopf. Je größer die Berechnungen und ihre Ergebnisse werden, desto komplexer werden die Formen und Farben, die ich wahrnehme.

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