Reise des Herzens - Wilding, Lynne

Lynne Wilding 

Reise des Herzens

Deutsche Erstausgabe

Deutsch v. Uta Hege
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Reise des Herzens

Die neue große Australien-Saga

Intrigen und Missgunst, Aufrichtigkeit und Liebe - aus dem Sehnsuchtsland Australien.

Mit viel Herzblut hat Laura Beaumont die kleine, aber feine Modekette Ashworth aufgebaut. Jetzt, da der jahrelange Einsatz gesundheitliche Spuren hinterlassen hat, ist es Zeit, die Nachfolge zu regeln. Während sich ihre Töchter Caroline und Michaela um die Unternehmensführung streiten, ist jemand anderes gar an dessen Scheitern interessiert. Laura muss lernen, die Passion ihres Lebens loszulassen - doch plötzlich erinnert sie ihr Herz, dass es da einst eine zweite Leidenschaft gab ...

"Große Gefühle." Neue Woche


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 505 S.
  • Seitenzahl: 512
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.37147
  • Deutsch
  • Abmessung: 182mm x 116mm x 38mm
  • Gewicht: 400g
  • ISBN-13: 9783442371471
  • ISBN-10: 3442371473
  • Best.Nr.: 23817022
"Große Gefühle." Neue Woche

"Große Gefühle."
Lynne Wilding, in Sydney geboren, hielt sich erst mit den unterschiedlichsten Jobs über Wasser – u. a. war sie unter dem Namen Linda Gaye als Cabaret-Sängerin erfolgreich –, bis sie in den Achtzigerjahren ihr Talent fürs Schreiben entdeckte. Seither veröffentlichte sie einen Bestseller nach dem anderen, wird in Australien als die Königin der großen Sagas gefeiert und für ihre Romane immer wieder ausgezeichnet. Die Gründungspräsidentin und treibende Kraft der »Romance Writers of Australia« verstarb im Juni 2007.

Leseprobe zu "Reise des Herzens" von Lynne Wilding

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Leseprobe zu "Reise des Herzens" von Lynne Wilding

London, Sommer 1974

Die vier Mitglieder der Familie Beaumont warteten darauf, dass sich das Gedränge nach dem Konzert ein wenig lichtete, bevor sie ihre Plätze im Covent Garden verließen.

Auch dann unterhielten sich Laura, Jack und ihre Kinder Michaela und Joel weiter über Caroline Ashworths erstes Solokonzert in dem angesehenen Haus. Sie hatte Chopins Fantaisie Impromptu leidenschaftlich, meisterhaft, selbstbewusst und auf eine sehr persönliche Weise vorgetragen, und Laura hoffte, dass auch die Schar der Musikkritiker, die dem Vortrag gelauscht hatte, beeindruckt war. Sie würde es morgen aus den Zeitungen erfahren, doch im Grunde war die Meinung dieser Menschen vollkommen egal, weil es so oder so einfach ein wunderbares Konzert gewesen war.

Als sie über den mit einem Teppich ausgelegten Gang in Richtung Ausgang liefen, warf sie einen Blick auf Jack. Er grinste noch immer bis über beide Ohren, denn obwohl Caroline nicht seine leibliche Tochter war, hatte ihr Auftritt ihn mit großem Stolz erfüllt. In seinem Smoking wirkte er ausnehmend elegant, und trotz seines inzwischen grau melierten Haars war er mit seinem markanten Gesicht und seinem straffen, muskulösen Körper immer noch eine beeindruckende Gestalt.

Laura dachte flüchtig an Carolines Vater Eddie. Es hätte auch ihn mit Stolz erfüllt, sie während des heutigen Konzerts so spielen zu hören. Trotz all seiner Fehler und der Kämpfe, die sie selbst und Eddie während ihrer Ehe ausgefochten hatten, hatte er seine Tochter und die Musik geliebt und hätte sich gefreut, weil sein eigenes musikalisches Talent von Caroline noch übertroffen wurde. Ja, Eddie wäre furchtbar stolz auf sie gewesen. Davon war Laura überzeugt.

Caroline war inzwischen dreiunddreißig Jahre alt und endlich auf dem richtigen Weg. Das hatte das heutige Konzert, ungeachtet der Sichtweise der Kritiker, eindeutig gezeigt. Und diesen Erfolg hatte sie sich, wie die meisten talentierten Pianisten, schwer erarbeitet. Sie hatte jahrelang an Musikhochschulen in Sydney, Paris, London und Wien studiert und so viel wie möglich von den großen Meistern gelernt. In den vergangenen drei Jahren, seit sie von Nick geschieden worden war, hatte sie ihre kleine Tochter Fern - die an diesem Abend einen Babysitter hatte - allein großgezogen und es trotzdem geschafft, weiter in einem Maß zu üben, dass sie während dieser Zeit immer besser geworden war.

"Kommt, Kinder, wir nehmen ein Taxi und fahren damit zu Carolines Party in das Restaurant in Soho", sagte Jack zu Michaela und Joel. Sein New Yorker Akzent war längst nicht mehr so ausgeprägt wie vor dreißig Jahren, als Laura ihm zum ersten Mal begegnet war. Er winkte die beiden hinter sich her durch das Foyer und zwischen den anderen Konzertbesuchern hindurch die Treppe hinunter auf den Bürgersteig.

Laura blickte auf Joel. Er war blond wie sie, größer als die meisten Jungen seines Alters und hätte in seinem dreiteiligen marineblauen Anzug problemlos als junger englischer Gentleman durchgehen können, solange er nicht sprach und ihn sein australischer Akzent verriet. Sie sah, dass er verstohlen gähnte, und warf einen Blick auf ihre Uhr. Es war beinahe Mitternacht. Joel war gerade erst elf geworden und es einfach nicht gewohnt, so spät noch auf zu sein. "Vielleicht sollte einer von uns mit Joel ins Hotel zurückfahren", sagte sie zu ihrem Mann. "Er sieht todmüde aus."

"Ich bin kein bisschen müde, Mum", widersprach der Junge entschieden. "Ich will auch zu Carolines Party gehen." Und mit einem Seitenblick auf seine Schwester fügte er hinzu: "Wenn Michaela auf die Party gehen kann, kann ich das auch."

Jack sah Laura an und schüttelte lächelnd den Kopf. Wie so häufig war er auch in diesem Augenblick einfach hingerissen von der Schönheit seiner Frau. In ihrem ärmellosen rot-schwarzen Kaftan mit dem mit Edelsteinen besetzten Gürtel hatte sie - eine Geschäftsfrau aus Down Under - heute Abend die meisten Frauen aus den besten Londoner Kreisen in den Schatten gestellt. Dann wandte er sich an seinen Sohn und zerzauste ihm das Haar. "Schon gut, Kumpel, natürlich kannst du mit. Wenn du anfängst, dich zu langweilen, oder wenn du müde wirst, suchen wir dir einfach irgendwo ein ruhiges Eckchen, wo du dich hinlegen kannst, okay?"

Die Theaterbesucher drängten an den Rand des Gehwegs und Paare, Gruppen und einzelne Personen versuchten, vorbeifahrende Taxis heranzuwinken, während ein typisch englischer, leicht nebliger Nieselregen auf sie niederging.

Der Regen und das Licht der Straßenlaternen verliehen der Straße, den alten, hochherrschaftlichen Gebäuden auf der anderen Seite und den Fahrzeugen einen warmen Glanz, und alles sah irgendwie viel frischer aus als im unerbittlichen Tageslicht.

"Bei diesem Gedränge wird es sicher ewig dauern, bis wir ein Taxi kriegen", knurrte Jack. Wenn er in einer fremden Stadt auf der Suche nach einem Taxi war, konnte er entsetzlich ungeduldig sein. "Lasst uns um die Ecke gehen, da sind sicher nicht so viele Leute. Da haben wir vielleicht eher Glück", schlug er den anderen vor, hakte sich bei Laura ein und zog sie mit sich den Bürgersteig entlang.

Michaela und Joel liefen vor den beiden her. Mit einem strahlenden Lächeln wandte sich Jack an seine Frau: "Ich schätze, dass du mächtig stolz auf deine älteste Tochter bist. Caroline hat ihre Sache wirklich hervorragend gemacht." Er beugte sich zu ihr und küsste sie zärtlich auf die Wange. "Du weißt, dass ich im Grunde meines Herzens eher ein Rock'n'Roller bin, trotzdem hat mir ihr Vortrag ausnehmend gut gefallen."

"Sie ist auch deine Stieftochter, vergiss das nicht. Ohne deine Ermutigung und deine finanzielle Unterstützung hätte Caroline es sicher nicht so weit gebracht."

Jack quittierte diese Sätze mit einem kurzen Nicken. "Sie ist dir ungeheuer ähnlich. Sie hat dieselbe Entschlossenheit wie du. Caroline wusste einfach, was sie wollte, und hat sich von nichts und niemandem daran hindern lassen, es auch zu bekommen. Eine derartige Zielstrebigkeit ist bewundernswert."

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