Der Sternenleser - Grenville, Kate

Kate Grenville 

Der Sternenleser

Roman

Dtsch. v. Karina Of
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Der Sternenleser

Ein packender Roman über die Besiedelung Australiens
Daniel Rooke ist ein stiller Junge. Früh entdeckt er seine Leidenschaften, die Welt der Zahlen und den Sternenhimmel. Als vielversprechender junger Astronom und Leutnant begleitet er die erste britische Expedition nach New South Wales in Australien. Die neue Heimat präsentiert sich unwirtlich und feindselig. Rooke gelingt es, sich militärischen Pflichten mit dem Hinweis auf die Wissenschaft zu entziehen. Bis seine Freundschaft zu dem Aborigine-Mädchen Tagaran ihn zwingt, Stellung zu beziehen zwischen Altem und Neuem, zwischen den Errungenschaften der Zivilisation und vermeintlicher Wildheit.
Kraftvoll, mitreißend und mit großem Feingefühl beschreibt die preisgekrönte Autorin Kate Grenville den Zusammenprall zweier Welten.


Produktinformation

  • Abmessung: 225mm x 145mm x 33mm
  • Gewicht: 547g
  • ISBN-13: 9783570100394
  • ISBN-10: 3570100391
  • Best.Nr.: 33338206
Kate Grenville gehört zu den wichtigsten und erfolgreichsten Autorinnen Australiens.

Leseprobe zu "Der Sternenleser" von Kate Grenville

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Leseprobe zu "Der Sternenleser" von Kate Grenville

VIERTER TEIL BETEILIGT (S. 188-189)

Dann schleppte sich Brugden in die Siedlung, von einem Speer durchbohrt, der ihm anderthalb Fuß seitlich aus der Brust ragte. Rooke erfuhr davon, als der Botenjunge vom Regiment keuchend vor seiner Hütte stehen blieb. »Sie haben den Wildhüter erwischt, Sir. Der ist erledigt.« Er war so außer Atem, dass er kaum sprechen konnte. Aber gleichzeitig war er aufgeregt, wenn auch das Erledigtsein für diesen rotgesichtigen Jungen mit den glühenden Wangen nichts weiter war als ein Wort. Wie betäubt nahm Rooke die Nachricht auf. Dabei überraschte ihn nur, dass er kaum überrascht war.

Die Leere, die er in sich spürte, die Lücke an der Stelle, an der einmal Glückseligkeit gewesen war, verwandelte sich durch diese Nachricht in etwas Konkretes. Eine verzauberte Zeit, eine unwirkliche Zeit war für die Privatperson Rooke zu Ende gegangen. Da war es nicht verwunderlich, dass sie nun auch öffentlich zu Ende ging. »Major Wyatt sagt …« Der Junge stockte und kniff die Augen zusammen, während er überlegte, wie die Botschaft gelautet hatte. »Er sagt, Leutnant Rooke möge heute Abend um sechs Uhr zur Kaserne kommen. Und seine besten Empfehlungen auch.« Ich kann eine Krankheit vorschützen, dachte Rooke, kann dem Jungen sagen, dass Leutnant Rooke seine besten Empfehlungen schickt, aber leider unpässlich ist.

Einem Mann wie Major Wyatt konnte man jedoch nichts vormachen. »Dies ist als Befehl aufzufassen, Sir, sagt der Major«, fuhr der Junge fort, »und Leutnant Rooke möge sich als anwesenheitspflichtig betrachten …« Mit weit aufgerissenem Mund stand der Junge da und überlegte, was der Major sonst noch gesagt hatte. »Ganz gleich, was auch sein mag, Sir. Das war im Wesentlichen, was er gesagt hat.« Die Nachricht war wie eine dunkle Flutwelle über die Siedlung geschwappt, die Stimmung in der Kaserne war düster. Obwohl Brugden nicht einmal ein freier Mann war, hatte man ihm die Handlungsvollmacht eines Soldaten gewährt. Keinem der Männer hier an der Tafel hatte das gefallen, keiner hatte den Mann gemocht.

Doch jedem von ihnen war klar, dass jetzt nichts mehr so sein konnte wie bisher, weil Brugden im persönlichen Dienst des Gouverneurs gestanden hatte. Silk war das Zentrum der Aufmerksamkeit. Er hatte sich die Geschichte offenbar bereits zu eigen gemacht. »Die Wildhüter waren im sogenannten Kangaroo Ground in der Nähe der Botany Bay zum Jagen unterwegs«, erzählte er. »Als ein paar Eingeborene mit Speeren in den Händen auf sie zuschlichen, bekamen es die beiden anderen mit der Angst zu tun. ›Keine Bange‹, beruhigte sie Brugden, ›die kenne ich.‹« Im Saal herrschte Schweigen, sämtliche Blicke waren gebannt auf Silk gerichtet, als wäre dort die Szene zu sehen, die er so lebhaft schilderte.

Aber woher wusste Silk eigentlich, dass es so gewesen war?, fragte sich Rooke. »Er legte das Gewehr nieder und redete mit ihnen in ihrer eigenen Sprache, von der er offenbar ein paar Worte kannte, wie einige von uns hier auch. Doch plötzlich sprang einer der Eingeborenen auf einen umgestürzten Baum und schleuderte ohne die geringste Vorwarnung einen Speer auf Brugden ab, der in dessen Brust steckenblieb. Und dort steckt er noch immer.« Silk blickte in die Runde, als erwarte er Applaus. »Und …?« Willstead wusste offenbar nicht so recht, wie er seine Frage formulieren sollte.

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