Northanger Abbey, deutsche Ausgabe - Austen, Jane

Jane Austen 

Northanger Abbey, deutsche Ausgabe

Roman. Nachw. v. Hans Pleschinski

Aus d. Engl. v. Andrea Ott
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Northanger Abbey, deutsche Ausgabe

"Immer wieder lesen, so lange man lebt: alle Romane von Jane Austen. In der Geschichte ihrer Heldin Catherine Moreland aus dem Frühwerk 'Northanger Abbey' zeigt die englische Ironikerin, dass man die Gattung der Schauerromans einerseits sehr schön als Inspiration benutzen kann, andererseits aber auch belächeln und parodieren darf." -- Paul Ingendaay, FAZ, im Börsenblatt

"Das Frühwerk der englischen Schriftstellerin Jane Austen hat einen besonderen Reiz, da sich die Meisterin der Ironie darin noch in ihrer charakteristischen Handschrift übte. Davon zeugt der Roman 'Northanger Abbey', ... der jetzt in einer leichtfüßigen Neuübersetzung aus der bewährten Feder von Andrea Ott vorliegt, womit im Manesse-Verlag nun das Gesamtwerk Austens greifbar ist ... 'Northanger Abbey' ist eine Parodie auf die populären Schauerromane und die erbauliche Adoleszenzliteratur, mit der sie direkt auf ihre älteren Schriftstellerkolleginnen Fanny Burney, Maria Edgworth und vor allem Anne Radcliffe Bezug nahm - und zwar keineswegs ehrfürchtig, sondern mit beissendem Spott ... ein erstaunliches Kleinod, das interessante Rückschlüsse auf den Schaffensprozess und literarischen Hintergrund Austens erlaubt ... glücklicherweise wusste die Autorin ihren Kopf nicht nur als Trägersubstanz für Häubchen zu benutzen." -- Susanne Ostwald, NZZ

"Romane brauchen aber nicht nur Helden und Leser und eine Autorin wie diese, die im Roman über den Roman nicht den Sinn für alles Nichtromantische verliert. Manche Romane brauchen auch Übersetzungen. Von 'Kloster Northanger' sind hierzulande mehrere Versionen im Handel. Zur vorliegenden kann der Leser getrost greifen." -- Frankfurter Allgemeine Zeitung


Produktinformation

  • Verlag: Manesse
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 445 S.
  • Seitenzahl: 448
  • Manesse Bibliothek der Weltliteratur
  • Deutsch
  • Abmessung: 155mm x 135mm x 20mm
  • Gewicht: 224g
  • ISBN-13: 9783717520924
  • ISBN-10: 371752092X
  • Best.Nr.: 23353800
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.10.2008

Helden mieten keine Kutschen
Jane Austens "Northanger Abbey" in neuer Übersetzung / Von Jürgen Kaube

Romane brauchen Helden. Der Verzicht darauf hat sich nicht bewährt. Romane brauchen aber auch Leser. Doch Leser sind zumeist keine Helden. Das schränkt ihre Möglichkeiten ein, sich mit den Helden zu identifizieren. So kam das Epos aus der Mode. Denn wie weit kann man mitfiebern beim Schicksal katholischer Pferdebesitzer mit Schwertern, wenn man selbst kaum evangelisch ist und nicht reiten kann? Folgerichtig begann der Roman vor mehr als zweihundert Jahren in England, die Brücke von der anderen Seite aus zu schlagen. Wenn Leser schon keine Helden sind, so konnten doch die Helden Leser werden. Das hätte bei Achill nicht überzeugt und war noch bei Don Quijote nur ein Zeichen heroischer Verrücktheit. Danach aber wurde der lesende Held zu einem Erfolgsmodell der europäischen Literatur. Nicht mit Waffen und Pferden, sondern mit Bildung, Innenleben und Liebeskummer, also Lesefrüchten machte er Eindruck.

Er? Sie! Der erste echte, weil unheroische Leser unter den europäischen Romanhelden ist nämlich eine siebzehnjährige junge Dame. Von ihrer …

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"Das Frühwerk der englischen Schriftstellerin Jane Austen hat einen besonderen Reiz, da sich die Meisterin der Ironie darin noch in ihrer charakteristischen Handschrift übte. Davon zeugt der Roman Northanger Abbey, der jetzt in einer leichtfüßigen Neuübersetzung aus der bewährten Feder von Andrea Ott vorliegt, womit im Manesse-Verlag nun das Gesamtwerk Austens greifbar ist. Northanger Abbey ist eine Parodie auf die populären Schauerromane und die erbauliche Adoleszenzliteratur, mit der sie direkt auf ihre älteren Schriftstellerkolleginnen Fanny Burney, Maria Edgworth und vor allem Anne Radcliffe Bezug nahm und zwar keineswegs ehrfürchtig, sondern mit beissendem Spott ein erstaunliches Kleinod, das interessante Rückschlüsse auf den Schaffensprozess und literarischen Hintergrund Austens erlaubt glücklicherweise wusste die Autorin ihren Kopf nicht nur als Trägersubstanz für Häubchen zu benutzen." (Susanne Ostwald, NZZ)

»Romane brauchen aber nicht nur Helden und Leser und eine Autorin wie diese, die im Roman über den Roman nicht den Sinn für alles Nichtromantische verliert. Manche Romane brauchen auch Übersetzungen. Von 'Kloster Northanger' sind hierzulande mehrere Versionen im Handel. Zur vorliegenden kann der Leser getrost greifen.«

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Mit viel Lob versieht Rezensentin Katharina Hagena diese neue Jane-Austen-Übersetzung, in der die scharfzüngige Ironie dieser Autorin für sie erst richtig zur Geltung kommt. Das Buch sei eine Satire, schreibt die Rezensentin, und parodiere den in der Entstehungszeit des Romans "angesagten" Schauerroman, aber auch die Gesellschaft, die diese Art von Literatur einst gern las. Gelobt werden auch die Anmerkungen in dieser Ausgabe des Manesse-Verlags. Lediglich das Nachwort ist für den Geschmack der Rezensentin allzu sehr in einem geistreichen Plauderton verfasst.

© Perlentaucher Medien GmbH
Jane Austen wurde 1775 in Steventon (Hampshire) als Tochter eines Landpfarrers geboren. Sie ist die Schöpferin bedeutender klassischer Werke der englischen Literatur. Nach Meinung ihres Bruders führte sie "ein ereignisloses Leben". Sie starb 41-jährig, unverheiratet und kinderlos, an Tuberkulose. Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren wohl kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie und Satire entlarvte. Psychologisches Feingefühl und eine lebendige Sprache machen ihre scheinbar konventionellen Liebesgeschichten zu einer spannenden Lektüre.

Leseprobe zu "Northanger Abbey, deutsche Ausgabe" von Jane Austen

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Leseprobe zu "Northanger Abbey, deutsche Ausgabe" von Jane Austen

Niemand, der Catherine Morland als Kind gekannt hatte, wäre auf den Gedanken gekommen, daß sie zur Romanheldin bestimmt sei. Die familiären Verhältnisse, die Eigenschaften der Eltern, Catherines Aussehen und Veranlagung sprachen sämtlich gegen sie. Der Vater war Geistlicher, weder verkannt noch verarmt, ein hochanständiger Mann, obwohl er Richard hieß, und hatte niemals gut ausgesehen. Er besaß ein ansehnliches Einkommen, zudem zwei gute Pfründe und neigte nicht im geringsten dazu, seine Töchter einzusperren. Die Mutter war eine praktisch veranlagte, vernünftige Frau von ausgeglichener Wesensart und, was noch bemerkenswerter ist, robuster Konstitution. Sie hatte bereits drei Söhne, als Catherine geboren wurde, und anstatt zu sterben, als sie letztere in die Welt setzte - wie man füglich hätte erwarten dürfen -, lebte sie weiter, bekam noch sechs Kinder, sah diese heranwachsen und erfreute sich bester Gesundheit. Eine Familie mit zehn Kindern gilt immer als prächtig, solange es für alle genügend Köpfe, Arme und Beine gibt, aber recht viel mehr Anspruch auf diese Bezeichnung hatten die Morlands nicht, denn sie waren samt und sonders unscheinbar, und Catherine war jahrelang so unscheinbar wie die anderen. Sie wirkte dünn und linkisch, hatte eine fahle, farblose Haut, dunkles, strähniges Haar und ausgeprägte Gesichtszüge - so viel zu ihrer äußeren Erscheinung. Dem Wesen nach schien sie nicht minder untauglich zur Heldin. Sie liebte Knabenspiele und zog Kricket nicht nur den Puppen vor, sondern auch den edleren Freuden der Kindheit wie der Aufzucht einer Haselmaus, dem Füttern eines Kanarienvogels oder dem Wässern eines Rosenstrauchs. Nein, nach dem Garten stand ihr der Sinn ganz und gar nicht, und wenn sie überhaupt Blumen pflückte, so nur aus Lust am Unfug - zumindest schloß man das aus ihrer Vorliebe, immer jene Blumen zu nehmen, die sie nicht nehmen durfte. - Dies also waren ihre Neigungen, und ihre Fähigkeiten waren ebenso außergewöhnlich. Sie lernte oder begriff etwas erst dann, wenn man es ihr beibrachte, und mitunter nicht einmal dann, denn oft war sie unaufmerksam und gelegentlich auch begriffsstutzig. Ihre Mutter brauchte drei Monate, um ihr "Des Bettlers Bitte" einzutrichtern, und am Ende konnte Sally, die nächstjüngere Schwester, es besser aufsagen als sie. Nicht daß Catherine durchweg begriffstutzig war, keineswegs - die Fabel vom Hasen und seinen vielen Freunden konnte sie so schnell wie jedes andere Mädchen in England auswendig. Die Mutter wollte sie ein Instrument erlernen lassen, und Catherine war fest davon überzeugt, sie werde Freude daran haben, denn sie klimperte gern auf den Tasten des alten, verstaubten Spinetts herum. Also fing sie mit acht Jahren an. Sie nahm ein Jahr lang Unterricht, dann hielt sie es nicht mehr aus, und Mrs. Morland, die sich nicht darauf versteifte, daß ihre Töchter sich entgegen ihren Fähigkeiten oder Neigungen Bildung und Können aneigneten, erlaubte ihr aufzuhören. Der Tag, an dem der Musiklehrer entlassen wurde, war einer der glücklichsten in Catherines Leben. Sie zeichnete nicht übermäßig gern, doch wenn sie von ihrer Mutter das Umschlagblatt eines Briefes bekam oder sonst eines Stückchen Papiers habhaft wurde, tat sie, was ihr möglich war, und zeichnete Häuser und Bäume, Hühner und Küken, und alles sah ziemlich gleich aus. Schreiben und Rechnen lernte sie bei ihrem Vater, Französisch bei ihrer Mutter; in beiden Fächern erbrachte sie keine bemerkenswerten Leistungen, und sie drückte sich vor den Unterrichtsstunden, wann immer sie konnte. Welch ein ungewöhnlicher, seltsamer Charakter! Denn trotz dieser Anzeichen von Widerspenstigkeit im Alter von zehn Jahren war sie weder hartherzig noch übellaunig, nur selten eigensinnig, fast nie streitsüchtig und sehr lieb zu den Kleinen - mit geringfügigen tyrannischen Ausfällen. Außerdem war sie laut und wild, haßte Zwang und Reinlichkeit und tat nichts lieber auf Erden, als den grünen Abhang hinterm Haus hinunterzukullern.

Das also war Catherine Morland mit zehn. Mit fünfzehn besserte sich ihr Aussehen; sie fing an, sich das Haar einzudrehen und wartete ungeduldig auf ihren ersten Ball; ihre Haut wurde glatter, die Züge weicher, runder und rosiger, der Blick lebhafter und die Figur ausgeprägter. Ihre Liebe zum Schmutz wich einer Neigung zum Putz, und sie wurde sowohl reinlicher als auch klüger; manchmal schnappte sie zu ihrer Freude Bemerkungen von Vater und Mutter über ihre körperliche Vervollkommnung auf. "Catherine wächst sich zu einem recht ansehnlichen Mädchen aus - heute sieht sie regelrecht hübsch aus", solche Worte drangen hin und wieder an ihr Ohr, und wie willkommen waren diese Töne! "Regelrecht hübsch" auszusehen ist für ein Mädchen, das die ersten fünfzehn Jahre seines Lebens unscheinbar war, eine so hocherfreuliche Verbesserung, wie sie ein von Geburt an schönes weibliches Wesen niemals erlangen kann.

Mrs. Morland war eine herzensgute Frau und hätte sich liebend gern darum gekümmert, daß ihre Kinder so wurden, wie sie werden sollten, aber sie war von Wochenbett und Unterricht für die Kleinen so stark in Anspruch genommen, daß die älteren Töchter unweigerlich auf sich selbst gestellt blieben. So war es nicht verwunderlich, daß Catherine, von Natur aus keine Romanheldin, bis zum Alter von fünfzehn Jahren lieber Kricket und Schlagball spielte, ritt und über die Wiesen lief, als Bücher las - zumindest soweit es sich um Lehr- und Erbauungsbücher handelte, denn solange sie nicht so etwas wie "nützliches Wissen" enthielten, solange es sich nur um Geschichten und nicht um Betrachtungen handelte, hatte sie nichts gegen Bücher. Doch zwischen fünfzehn und siebzehn bereitete sie sich auf ihren Auftritt als Romanheldin vor und las alle Bücher, die Heldinnen lesen müssen, um ihr Gedächtnis mit jenen für die Wechselfälle ihres ereignisreichen Lebens so zweckdienlichen und erbaulichen Zitaten zu versorgen.

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