Tiefer hängen - Ullrich, Wolfgang

Wolfgang Ullrich 

Tiefer hängen

Über den Umgang mit der Kunst

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Tiefer hängen

Tiefer hängen ist eine Polemik gegen das erhabene Bild von Kunst und Künstlern, das über Generationen vorherrschte. Die damit verbundenen hohen Ansprüche haben weder denen, die Kunst machen, noch denen, die sich damit beschäftigen, gutgetan. In der beginnenden Abrüstung des Kunstbegriffs und in den neuen Tendenzen im Umgang mit der Kunst, die manchem als deren Ende erscheinen mögen, sieht Wolfgang Ullrich dagegen Zeichen der Hoffnung: Endlich wird die Kunst tiefer gehängt!

Noch heute ist unser Kunstbegriff höfisch geprägt - indem Ullrich seinen unorthodoxen Blick auf den Kunstbetrieb wirft, gelingt es ihm, wie in seinem bereits in drei Auflagen vorliegenden Buch ›Mit dem Rücken zur Kunst‹, unsere gängigen Vorstellungen gehörig zu unterwandern.


Produktinformation

  • Verlag: Wagenbach
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 189 S.
  • Seitenzahl: 192
  • Wagenbachs andere Taschenbücher (WAT) Nr.479
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 120mm x 15mm
  • Gewicht: 224g
  • ISBN-13: 9783803124791
  • ISBN-10: 3803124794
  • Best.Nr.: 11822594
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.10.2003

Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund
Endlich mal entspannt genießen: Wolfgang Ullrich lässt der Kunst die Luft raus
... und was war diese Sache seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert nicht für eine untertänige Veranstaltung! Allein, dass man Regeln festschrieb, wie man sich der Kunst zu nähern habe: „Wie vor einen Fürsten”, schrieb etwa Schopenhauer, „abwartend, ob und was es zu ihm sprechen werde”: so solle man sich vor ein Bild hinstellen. Als die höfische Welt degenerierte, ging ihr absolutistischer Adel flugs auf die Kunst über.
Und Wolfgang Ullrich findet immer neue Abwandlungen dieser schnell zum Topos geronnenen Forderung im Ästhetikdiskurs der Moderne: so bei Rilke, der die Gunst, die Cézannes künstlerische Heilsbotschaften gewähren, so gar nicht selbstverständlich fand: Man solle sich empfängnisbereit vor den Monte Sainte-Victoire und all die anderen Majestäten stellen, „als täten sie etwas für einen”. So sollte das ästhetische Reservat der Moderne vor den Durchschnittslaien geschützt werden – eine Abgrenzungsstrategie, die Ullrich selbst noch bei Adorno vorfindet, etwa in dessen Formel von der „Selbstnegation des …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.10.2003

Höhere Wesen befehlen: Bilder nicht mehr anbeten!
Wolfgang Ullrich sieht die Avantgarde im Event verschwinden und fordert eine neue Sprache für die Kunst / Von Niklas Maak

Ein Mann, Vorstand eines großen Unternehmens, einer, der sich von niemandem etwas sagen läßt, wird im Frühjahr 2001 dem Künstler Georg Baselitz vorgestellt. Der Künstler fragt den Manager, ob er bereits ein Bild von ihm besitze. Der Manager verneint. Daraufhin Baselitz: "Dann spreche ich auch nicht mit Ihnen." Der Manager ist nicht verärgert; er ist beeindruckt, kauft noch am selben Abend ein Baselitz-Gemälde und berichtet stolz von der Begegnung und dem Kauf.

Es sind solche Geschichten, mit denen Wolfgang Ullrich seine Essays beginnt, Beobachtungen seltsamer Ereignisse am Rande des Kunstbetriebs, Anekdoten, von denen man auf wundersamen Wegen schnell zu den großen Fragen gelangt. Es geht um Marktmechanismen und Herrschaftssicherung im Kunstbetrieb, um das Ende einer Vorstellung von moderner Kunst und um die Gründe, warum an ihr so verzweifelt festgehalten wird, um geschürte und enttäuschte Glücksversprechen. "Tiefer hängen" ist die Geschichte des Verfalls …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Für den mit "upj" zeichnenden Rezensenten ist die Arbeit des Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich auf jeden Fall ein sehr nützliches Buch - weiß der doch eine Menge Erhellendes "über die sukzessive Entleerung des Kunstbegriffs zu sagen". Die Konsumenten von Kunst sind seiner Meinung nach heutzutage fast zu Opfern geworden, und der Rezensent sieht hier Parallelen zu den kompensatorischen Verhaltensweisen von fashion victims oder zu den liebesromantischen Vorstellungen einer Madame Bovary. Opfer sind sie deshalb, weil sie sich "Erlösung aus ihrer Lebensleere mit einem überaus hoch gehängten Kunstbegriff erhofften", um damit "die letzten Reste einer aus dem Alltag vertriebenen Metaphysik einzufangen" und damit doch oft genug auf die Nase fallen. Ullrichs Kritik ist nach Meinung des Rezensenten jedenfalls nicht nur provokant, sondern dabei auch richtig substantiell.

© Perlentaucher Medien GmbH
Wolfgang Ullrich, Jahrgang 1967, studierte Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik in München. Promotion 1994 mit einer Arbeit über das Spätwerk Heideggers. Seitdem freier Autor, Dozent am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Kunstakademie München (1997 bis 2003) und Unternehmensberater, zahlreiche Arbeiten zur Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, über moderne Bildwelten und Wohlstandsphänomene.

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