Ich heiße Catarina Elisabetha Ludovica Magdalena und werde
vulgairement genannt Bettina. Ihre Briefe unterschrieb sie oft mit
Bettine.
Die Erfindung ihres Namens war ihre erste poetische Tat. Zugleich
erschuf sie sich so eine eigene Identität. Am 20. Januar 2009 jährt
sich ihr Todestag zum 150. Mal: Bettine (oder Bettina) Brentano
(oder von Arnim), Dichterschwester, Muse Goethes, Dichtergattin,
Enkelin (der Schriftstellerin Sophie La Roche) und noch weitaus
mehr als nur dies: poetische Biographin ihres umschwärmten Idols
Goethe und der Jugendfreundin und Dichterin Karoline von
Günderrode. Sie ist Nachlaßverwalterin der Werke ihres bereits 1831
verstor-benen Mannes Achim von Arnim und phantasiereiche
Heraus-geberin der Briefe ihres Bruders Clemens (1844). Durch die
1835 bzw. 1840 publizierten Briefbücher wurde sie berühmt. Als
politische Publizistin und Gesellschaftskritikerin ist sie wieder
neu zu entdecken: Mit Dies Buch gehört dem König gelingt es 1843
der angeblich Naiven und romantischen Dichtermuse, die Zensur zu
umgehen und König Friedrich Wilhelm IV. mit dem Elend der
schlesischen Weber zu konfrontieren und auf gesell-schaftliche
Mißstände hinzuweisen. Ein weiterer Trick, um der scharfen Zensur
zu entgehen: Bettine läßt ihre Kritik von Goethes Mutter, der Frau
Rath, vortragen. Die dem Werk beigegebenen Erfahrungen eines jungen
Schweizers im Vogtlande sind erschütternde Augenzeugenberichte über
die katastro-phalen Lebensbedingungen der Spinner und Weber in den
Elendsquartieren vor den Toren Berlins und die erste
Sozialreportage der deutschen Literatur.
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20