Platon und Aristoteles in der Kosmologie des Proklos
Anders als ihre Übermittlung in einem als christliche Apologetik
präsentierten Traktat suggeriert, bieten die 18 Argumente des
Proklos für die Ewigkeit der Welt insgesamt keine Polemik gegen die
christliche Schöpfungslehre, sondern dokumentieren vielmehr in
exemplarischer Weise die für den Neuplatonismus charakteristischen
intensiven exegetischen Bemühungen um das Verhältnis von Platon und
Aristoteles. Dabei zeigt sich, in welch überraschend hohem Maße der
spätere Platonismus darum bemüht war, die sachlichen Einsichten des
Aristoteles nicht nur in sein eigenes System zu integrieren,
sondern auch als dem Gehalt nach platonisch und damit Aristoteles
selbst als den herausragendsten Schüler Platons darzustellen. Aller
Gewaltsamkeit in der Einzelinterpretation zum Trotz beweisen
Platons Erben in der Akademie dabei eine bewundernswerte Intuition
für die Verwandtschaft platonischer und aristotelischer
Naturbetrachtung, von der auch die moderne philosophiehistorische
Forschung noch lernen kann.
Benjamin Gleede - geboren 1977; 1997-2004 Studium der ev. Theologie, Philosophie, griechischen und semitischen Philologie in Erlangen, Tübingen und Durham; 2008 Promotion zum Dr. theol; seit 2005 Mitarbeiter am Tübinger Augustinuszentrum
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