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Zweimal Juni
Roman
Aus d. Span. v. Peter Kultzen
- Einband: Gebunden
- Gebundenes Buch
Produktinformation
- Verlag: Suhrkamp
- 2009
- Ausstattung/Bilder: 2009. 181 S.
- Seitenzahl: 181
- Best.Nr. des Verlages: 42078
- Deutsch
- Abmessung: 206mm x 128mm x 21mm
- Gewicht: 304g
- ISBN-13: 9783518420782
- ISBN-10: 351842078X
- Best.Nr.: 25550138
Produktbeschreibung zu "Zweimal Juni"
Beschreibung
Und doch gibt es selbst in solchen Zeiten immer auch Leute, die es ganz gut getroffen haben. Etwa der junge Rekrut, der zunächst bei einem Militärarzt als Fahrer arbeitet und später als Medizinstudent den Krieg in der Zeitung verfolgt. Als er aber auf einer Gefallenenliste einen Namen bemerkt, der ihm bekannt vorkommt, entspinnen sich seine Erinnerungen, die an ein grauenhaftes Ereignis rühren. Mit dieser scheinbar unbeteiligten Stimme eines Mitläufers macht der Roman den Leser zum Komplizen und gewinnt eine Drastik und Intensität, die einem den Atem raubt. Martín Kohan schrieb mit Zweimal Juni den maßgeblichen Roman über die traumatischen Ereignisse der letzten Militärdiktatur.
20.04.2009
Argentinische Todesfuge
Wer sich fangen lässt, ist tot: Martín Kohan enthüllt in seinem
verstörenden Roman die Moral des Massakrierens unter der
Militärdiktatur - und rührt an ein Tabu.
Ab wie viel Jahren kann man ein Kind folltern?": Kurz nach
seiner Einberufung zum Wehrdienst im Juni 1978 stößt der Rekrut des
argentinischen Heeres, fast selbst noch ein Kind, auf diese Frage
des Feldwebels im Benachrichtigungsbuch seiner Einheit. Die Lektüre
verursacht in ihm Ekel und Unbehagen. Denn solch einen Satz bringt
ein zivilisierter Mensch nicht zu Papier. Ein zivilisierter Mensch
schreibt "foltern" nicht mit doppeltem "l". Und
in einem Akt der heimlichen Insubordination korrigiert der junge
Soldat den Fehler des Vorgesetzten mit feiner Feder. So dass
nachfolgende Leser der Folter von Kindern in ihrer orthographisch
korrekten Einfachheit begegnen können.
Ganz am Anfang von Martín Kohans Roman "Zweimal Juni"
steht diese Episode. In vollem Maße begreifbar wird ihre
Ungeheuerlichkeit jedoch erst am Ende. Denn dann ist unweigerlich
klar, dass in dieser spontanen Reaktion des Ich-Erzählers bereits
das gesamte Buch in seiner Essenz wiedergegeben …
18.05.2009
Doktor Mesiano und sein harmloser Chauffeur
Martín Kohans Roman „Zweimal Juni” über die Militärdiktatur in Argentinien und die Fußball-Weltmeisterschaften von 1978 und 1982
Sechshundertvierzig bedeutet „Heer”, und dem Vater stehen die Tränen in den Augen vor Rührung und Stolz. Zu Zeiten der Militärdiktatur war die Wehrpflicht in Argentinien in Form einer Lotterie organisiert. Die einzuberufenden Jahrgänge wurden in einer an den Nummern der Personalausweise orientierten Verlosung den drei Bereichen Heer, Luftwaffe oder Marine zugeteilt. Die Ergebnisse wurden dann im Rahmen einer stundenlangen Radioübertragung landesweit bekannt gegeben. So sitzt also auch der junge Ich-Erzähler von Martín Kohans Roman „Zweimal Juni” im Jahr 1978 mit seiner Familie vor dem Radio. Als die Entscheidung feststeht, dass der Sohn beim Heer einrücken wird, gibt der Vater ihm eine Menge Ratschläge mit auf den Weg, die allesamt nach strengem Gehorsam und männerbündlerischer Treue klingen. Man denkt, so viel steht schon früh fest, nicht selbst in dieser Familie.
Die drei Wochen der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land, inszeniert als ein großes …
24.06.2009
Beklommen bespricht Kersten Knipp Martin Kohans Roman "Zweimal
Juni", der "sehr schlicht und sehr grauenhaft" die
Fußballweltmeisterschaft von 1978 und die argentinische
Militärdiktatur zu einem wirkungsvollen Roman verknüpft. Erzählt
wird einmal aus der Perspektive eines Rekruten, der seinen
Wehrdienst bei einem Militärarzt leistet, der wiederum als Berater
eines der größten Foltergefängnissen des Regimes fungiert. Diese
Erzählungen wird unterbrochen von der Stimme einer gefolterten
Schwangeren und immer wieder eingeschalteten Auswüchsen der
argentinischen Fußballbegeisterung, erklärt der Rezensent. Der
Ich-Erzähler entpuppt sich als obrigkeitshöriger
Verdrängungsspezialist und bei der in seiner Dienststelle
schriftlich eingegangen Frage, ab wann man ein Kind
"folltern" könne, stolpert er lediglich über die
Rechtschreibung, lässt Knipp wissen. Der 1967 geborene
argentinische Autor versteht es, das "Monströse" und die
"Banalität des Bösen" im Argentinien der Militärdiktatur
eindringlich zu schildern, preist der Rezensent nachhaltig
beeindruckt.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezension
" Zweimal Juni ist eine bemerkenswerte Darstellung dessen, wie
sich Normalität in einer Diktatur ausdrückt - in einem
unauffälligen und selbstverständlichen Darinaufgehen."
Christoph Schröder Süddeutsche Zeitung
Autorenporträt zu "Martín Kohan"
Martín Kohan wurde 1967 in Buenos Aires geboren und lebt dort bis heute. Er hat fünf Romane, zwei Bände mit Erzählungen und zwei große Essays (einen über Eva Perón und einen über Walter Benjamin) veröffentlicht. Mehrmals im Monat fliegt er von Buenos Aires in den Süden, wo er an der Universität von Patagonien ebenso wie in der Hauptstadt literarische Theorie lehrt.
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