Unter dieser furchterregenden Sonne - Busqued, Carlos

Carlos Busqued 

Unter dieser furchterregenden Sonne

Roman

Aus d. argentinisch Spanisch v. Dagmer Ploetz
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Unter dieser furchterregenden Sonne

"Die Entdeckung in diesem Jahr heißt Carlos Busqued!" Qué Leer "Ein Roman aus Argentinien, der einem den Atem raubt." El País

Cetarti versinkt im Nichts. Ohne Arbeit und Plan verbringt er seine Tage kiffend vor dem Fernseher und schaut mit Vorliebe Tierfilme über kannibalische Riesenkraken und militärhistorische Dokumentationen im Discovery Channel. Der Anruf eines Unbekannten reißt ihn jäh aus seiner Lethargie. Seine Mutter und sein Bruder seien erschossen worden, er solle sich um die Leichen kümmern. Eher unwillig und mit genügend Dope in der Tasche macht er sich in das abgelegene Provinzdorf im Chaco auf. Lapachito ist ein finsterer Ort, wo die Häuser immer tiefer im Schlamm versinken und eine grelle, furchterregende Sonne die Menschen in den Wahnsinn treibt. Für Cetarti und den Leser beginnt ein halluzinogener Horrortrip in eine surreale Welt, in der es von giftigen Insekten wimmelt und die Menschen sich wie Raubtiere verhalten. Entführungen, Erpres sungen und Erniedrigungen sind hier so selbstverständlich wie das Basteln an Modellen von Lang streckenbombern, Fastfood und Kabelfernsehen. Carlos Busqued zeichnet in diesem erstaunlichen Debüt mit einer direkten, harten und melodiösen Sprache das Bild eines zivilisatorischen Untergangs, in dem die Grenze zwischen albtraumhafter Realität und realistischen Albträumen zunehmend verschwimmt. Ein flammend radikaler Roman, voller Verweise auf die jüngste Geschichte Argentiniens, auf Folter, Verbrechen, Schuld und Hass, auf die Tiefenwirkungen der Diktatur. Mit der sezierenden Unerbittlichkeit eines Zoologen blickt Carlos Busqued in das Antlitz des Kraken, der nicht nur Argentinien in seinen Fängen hält.


Produktinformation

  • Verlag: Kunstmann
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 189 S.
  • Seitenzahl: 189
  • Deutsch
  • Abmessung: 199mm x 134mm x 23mm
  • Gewicht: 265g
  • ISBN-13: 9783888976780
  • ISBN-10: 3888976782
  • Best.Nr.: 29695419

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Fasziniert zeigt sich Andreas Fanizadeh von diesem so "unglaublich spannenden" wie düsteren Roman des Argentiniers Carlos Busqued, den er als sensibel und mehrdeutigen Autor schätzt. Busqueds erzählt darin aus der Parallelwelt lohnarbeitsferner Existenzen, sein lakonisch-subtiler Stil mische argentinische Erzähltradition und popkulturelle Ästhetik, schreibt der Kritiker und fühlt sich gelegentlich an die surrealen Einsprengsel in Filmen der Coen-Brothers oder Quentin Tarantinos erinnert. Es geht in diesem Thriller um das lethargische und ereignislose Außenseiterleben eines Vorstadtbewohners, lesen wir, der eines Tages durch den gewaltsamen Tod seines Onkels aufgescheucht wird. So kommt der Plot in Gang, der sich, wie uns der Kritiker versichert, mit grotesker Beiläufigkeit bald in gewaltsame Regionen aufschwingt, eine Welt aus Drogen, Hardcore-Pornos und Todeskämpfen. Insgesamt sei dieser Roman ein komplexer, kultureller Hybrid, und mithin eine Antithese zu allen Sarrazins und anderen Vereinfachern dieser Welt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.09.2010

Der Axolotl ist wieder da
Aufstand der Tiere: Das Romandebüt „Unter dieser furchterregenden Sonne“ des Argentiniers Carlos Busqued
Der Axolotl ist wieder da. Offenbar ein wirklich faszinierender Bursche. Im Jahr eins nach Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ spielt der merkwürdige Schwanzlurch nun in „Unter dieser furchterregenden Sonne“, dem erstaunlichen Romandebüt des Argentiniers Carlos Busqued, eine entscheidende Nebenrolle. Allerdings hat ein argentinischer Axolotl andere Vorfahren als ein deutscher. Dem südamerikanischen wurde nämlich bereits vor mehr als fünfzig Jahren ein literarisches Denkmal gesetzt, und jeder neue Literatur-Axolotl ist deshalb eine Referenz an jenen Vorgänger. In der 1956 erschienenen Erzählung „Axolotl“ von Julio Cortázar, Argentiniens zweitem Schriftsteller-Gott neben Jorge Luís Borges, vertieft sich der Ich-Erzähler so lange in die halb mysteriöse Erscheinung des Lurchs, bis er selbst einer wird. Zuvor beschreibt er allerdings dessen Ausstrahlung und auch dessen „geheimen Willen“: Der Axolotl wolle, durch seine Unbeweglichkeit und Indifferenz, Raum und Zeit abschaffen.  
Eine solche, sagen …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Wie ein halluzinogener Alptraum in einer heißen Nacht fühlt sich Carlos Busqueds Debüt an. Das Dorf Lapachito versinkt im eigenen Klärschlamm, Menschen werden ermordet, erpresst und missbraucht, komische Insekten lassen Arme abfaulen - und es kümmert keinen. Das ist das Packende am Roman des Argentiniers: Wie er uns mit ungeschönten, knappen Worten diese absolute Gefühls- und Morallosigkeit vorführt. Die er wiederum geschickt mit Dokumentationen über gefolterte Elefanten und kannibalische Riesenkalamare konterkariert. Der Niedergang lauert hier überall, aber niemand reagiert. Cetarti, arbeitslos und apathisch, "kiffte nur nicht, wenn er schlief oder duschte", Duarte, der kriminelle Luftwaffenoffizier, entführt Frauen, sammelt abartige Pornos und baut Modellflugzeuge während sein Komplize Danielito bettnässend dahinvegetiert. "Unter dieser Furcht erregenden Sonne" wäre nihilistisch, wären da nicht die, für Europäer allerdings schwer greifbaren, Anspielungen auf die Geschichte Argentiniens samt seiner Diktatur - deren sadistische Klauen Busqued wohl neben dem Kapitalismus für das ganze Dilemma verantwortlich macht. Definitiv keine alltägliche Leseerfahrung. (kat)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.01.2011

Kunst am Abgrund

Kiffen, Tier- und Technikfilme, das ist das Leben von Cetarti. Ein Nihilist, dem es an Begabung und auch sonst allem fehlt. Nicht leicht, einem solchen Menschen irgendetwas Interessantes abzugewinnen. So fragt man sich, warum der argentinische Autor Carlos Busqued, Jahrgang 1970, sich in seinem Debütroman so einen Protagonisten angetan hat. Vielleicht hätte es etwas gebracht, ihn psychologisch auszuloten, aber auf psychologische und sonstige Analyse setzt Busqued nicht - er versucht es mit einem Mittel, das schlechte lateinamerikanische Autoren in letzter Zeit im Wortsinn ad nauseam bemühen: der drastischen Schilderung deprimierender Umstände. Pornofilme müssen darum her, dazu sterbende Tiere, von erstickenden Fischen über zertretene Kakerlaken bis zu angefahrenen Rindern. Dazu auch eine Stadt mit überforderter Kanalisation, so dass der ganze Dreck nach oben spült. Das kann man symbolisch deuten, ebenso auch die Riesenkraken aus der Tiefe. Beide legen das Wort "abgründig" nah. Dergleichen gebraucht man gern, wenn man über die Zeit der argentinischen Militärdiktatur parliert. Denn um die geht es, um Machenschaften aus einer düsteren Zeit, …

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Dagmar Ploetz, geb. 1946 in Herrsching, Kindheit und Schulzeit in Argentinien, Studium der Germanistik und Romanistik in München. Lektorin, freie Journalistin und seit 1983 Übersetzerin.

4 Marktplatz-Angebote für "Unter dieser furchterregenden Sonne" ab EUR 4,00

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