Künstliche Atmung - Piglia, Ricardo

Ricardo Piglia 

Künstliche Atmung

Roman

Aus d. argent. Spanisch v. Sabine Giersberg
Taschenbuch
 
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Produktbeschreibung zu Künstliche Atmung

Ein junger Schriftsteller, Emilio Renzi, veröffentlicht sinen ersten Roman. der von einem Ehebruch aus den vierziger Jahren erzählt. Erst nach der Veröffentlichung lernt er den Protagonisten kennen, seinen Onkel Marcelo Maggi. Er entziffert Briefe eines Vorfahrens bei dem es sich um den Sekretär, des Mitte des 19. Jahrhundets herrschenden Diktators Rosas, Enrique Ossorio handelt.
Bei dem Versuch, das Geheimnis Ossorios zu lösen, stoßen Renzi und sein Onkel auf weitere Spuren ...


Produktinformation


  • Verlag: Wagenbach
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 219 S.
  • Seitenzahl: 219
  • Quartbücher
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 127mm x 22mm
  • Gewicht: 317g
  • ISBN-13: 9783803131737
  • ISBN-10: 3803131731
  • Best.Nr.: 10656972
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.12.2002

Gewinnen soll immer die Puppe
Wie man von Immanuel Kant zu Walter Benjamin und von dort nach Argentien kommt: Ricardo Piglia schreibt einen Detektivroman der Geistesgeschichte
Die Ideengeschichte birgt einen ungeahnten Reichtum an Romanstoffen. Nur hat sich noch kein Balzac, kein Sterne und auch kein Musil gefunden, die fiktiven Schätze zu heben, die in den Passagenwerken des vorigen Jahrhunderts enthalten sind. Pionierarbeit leistete vor ein paar Jahren der Brite Gilbert Adair, der mit dem Roman „Der Tod des Autors” (Edition Epoca 1997) die weithin beste und lesbarste Einführung in dekonstruktivistische Literaturtheorien vorlegte. Als Verfasser äußerst verschachtelter Detektivromane, die der Wirklichkeit mit solch entschiedener philologischer Skepsis und historisch-kritischer Strenge begegnen, dass der Leser kaum merkt, wie er in die Fallen der Fiktion geht, hat sich der Argentinier Ricardo Piglia einen Namen gemacht, zuletzt mit dem vielgelobten Roman „Brennender Zaster” (Wagenbach Verlag 2001).
Mehr als zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen liegt jetzt auch Piglias experimenteller Klassiker eines geistesgeschichtlichen Romans in deutscher …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.09.2002

Nachtclub der toten Dichter
Geschichtsträumer: Der argentinische Romancier Ricardo Piglia

Wenn es ein Genre gibt, das der deutschen Gegenwartsliteratur zu ihrem großen Schaden fehlt, dann ist es der historische Roman. Nichts gegen die dicken Schwarten mit historischen Stoffen aus Stein-, Wald- und Wiesenzeiten und mit Figuren vom Medicus bis zu Gaius Pampelmus. Doch der moderne Roman, der Geschichte zugleich erzählt und reflektiert, der unser Verhältnis - oder auch unser Nichtverhältnis - zu ihr beschreibt, der ist fast ganz verschwunden. Daß Übersetzungen diese Lücke füllen können, kann man nun an den Romanen des Argentiniers Ricardo Piglia überprüfen.

"Jede Epoche träumt die vorhergehende" - dieses scheinbar paradoxe Motto von Jules Michelet stellt in "Künstliche Atmung" Enrique Ossorio, ein exilierter argentinischer Intellektueller aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, seinem geplanten Roman voran. Dieses Werk ist ein Zukunftsroman, der im Jahr 1979 spielen und die politischen Wirren um 1838 spiegeln soll, die Ossorio zunächst ins uruguaische und später ins nordamerikanische Exil zwangen. Der Held soll darin zufällige …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Zensur ist anstrengend, sowohl für den Autor als auch für den Leser, hat der Rezensent Andreas Breitenstein bei seiner Lektüre festgestellt. Denn der während der Militärdiktatur geschriebene Roman des in Argentinien legendären Schriftstellers Ricardo Piglia sei aus Zensurgründen dermaßen verschränkt, die Textebenen dermaßen "dicht komprimiert und virtuos ineinander gefügt", dass sich der "Erstickungstod" der Diktatur auch im "Grauen" der Textentwirrung manifestiere. In zwei "ineinander greifenden, detektivisch angelegten historischen Recherchen" - Marcelo Maggi recherchiert über den Außenseiter Enrique Ossorio, und der Schriftsteller Emilio Renzi seinerseits über den verschwundenen Maggi - konstruiere Piglia eine Art "Schachpartie", ein "Duell von Taktik und Täuschung, Interpretation und Desinformation", in dessen Entschlüsselung der Leser mitverstrickt wird. Dies klinge "kompliziert", gibt der Rezensent zu, "und ist in Wirklichkeit noch komplizierter". Und so muss der bewundernde Breitenstein auch kapitulieren vor der Schilderung des Plots, denn eine solche werde von die "Stilprinzipien"des Romans - "Zitat und Verschachtelung, Doppelung und Spiegelung, Bruch und Widerspruch" - unmöglich gemacht.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Endlich können wir ihn lesen, genießen und feiern: einen der wichtigsten lateinamerikanischen Romane der letzten Jahrzehnte. Eine intellektuelle Erfahrung, die kein Leser je vergessen wird." (Ariel Dorfmann, New York Times Book Review)
Ricardo Piglia wurde 1941 in Adrogue nahe Buenos Aires geboren. Seit seinem Debüt 1967 mit "La invasión" machte er sich mit zahlreichen Romanen und Kurzgeschichten einen Namen und gilt in seiner Heimat längst als moderner Klassiker. 1998 gelang ihm der Vorstoß in die Kinowelt mit dem Drehbuch zu dem Film "La sonambula" von Fernando Spiner, der mit dem Preis des argentinischen Nationalen Instituts für Filmkunst ausgezeichnet wurde. Auch seine Arbeiten als Kritiker und Essayist machten ihn zu einem der berühmtesten Autoren Argentiniens, entgegen dem Willen des Militärregimes, das lange Zeit versuchte, ihn zum Schweigen zu bringen. An den amerikanischen Universitäten Princeton und Harvard lehrte Ricardo Piglia Literatur und Film, von der Universidad de Buenos Aires wurde er zum Ehrenprofessor ernannt. Heute lebt und arbeitet er in Buenos Aires.

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