Ins Weiße zielen - Piglia, Ricardo

Ricardo Piglia 

Ins Weiße zielen

Roman. Ausgezeichnet mit dem Premio Romulo Gallegos 2011

Übersetzung: Regling, Carsten
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Ins Weiße zielen

Ein Mordopfer, das mit Zwillingsschwestern unter einer Decke steckt, ein Japaner als Tatverdächtiger, ein zwielichtiger Staatsanwalt, ein Jockey, der sein Pferd mehr liebt als sein Leben, und ein Kommissar im Irrenhaus in der Pampa ist die Hölle los.

Wieso musste Tony Durán sterben? In seinem lang erwarteten neuen Roman entführt uns Ricardo Piglia in die trügerische Ruhe der argentinischen Provinz. Während alle Welt glaubt, der schwule Japaner Yoshio habe den Ausländer Durán getötet, entwickelt Kommissar Croce mit Hilfe des aus Buenos Aires angereisten Journalisten Renzi seine eigene Theorie: Waren es wirklich nur die körperlichen Reize der Zwillingsschwestern Ada und Sofía Belladona, die Durán in die Pampa gelockt haben? Was hatten deren Vater und Bruder, die Besitzer der hiesigen Fabrik, mit dem Opfer zu schaffen? Was hat es mit dem Erbe der irischen Mutter der Zwillinge auf sich? Und was nur hat Cueto, der aalglatte Staatsanwalt und Intimfeind Croces, zu verbergen? Piglia bietet alles auf, was das Genre des Kriminalromans hergibt um die Gemeinplätze der Gattung am Ende auszuhebeln und zu zeigen, dass nichts so ist, wie es scheint. Dabei gelingt ihm die Quadratur des Kreises: ein Buch, das sich liest wie ein Krimi und doch keiner ist.


Produktinformation

  • Verlag: Wagenbach
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 256 S.
  • Seitenzahl: 252
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 145mm x 25mm
  • Gewicht: 439g
  • ISBN-13: 9783803132321
  • ISBN-10: 3803132320
  • Best.Nr.: 29728048

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ziemlich durchgeschüttelt geht Florian Borchmeyer aus dieser Lektüre hervor. Was kühnes Fabulieren bedeutet, führt ihm Ricardo Piglia einmal mehr vor Augen. Sein vierter Roman täuscht den Rezensenten allerdings mit einem lakonischen Auftakt, bevor es dann richtig losgeht und Piglia sämtliche Gegensätze der Erzählkunst einebnet. Dass die intellektuelle Konstruktion eines eher klassischen Kriminalfalls, ein mit vielerlei Zeitebenen, Fußnoten und Genres (von Allegorie bis Groteske) hantierendes verschlungenes Erzählen und ein Haufen dem Wahnsinn naher Figuren zusammengehen, kann Piglia dem Rezensenten beweisen. Des Autors "exegetischer Zeigefinger", den Borchmeyer nicht selten erkennt, sieht dahinter zum Glück wieder klein aus.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.02.2011

Kein Pferd mehr nach Durango
Paranoia in der Pampa: Ricardo Piglias funkensprühender neuer Roman „Ins Weiße zielen“
Leiser Wildwest-Sound à la Ennio Morricone begleitet den als Detektivgeschichte getarnten Roman des Argentiniers Ricardo Piglia. In diesem postmodernen Melodram tritt der von Korruption und Kapitalflucht bewegte Geldrausch an die Stelle des klassischen Goldrauschs. Geldwäscher übernehmen die Rolle der Goldgräber von einst, und Giacomo Puccinis „Mädchen aus dem goldenen Westen“ wird von gleich zwei rothaarigen Schönheiten aus „El Sur“, dem „goldenen Süden“ des lateinamerikanischen Kontinents, abgelöst: den bisexuellen Zwillingsschwestern Ada und Sofía Belladona, die keiner auseinanderhalten kann.
Die Töchter des lokalen Magnaten sind leidenschaftliche Glücksspielerinnen, die dem Wein huldigen, keinen BH tragen – wir schreiben das Jahr 1972 – und auch gerne mal eine Linie Kokain ziehen, während sie die Langeweile und Idiotie des Landlebens beklagen. „Sieh einer an, die Mädchen vom Dorf“, sagt dazu ein von den lustigen Zwillingen auch sinnlich beeindruckter Reporter aus der Hauptstadt. Die Tageszeitung El …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.04.2011

Pandämonium in Weiß
Ricardo Piglia verhext virtuos den Kriminalroman

Die argentinische Literatur hat eine Tendenz zum Vergeistigten und Phantastischen. In Brasilien oder Mexiko herrscht eine größere Freude an Sinnlichkeit, Farben, Gerüchen, Landschaften. Wir dagegen mit unserer flachen Pampa besitzen so etwas wie Landschaft gar nicht. Daher müssen wir den Stimulus stets im eigenen Kopf suchen: Wie eine Art heimliche Gebrauchsanweisung zur Lektüre des neuesten Werks von Ricardo Piglia liest sich dieser jüngst in einem Interview formulierte Gedanke des Erzählers César Aira. Und das, obwohl Aira in seinen bizarren, surreal überkochenden Szenarien innerhalb der Generation der in den vierziger Jahren geborenen argentinischen Literaten als eine Art Antipode Piglias gilt. Letzterem wird eher das souveräne, wenn auch etwas unterkühlte Arbeiten mit Versatzstücken und intertextuellen Referenzen nachgesagt.

Mit seinem vierten Roman "Ins Weiße zielen" stellt Piglia nun unter Beweis, dass kühnes Fabulieren und subtil intellektuelles Konstruieren ebenso wenig Gegensätze bilden wie das Phantastische und die Eintönigkeit der Pampa. Genau dort, …

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Ricardo Piglia wurde 1941 in Adrogue nahe Buenos Aires geboren. Seit seinem Debüt 1967 mit "La invasión" machte er sich mit zahlreichen Romanen und Kurzgeschichten einen Namen und gilt in seiner Heimat längst als moderner Klassiker. 1998 gelang ihm der Vorstoß in die Kinowelt mit dem Drehbuch zu dem Film "La sonambula" von Fernando Spiner, der mit dem Preis des argentinischen Nationalen Instituts für Filmkunst ausgezeichnet wurde. Auch seine Arbeiten als Kritiker und Essayist machten ihn zu einem der berühmtesten Autoren Argentiniens, entgegen dem Willen des Militärregimes, das lange Zeit versuchte, ihn zum Schweigen zu bringen. An den amerikanischen Universitäten Princeton und Harvard lehrte Ricardo Piglia Literatur und Film, von der Universidad de Buenos Aires wurde er zum Ehrenprofessor ernannt. Heute lebt und arbeitet er in Buenos Aires.

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