 | Besprechung von 05.10.2010 |
Mathematik
des Machismo
Guillermo Martínez erzählt
Die „Gewaltige Hölle“, die der Erzählungsband des 1962 in
Argentinien geborenen Mathematikers und Romancier Guillermo
Martínez heraufbeschwört, öffnet sich als Verlängerung
argentinischen Alltags. Es gibt Versuchungen, aber keine Erfüllung,
und Erlösung gibt es schon gar nicht. Es gibt mörderische
Obsessionen, die von Patricia Highsmith inspiriert sind („Das
Opfer“), kafkaeske Behördengänge („Freuden und Schrecken der
Hutheit“) und eine satirische Wiedergängergeschichte („Das
unerhörte Glück der Familie M.“). Doch vor allem geht es um Sex und
Tod. Mathematik und Machismo vereinen sich in einer Manier, die
jede Betrachtung von Frauen zur Kurvendiskussion macht. Ein
gehemmter Universitätsassistent wächst im Hörsaal über sich hinaus,
als eine schöne Studentin an seinen Prüfungsaufgaben scheitert
(„Die Nachholprüfung“). Statt des Mädchens bekommt er am Ende eine
Stelle in La Plata.
Ein Mathematikprofessor stellt in „Eine schwierige Prüfung“ gleich
einen ganzen Logik-Kurs vor eine unlösbare Aufgabe. Er konzentriert
sich dabei auf eine attraktive Studentin. Als sich …
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
"Sex und Tod. Mathematik und Machismo", das sind die Schlüsselbegriffe, auf die sich nach Ulrich Baron die Erzählungen von Guillermo Martinez bringen lassen. Dabei sei die "Hölle", von der im Titel die Rede ist, eine direkte Verlängerung des argentinischen Alltags, die ihre Wurzeln aber in der Denunziations- und Folterpolitik der Militärdiktatur habe, so der Rezensent. Somit schafft die Titelgeschichte, in der ein Dorf auf der Suche eines verschwundenen Paares plötzlich überall Leichen ausgräbt, die Hintergrundfolie, vor der auch die übrigen Geschichten zu lesen sind, betont Baron, der von diesen Erzählungen beeindruckt wirkt.
© Perlentaucher Medien GmbH
 | Besprechung |
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Humor und Horror liegen oft ganz nah beieinander. Bei Guillermo Martínez und dessen Erzählungen weiß man in vielen Momenten nicht einmal, ob man jetzt lachen oder sich erschrecken soll. Beispiel: Im kleinen argentinischen Ort Puente Viejo verschwinden eines Tages ein Rucksackreisender und die Frau eines Friseurs, und alle Bewohner sind sich sicher: Der Friseur hat beide auf dem Gewissen. Hysterie macht sich breit, ganze Dünen werden umgegraben - und ein Massengrab entdeckt. Tote - wahrscheinlich aus der Zeit der Diktatur? Es wird nicht angesprochen. Statt dessen überlagert eine zweite die erste Hysterie, und das volle Massengrab wird einfach wieder zugeschüttet. 60 Seiten und mehr als 15 Jahre später reist ein Professor in den Ort, um einen Vortrag zu halten und gerät dem Friseur unters Messer ... (jw)
"Guillermo Martínez, Star der modernen lateinamerikanischen Literaturszene, schildert die Schrecken in einer Kleinstadt als groteske Miniatur-Thriller. Aufwühlend!" (Cosmopolitan, Oktober 2010)<br/><br/>"Mitten im Lieben sind die Menschen vom Tod umfangen, und Argentiniens Hölle liegt nur ein paar Handbreit unter ihnen." (Ulrich Baron, Süddeutsche Zeitung, 5. Oktober 2010)<br/><br/>"Eine gelungene Sammlung von Erzählungen, die sehr düster, aber gleichzeitig faszinierend ist - und mit einem unerwarteten Ende überrascht." (Lea, Oktober 2010)<br/><br/>"Die Erzählungen sind spannend, nie absehbar, klug und unheimlich erotisch, manchmal absurd, ja geradezu kafkaesk." (Die Märkische, 9. Oktober 2010)
"Guillermo Martínez, Star der modernen lateinamerikanischen Literaturszene, schildert die Schrecken in einer Kleinstadt als groteske Miniatur-Thriller. Aufwühlend!"(Cosmopolitan, Oktober 2010)<br/><br/>"Mitten im Lieben sind die Menschen vom Tod umfangen, und Argentiniens Hölle liegt nur ein paar Handbreit unter ihnen." (Ulrich Baron, Süddeutsche Zeitung, 5. Oktober 2010)<br/><br/>"Eine gelungene Sammlung von Erzählungen, die sehr düster, aber gleichzeitig faszinierend ist - und mit einem unerwarteten Ende überrascht."(Lea, Oktober 2010)<br/><br/>"Die Erzählungen sind spannend, nie absehbar, klug und unheimlich erotisch, manchmal absurd, ja geradezu kafkaesk."(Die Märkische, 9. Oktober 2010)<br/><br/>"(...) je eine Prise Kafka und Patricia Highsmith sowie großes handwerkliches Können machen das Buch zu einem anregenden Lesegenuss."(Nordsee-Zeitung, 31. Oktober 2010)<br/><br/>"In seinen Kurzgeschichten stellt Martinez seine erzählerische Bandbreite eindrucksvoll unter Beweis. Wie in seinen Romanen zeichnet er sich dabei durch den höchst eleganten Stil seiner kristallklaren Prosa sowie durch die sublime psychologische Spannung seiner Plots aus."(Meller Kreisblatt, 17. November 2010)
"In seinen Kurzgeschichten stellt Martinez seine erzählerische Bandbreite eindrucksvoll unter Beweis. Wie in seinen Romanen zeichnet er sich dabei durch den höchst eleganten Stil seiner kristallklaren Prosa sowie durch die sublime psychologische Spannung seiner Plots aus."(Meller Kreisblatt, 17. November 2010)
Guillermo Martínez wurde 1962 in Bahía Blanca geboren, ist studierter Mathematiker und lebt seit 1985 in Buenos Aires. Sein erster Roman, Die Pythagoras-Morde, wurde 2003 mit dem Premio Planeta ausgezeichnet, dominierte monatelang die argentinische Bestsellerliste und wurde mit John Hurt und Elijah Wood in den Hauptrollen verfilmt. Weitere Infos unter
Leseprobe zu "Gewaltige Hölle" von Guillermo Martínez
GEWALTIGE HÖLLE Oft, wenn der Laden leer ist und nur das Summen der Fliegen zu hören ist, denke ich an den Jungen, dessen Namen wir nie erfuhren und den niemand im Dorf je wieder erwähnte. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund stelle ich ihn mir immer so vor, wie wir ihn das erste Mal gesehen haben, mit staubiger Kleidung, Dreitagebart und vor allem dem langen, zerzausten Haar, das ihm fast bis in die Augen fiel. Der Frühling hatte gerade begonnen, deshalb hielt ich ihn für einen Rucksacktouristen auf dem Weg in den Süden, als er den Laden betrat. Er kaufte Konserven und Matetee oder Kaffee; während ich alles zusammenrechnete, besah er sein Spiegelbild in der Scheibe, strich sich die Haare aus der Stirn und fragte mich nach einem Friseur. Damals gab es zwei Friseure in Puente Viejo; wäre er zu dem alten Melchor gegangen, denke ich mir heute, wäre er der Französin vielleicht nie begegnet und es hätte kein Gerede gegeben. Aber Melchors Friseurladen befand sich nun mal am...
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20