Das Papierhaus - Dominguez, Carlos M.

Carlos M. Dominguez 

Das Papierhaus

Roman. Von der Darmstädter Jury als Buch des Monats Oktober 2004 ausgezeichnet

Aus d. Span. v. Elisabeth Müller
Broschiertes Buch
 
3 Kundenbewertungen
***** ausgezeichnet
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Produktbeschreibung zu Das Papierhaus

Eine Literaturdozentin, die so in die Gedichte von Emily Dickinson vertieft ist, dass sie tödlich verunglückt, ihr argentinischer Kollege, der um die halbe Welt reist, um das Geheimnis eines rätselhaften Buches zu lösen, und ein Mann, der bereit ist, seine Liebe für Bücher in Stein zu fassen: drei Menschen, die ohne Bücher nicht sein können und deren Leben auf höchst seltsame Weise miteinander verknüpft werden.

Produktinformation


  • Verlag: Diana
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 95 S.
  • Seitenzahl: 96
  • Diana-Taschenbücher Nr.35116
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 118mm x 15mm
  • Gewicht: 123g
  • ISBN-13: 9783453351165
  • ISBN-10: 3453351169
  • Best.Nr.: 14500353
"Eine kleine Geschichte über die Leidenschaft für Bücher." Elke Heidenreich "Ein kleiner, feiner Leckerbissen für alle Leseverrückten." Hamburger Morgenpost "Domínguez entwirft kenntnisreich das Lebensgefühl seiner Büchernarren. Eine vorzügliche Erzählung!" Der Bund 345331169AutorenporträtCarlos María Domínguez wurde 1955 in Buenos Aires geboren und lebt heute in Montevideo, wo er als Journalist, Literaturkritiker und Schriftsteller arbeitet. Das Papierhaus wurde 2001 in Uruguay mit dem Premio Lolita Rubial ausgezeichnet.
Carlos María Domínguez wurde 1955 in Buenos Aires geboren und lebt heute in Montevideo, wo er als Journalist, Literaturkritiker und Schriftsteller arbeitet. »Das Papierhaus« wurde 2001 in Uruguay mit dem »Premio Lolita Rubial« ausgezeichnet.

Leseprobe zu "Das Papierhaus" von Carlos M. Dominguez

In Gary Marshalls Version von Pretty Woman, der Fassung, die wir seit 1990 alle gesehen haben, spielt Richard Gere einen blöden Geschäftsmann, der Frauen ebenso locker kauft und verkauft wie große Firmen; sie haben Bestandteile, die man nutzen kann, und nur darum geht es. Mit Hilfe einer Nutte mit goldenem Herzen, gespielt von Julia Roberts, sieht er am Ende natürlich ein, wie unrecht sein Treiben ist, er verliebt sich und kommt auf seinem Schimmel angeritten, um Julia aus einer Welt der Erniedrigung durch seinesgleichen zu erretten. Aus irgendeinem Grund hält man so was für einen Frauenfilm. Aber zugleich bringt das Jungs auf den Gedanken, sie könnten fünfundneunzig Prozent ihres Lebens als chauvinistische Macho-Arschlöcher verbringen, wenn sie nur am Ende des dritten Aktes alles bereuen.

In der Cassandra-French-Version von Pretty Woman, für sie gezaubert mit einem Video-Bearbeitungsprogramm, das ich für fünfzehn Dollar neunundneunzig im Sonderangebot bei Best Buy erstanden habe, ist Richard Gere sehr viel ehrlicher, fürsorglicher und aufrichtiger.

Zum Beispiel: Sie erinnern sich vielleicht an die Szene, in der Mr. Gere mit Julia Roberts um den Preis für ein Wochenende feilscht und, nachdem er sich ihre Dienste für dreitausend Dollar gesichert hat, zugibt, daß er sehr viel höher gegangen wäre. Das ist raus. Statt dessen kommt eine Szene, die ursprünglich sehr viel später zu sehen ist, in der er seinen schleimigen, frauenfeindlichen Geschäftspartner (absolut perfekt gespielt von Jason Alexander, den ich immer in der Studiokantine sehe, wenn er sich ein Thunfisch-Sandwich kauft) zusammenschlägt. In der neuen Schnittfassung sieht es einfach so aus, als ob Julia und Richard die gemeinsame Zeit so sehr genießen, daß Richard mit Vergnügen alle seine Termine absagt, um mit ihr zusammenzusein, und ihre Ehre verteidigt, weil es ihm Spaß macht. Ähnliche Schnitte und Änderungen habe ich überall im Film vorgenommen, und alle verdeutlichen mein Hauptargument: Jungs müssen nicht ihr halbes Leben lang warten, um irgendwann gute, liebenswerte Männer zu werden; Frauen werden sie auch dann mögen, wenn sie vom ersten Tag an anständig und ritterlich sind. Nebenbei bemerkt, ich habe auch ordentlich Zeit gespart. Der ursprüngliche Film dauert langatmige anderthalb Stunden, meiner bloß knapp sechzig Minuten. Als die Vorführung anfing, versanken die Jungs bereits in den Zustand der Glückseligkeit. Alan und Owen starrten unverwandt und mit offenem Mund leise grinsend auf den Bildschirm, und sogar Daniel schaute etwas grippevernebelt zu. Ihre Gehirne stellten immer wieder den Zusammenhang her: Wenn man gut zu Frauen war, fühlte man sich ... na ja, eben gut. Sieh dir diesen Richard Gere an - reich, mächtig, gutaussehend, und trotzdem ist er so nett zu der Frau. Ritterlichkeit ist nicht tot. Ein netter Kerl ist am Ende nicht der Dumme. Freundlichkeit ist nicht was für Trottel. Das Morphium ist nur ein Mittel, das den Jungs hilft, den Zusammenhang zwischen guten Taten und guten Gefühlen wiederherzustellen. So kann man ihnen all das wieder beibringen, was sie einmal wußten und durch die Gesellschaft wieder vergessen haben.

Ich hatte im Büro noch etwas zu erledigen, aber ich mußte mich doch noch kurz zu Owen setzen, seine Hand nehmen und ein paar Minuten zuschauen. Ich liebe die Stelle, wo Julia Roberts sich an den Ladenbesitzern von Beverly Hills rächt, aber die davor, wo sie so grob zu ihr sind, kann ich nicht ausstehen. Ich glaube, beim nächsten Mal werde ich die auch noch herausschneiden.

Hingabe an meine Jungs: A+. Ich weiß nicht, was ich ohne sie anfangen würde. Was immer sonst in meinem Leben nicht in Ordnung ist - mein Job, meine Beziehungen, meine Haare -, die Jungs sind jeden Tag ein Lichtblick. Irgendwann werden sie fortgehen, zurück in die Welt, die sie geschaffen hat. Das ist schließlich das Ziel. Ich kann nur hoffen, daß sie ab und zu zurückkommen, um sich bei mir zu bedanken. Dann werden sie wahrscheinlich auch um ein bißchen Morphium bitten.

Leseprobe zu "Das Papierhaus" von Carlos M. Dominguez

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Kundenbewertungen zu "Das Papierhaus" von "Carlos M. Dominguez"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4.7 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen **** ausgezeichnet
(aus 3 Bewertungen)

Bewertung von Xirxe aus Hannover am 11.10.2010 ***** ausgezeichnet
Ich hatte gerade den ersten Satz gelesen, als ich laut loslachen musste. Was für ein Beginn für ein Buch!!! Zum besseren Verständnis:
'Im Frühjahr 1998 kaufte Bluma Lennon in einer Buchhandlung von Soho eine alte Ausgabe der Gedichte von Emiliy Dickinson und wurde an der ersten Straßenecke, als sie gerade beim zweiten Gedicht angelangt war, von einem Auto überfahren.'
Welch ein Tod für Bücherwürmer ;-) Doch nicht jedes Buch führt zu solch radikalen Konsequenzen, aber in doch vielen Fällen zu durchaus markanten Einschnitten im Leben der Lesenden. Davon handelt diese Erzählung: welchen Einfluss Bücher haben, wie sie nach und nach das Leben eines Menschen in Besitz nehmen können bis kaum noch etwas anderes Raum einnimmt. Wie es auf unerklärliche Weise immer mehr werden, jedes Regal zu klein wird und über kurz oder lang keine freie Wand mehr vorhanden ist.
Das Ganze ist verpackt in eine stimmungsvolle, poetisch erzählte Geschichte über die Suche nach der Herkunft eines Buches, die nach Uruguay führt und in deren Verlauf man Personen kennenlernt, deren Bücherverrücktheit kaum Grenzen zu kennen scheint. Für die weniger Bücherbesessenen mag dies eher phantastisch klingen, alle anderen aber werden diese Erzählung vermutlich realistischer sehen und wahrscheinlich gewisse Ähnlichkeiten mit der eigenen Person feststellen. Mir ist es zumindest so ergangen ;-)

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Bewertung von mama aus Bad Berka am 21.09.2010 ***** ausgezeichnet
Bücher verändern das Schicksal von Menschen - nicht nur so, dass man Literatur studiert oder durch Kochbücher vor dem Selbstmord bewahrt wird. Auch halbseitige Lähmungen, Beinbrüche oder sogar tödliche Verkehrsunfälle können Folgen eines exzessiven Bücherkonsums sein. Eines der Opfer ist Bluma Lennon, nach deren Beerdigung ihr Kollege ein Buch findet, welches ihn fasziniert. Das Exemplar ist staubig, voller Zementreste, die Seiten feucht und aufgequollen. Er begibt sich auf die Suche nach dem Absender und findet Büchernarren, die ganze Etagen vollgesammelt haben und kaum noch Platz zum Leben haben. Und er erfährt von Brauer, dem Absender, dessen Lese- und Bücherlust so unkontrollierbar wurde, dass er alles verlor bis auf eine Hütte am Strand, gebaut aus Bücher-Ziegelsteinen.
Die Geschichte von Carlos M. Dominguez zieht den Leser sofort in ihren Bann, da er versteht, was die Faszination des Lesens ausmacht. Durch die Augen des Ich- Erzählers vollzieht der Leser diese Leidenschaft für Bücher nach und überlegt, wie weit er für seine "Schätze" gehen würde - und plötzlich sieht er sein Bücherregal mit ganz anderen Augen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Ritja aus Deutschland am 11.06.2009 ***** sehr gut
"Im Frühjahr 1998 kaufte Bluma Lennon in einer Buchhandlung von Soho eine alte Ausgabe der Gedichte von Emily Dickinson und wurde an der ersten Straßenecke, als sie gerade beim zweiten Gedicht angelangt war, von einem Auto überfahren. Bücher verändern das Schicksal der Menschen." So beginnt das kleine feine Buch über Bücherliebhaber und Buchfanatiker, die es mit ihrer Sucht fast schon übertreiben. Ihr Auto verschenken, damit die Garage für die Bücher frei ist oder sich aus ihren Büchern ein Haus bauen lassen- eben jenes Papierhaus.

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