Natalität - Lütkehaus, Ludger

Ludger Lütkehaus 

Natalität

Philosophie der Geburt

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Produktinformation

  • Verlag: Die Graue Edition
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 126 S.
  • Seitenzahl: 126
  • Die Graue Reihe Bd.47
  • Deutsch
  • Abmessung: 23, 5 cm
  • Gewicht: 465g
  • ISBN-13: 9783906336473
  • ISBN-10: 3906336476
  • Best.Nr.: 20900547
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.11.2006

Wir Geborenen
Ludger Lütkehaus eröffnet das Gespräch über Natologie
Dass wir Sterbliche sind, ist ein Gemeinplatz der abendländischen Mythopoetik. Philosophieren, das gilt seit Sokrates, heißt Sterben lernen. Dass wir außerdem, nein: zunächst einmal Geborene sind, ist zwar ebenfalls bemerkt worden, hat eine auch nur annähernd vergleichbare Erregung aber kaum jemals hervorrufen können.
Das ist merkwürdig, ja erstaunlich, und es ist die drohende Entfesselung der anthropotechnischen Machbarkeiten, die uns diese Unbedachtheit nun krass und überdeutlich vor Augen stellt. Der Freiburger Philosoph und Schopenhauer-Kenner Ludger Lütkehaus hält in dieser Situation eine Philosophie der Geburt für unabweislich. Diese, konzipiert als eine den traditionellen Todeslehren und „Thanatologien” entgegengesetzte „Natologie”, sei das Gebot der Stunde.
Und er hat recht. Das Regime der Anthropotechnik widerruft die traditionellen Metaphoriken des Geburtsereignisses – das „Geschenk” des Lebens, das „Licht” der Welt –, ohne deren Orientierungsleistung ersetzen zu können. Lütkehaus ergreift in dieser Situation nun die Initiative mit einer …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.02.2007

Wollt ihr ihm eine Freude machen, so erspart ihm doch bitte, gezeugt zu werden
Rechenfehler eines Babyprüfers: Ludger Lütkehaus sucht den gordischen Knoten des Lebens zu lösen, indem er ihn entzweihaut und eine frivole Philosophie gebiert

Der glückliche Vater trug sein Kind vom Kreißsaal hinüber zur Neugeborenenstation. Auf dem Gang begegnete er einer Mutter mit ihrem Sohn. Mühsam schleppte das Kind seinen von der Chemotherapie ausgezehrten Körper vorwärts. Die Mutter sah die Vorbeigehenden an, und ihren Blick wird der Rezensent nicht vergessen. Es lag kein Neid darin, nur tiefe Trauer, als sie sagte: "So wie du heute habe auch ich mich damals über diesen hier gefreut."

Dass jedes Leben auf den Tod zueilt, jeder Tag der letzte sein kann und in jedem Glück schon das kommende Leid mahnt, gehört zu den Grundgewissheiten des abendländischen Denkens. Aber diskreditiert dies das Leben? Nein, antwortet Kant, aber es lässt doch immerhin jede Zeugung eines Menschen als einen moralisch höchst prekären Akt erscheinen. Durch die Zeugung haben wir nämlich, so der Junggeselle aus Königsberg, "eine Person ohne ihre Einwilligung auf die Welt …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Schon die Tatsache, dass sich Ludger Lütkehaus der Philosophie der Geburt annimmt, findet Ralf Konersmann angesichts der traditionellen Konzentration der Philosophie auf den Tod sehr begrüßenswert. Lütkehaus reagiere mit dem Thema auf ein offensichtliches "Bedürfnis der Moderne". Als besonders verdienstvoll würdigt der Rezensent an dem "klugen" und fundierten Buch, das auch frühere philosophische Ansätze einer "Natologie" aufgreift und kommentiert, dass der Autor jegliche Vereinfachungen meidet und weder der dummen Verherrlichung noch der "bräsigen" Verteufelung der Geburt das Wort redet.

© Perlentaucher Medien GmbH
Ludger Lütkehaus, geboren 1943, ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Freiburg und Mitglied des deutschen P.E.N.-Zentrums. 1979 Sonderpreis der Schopenhauer-Gesellschaft. 1996 Preis für Buch und Kultur. 1997 Max Kade Distinguished Visiting Professor, University of Wisconsin-Madison. 2007 erhielt Ludger Lütkehaus von der Robert-Mächler-Stiftung in Zürich den Theodor-Preis für sein "aufklärisches Gesamtwerk".
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