Hannah Arendt - Gershom Scholem, Der Briefwechsel - Arendt, Hannah; Scholem, Gershom

Hannah Arendt Gershom Scholem 

Hannah Arendt - Gershom Scholem, Der Briefwechsel

1939-1964. Briefe z. Tl. in englischer Sprache

Hrsg. v. Marie-Luise Knott u. a.
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Hannah Arendt - Gershom Scholem, Der Briefwechsel

"Juden sterben in Europa und man verscharrt sie wie Hunde." So schließt der Brief, in dem Hannah Arendt im Oktober 1940 Gershom Scholem mitteilt, daß sich Walter Benjamin auf der Flucht vor den Nazis das Leben genommen hat. In Zeiten größter Bedrohung beginnt eine Korrespondenz, die getragen ist vom Engagement für das Werk des gemeinsamen Freundes und in der von New York und Jerusalem aus immer die Welt des europäischen Judentums im Blick bleiben wird. Im Auftrag der Jewish Cultural Reconstruction, deren Ziel die Rettung der von den Nazis geraubten jüdischen Kulturgüter ist, reisen Hannah Arendt wie auch Gershom Scholem in den frühen Nachkriegsjahren erstmals wieder nach Deutschland. Dieses weitgehend unbekannte Kapitel in beider Geschichte wird über die Briefe hinaus durch bislang unveröffentlichte Berichte Hannah Arendts von ihrer Deutschlandreise 1949/50 dokumentiert. 1963 erscheint Hannah Arendts Buch Eichmann in Jerusalem. Ihre darin geäußerte Kritik an jüdischen Repräsentanten während der Zeit der Shoah wird von Gershom Scholem in einer auch öffentlich ausgetragenen Kontroverse radikal verworfen: Der über mehr als zwei Jahrzehnte aufrechterhaltene Dialog in Briefen endet im Schweigen.
Der erstmals publizierte Briefwechsel von Hannah Arendt und Gershom Scholem ist ein einzigartiges zeithistorisches Dokument: eine Auseinandersetzung über entscheidende Fragen jüdischer Geschichte und jüdisches Selbstverständnis nach der Shoah, geführt von zwei der bedeutendsten Denker deutsch-jüdischer Herkunft im 20. Jahrhundert.


Produktinformation

  • Verlag: Jüdischer Verlag
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 693 S., 16 Bildtaf.
  • Seitenzahl: 693
  • Best.Nr. des Verlages: 54234
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 131mm x 43mm
  • Gewicht: 710g
  • ISBN-13: 9783633542345
  • ISBN-10: 3633542345
  • Best.Nr.: 26385508

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Rezensent Klaus Bittermann begrüßt den nun vorliegenden Briefwechsel zwischen der Philosophin Hannah Arendt und dem Kabbala-Forscher Gershom Scholem. Die Edition und Kommentierung der Briefe schätzt er als exzellent. Sie geben Aufschluss über die 27-jährige Freundschaft von zwei sehr unterschiedlichen Charakteren, eine Freundschaft, die mit dem Streit um Arendts Eichmann-Buch 1963 endete. War Bittermann die Lektüre der anderer Briefwechsel von Arendt, etwa der mit Mary McCarthy, eine reine Freude, so hält sich das Vergnügen im vorliegenden Fall in Grenzen. Das liegt in seinen Augen vor allem an Scholem, dessen "Bildungsbürgerdünkel" ihm zu missfallen scheint. Arendts Antworten findet er dagegen "erfrischend", weil sie kein Blatt vor dem Mund nahm. "Fest steht", resümiert der Rezensent, "auch im Duett mit Scholem erweist sich Arendt als große Briefeschreiberin".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.10.2010

Der große Nationalist und die Intellektuelle

Ihre Briefe sind ein historisches Dokument: Gershom Scholem und Hannah Arendt schätzten einander, aber ihre Unterschiede wurden zum Widerspruch.

Von Lorenz Jäger

Man ist geneigt, die Sätze, die Benjamin dem Roman "Der Idiot" widmete, auf Gershom Scholem zu beziehen, den engsten Freund, den Benjamin damals, um 1920, und wohl jemals hatte: "Das Schicksal der Welt stellt sich Dostojewski im Medium des Schicksals seines Volkes dar. Das ist die typische Anschauungsweise der großen Nationalisten, nach der die Humanität nur im Medium des Volkstums sich entfalten kann." Scholem lebte und dachte aus der Gewissheit des Judentums, das er sich freilich auf sehr eigene Weise auslegte, nämlich in der Gestalt seiner Mystik, der bislang verachteten Kabbala, die er erforschte - aber ebenso als Volkszusammenhang, als genealogische Kette, und schließlich als "Zion", wie der Ausdruck lautete, den er für seine neue Heimat bevorzugte.

Nun war Hannah Arendt alles Mögliche: eine bedeutende Philosophin und intellektuelle Schriftstellerin, vor allem sicher eine geniale Zeitdiagnostikerin - von ihrem Lehrer …

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»Diese fundiert editierte und kommentierte Briefsammlung ist für Materieneulinge wie für KennerInnen eine Fundgrube an jüdisch-intellektueller ZeitzeugInnenschaft.«
Hannah Arendt, am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren und am 4. Dezember 1975 in New York gestorben, studierte Philosophie, Theologie und Griechisch unter anderem bei Heidegger, Bultmann und Jaspers, bei dem sie 1928 promovierte. 1933 Emigration nach Paris, ab 1941 in New York. 1946 bis 1948 Lektorin, danach als freie Schriftstellerin tätig. 1963 Professorin für Politische Theorie in Chicago, ab 1967 an der New School for Social Research in New York.

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