Leseprobe zu "Selbstdisziplin" von Marc Stollreiter; Johannes Völgyfy
4. Erfolge kontrollieren (TATEN) (S. 170-173)
Vom Hörensagen kennen Sie den Trick, auf einem Esel in die gewünschte Richtung zu reiten, indem Sie dem Esel eine an einem Stock angebundene Karotte vor die Nase halten. Wirklich ausprobiert haben Sie es wahrscheinlich nie, sonst wüssten Sie, dass dieser Trick nur funktioniert, wenn Sie den Esel von Zeit zu Zeit zu seinem Recht kommen und ihn die Karotte verspeisen lassen. Auch der dümmste Esel lässt sich nicht ewig an der Nase herumführen. Leistungsklarheit und
Die Frage ist nun: Erwarten Sie Selbstdisziplin und eiser- Erfolgsbewusstsein nes Durchhalten, ohne dass Sie sich für Ihre Erfolge angemessen belohnen? Wie gehen Sie eigentlich mit sich selbst um? Unserer Erfahrung nach verschaffen sich die wenigsten Menschen mit Hilfe von Eigenkontrolle Leistungsklarheit und Erfolgsbewusstsein. Sie gönnen sich die Karotte nie. Dennoch können sich diese Menschen tatsächlich wundern, dass ihnen ihre Arbeit keine Freude mehr bereitet. Ihr Motto lautet: „Zähne zusammenbeißen und durch." Die Frage nach der Belohnung und dem „Wofür?" bleibt offen. Selbstdisziplin ohne Selbstkontrolle macht jedoch absolut keinen Sinn und ist wie ein Himmel ohne Sterne.
Was hat Sie bisher daran gehindert, eine regelmäßige Eider Eigenkontrolle? genkontrolle vorzunehmen? Dafür gibt es mehr als nur eine Erklärung. Zum einen haben Sie vielleicht negative Erfahrungen mit Kontrolle gemacht. Kontrolle wurde Ihnen vermutlich von außen auferlegt. Damit wurden die Begriffe Kontrolle und Freiheitsverlust für Sie beinahe schon synonym, sie traten mit schöner Regelmäßigkeit paarweise auf. Machen Sie sich also bewusst, dass Ihrer Eigenkontrolle eine freie Entscheidung durch Sie zu Grunde liegt. Niemand zwingt Sie dazu. Ein zweiter Grund mag sein, dass Sie bei der Beurteilung Ihrer Arbeit einen aufs Negative gerichteten Fokus haben.
Dadurch verzichten Sie lieber auf Eigenkontrolle. Wen motiviert es schon, sich tagtäglich all seine Fehler unter die Nase zu reiben? Doch wer schreibt Ihnen eigentlich vor, dass die Eigenkontrolle sich nur auf die Fehler beziehen soll? Diese Mentalität stammt möglicherweise noch aus der Schulzeit, wo viele Lehrer sich besonders an den gemachten Fehlern orientierten. Wenn Sie genauso viel Zeit darauf verwenden, sich darüber klar zu werden, was Sie heute alles gut und richtig gemacht haben, ist Eigenkontrolle wohltuender Balsam für Ihr Selbstvertrauen.
Hanna: Während eines Teamtrainings fiel mir auf, dass meine Gruppe nach dem erfolgreichen Abschluss eines anspruchsvollen Projekts ratlos stehen blieb. Das Team feierte nicht etwa seinen Erfolg. Es herrschte allgemeines Warten. „ Wo bleibt die nächste Aufgabe?" Genauso läuft es auch in der Praxis. Wir nehmen uns selten die Zeit für eine Nachbetrachtung, was wir gut gemacht haben und was wir weiter verbessern möchten.
Nicht nur die Qualität der Arbeit leidet unter diesem weit Motivation verbreiteten Verhalten. Es gibt auch psychische Konse quenzen. Wenn Ihnen ein Erfolg nicht in aller Deutlichkeit bewusst wird, gewinnen Sie auch die Energie, die Sie in ein Projekt investiert haben, nur zum Teil zurück. Wir sprechen davon, dass „psychologische Energiekreise" ungeschlossen bleiben. Wir wollen Ihnen darum einige Möglichkeiten vorstellen, wie Sie in Zukunft sowohl für sich allein als auch gemeinsam mit anderen Ihre Erfolge feiern können.
Praxistipps: Erfolge feiern
Feiern Sie Erfolge und Teilerfolge nach dem Prinzip kleiner Erfolg - kleine Belohnung, großer Erfolg - große Belohnung. Hier einige Beispiele, wie Sie sich in der Praxis selbst belohnen können.
• Verschaffen Sie sich Leistungsklarheit, indem Sie Ihre Aufgaben auf der To do-Liste abhaken. H „Eigenlob stinkt." Hinter dieser Aussage steckt der Neid der Unproduktiven und das Bedürfnis, Macht über Sie auszuüben. Eigenlob könnte Sie ja selbstständig und unabhängig machen.
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