Verschenkte Potenziale? - Allmendinger, Jutta

Jutta Allmendinger 

Verschenkte Potenziale?

Lebensverläufe nicht erwerbstätiger Frauen

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Verschenkte Potenziale?

Warum der Arbeitsmarkt mehr Frauen braucht
Die Erwerbsquote von Frauen liegt in Deutschland weiterhin deutlich unter der von Männern. Jutta Allmendinger untersucht, welche Lebensumstände dazu führen, dass Frauen sich vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Sie zeigt, dass neben Familienstand und Kindern der zuletzt ausgeübte Beruf wesentlich die Dauer der Nichterwerbstätigkeit beeinflusst. Was aber tun die Frauen während dieser Zeit neben unbezahlter Haus- und Pflegetätigkeit? Welche Rolle spielen Ehrenämter, Umschulungen und Weiterbildung? Welche Frauen treten schließlich wieder in den Arbeitsmarkt ein? Das Buch veranschaulicht die Vielfalt an Lebenswegen, persönlichen Wünschen und Schwierigkeiten, die zur Nichterwerbstätigkeit führen. In persönlichen Porträts geben nichterwerbstätige Frauen zusätzlich Auskunft. Ein abschließender Blick auf die Rahmenbedingungen in anderen europäischen Ländern macht deutlich: Der Staat täte gut daran, typische Hindernisse auf dem Weg zurück ins Berufsleben zu beseitigen und den Frauen aktive Hilfe für den Wiedereinstieg anzubieten. Denn sie werden als qualifizierte Arbeitskräfte gebraucht.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 198 S. m. graph. Darst.
  • Seitenzahl: 198
  • Deutsch
  • Abmessung: 217mm x 135mm x 18mm
  • Gewicht: 315g
  • ISBN-13: 9783593392660
  • ISBN-10: 3593392666
  • Best.Nr.: 30092123
04.05.2011, Falter Ein Buch für Männer, die die Macht nicht teilen wollen "Der Widerstand gegen Veränderungen der strukturellen Ungerechtigkeit im Verhältnis der Geschlechter hält an ... Grund genug also für ein neues Buch, das erneut in die Auseinandersetzung eingreift. Verfasst hat es die Sozialwissenschaftlerin, Bildungs- und Arbeitsmarktexpertin Jutta Allmendinger, eine der prägenden Expertinnen auf diesem Gebiet in Deutschland, umfassend sachkundig und von unermüdlicher Streitfreudigkeit."

04.05.2011, Falter Ein Buch für Männer, die die Macht nicht teilen wollen "Der Widerstand gegen Veränderungen der strukturellen Ungerechtigkeit im Verhältnis der Geschlechter hält an ... Grund genug also für ein neues Buch, das erneut in die Auseinandersetzung eingreift. Verfasst hat es die Sozialwissenschaftlerin, Bildungs- und Arbeitsmarktexpertin Jutta Allmendinger, eine der prägenden Expertinnen auf diesem Gebiet in Deutschland, umfassend sachkundig und von unermüdlicher Streitfreudigkeit."
Jutta Allmendinger, geboren 1956, ist nach Stationen am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, an der Harvard Business School und an der Ludwig-Maximilians-Universität München seit 2007 Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Bücher; für ihre wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Leseprobe zu "Verschenkte Potenziale?"

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Leseprobe zu "Verschenkte Potenziale?" von Jutta Allmendinger

Die Tagesthemen am 24. Juni 2010. Die Sendung beginnt mit der Nachricht, dass sich die Konferenz der Justizministerinnen und Justizminister der 16 deutschen Bundesländer für eine Frauenquote in Führungspositionen ausspricht. Eine gesetzliche Regelung soll bis Anfang 2011 vorbereitet werden. Die bayerische Justizministerin, Frau Dr. Beate Merk, CSU, erläutert eloquent und höchst überzeugend, warum nicht länger gewartet werden dürfe. Positionen in Aufsichtsräten und Vorständen börsennotierter Unternehmen würden von Frauen selbst dann oft nicht erreicht, wenn sie im Vergleich zu den Männern deutlich besser dafür qualifiziert sind. Man müsse endlich handeln. Das geböte die Geschlechtergerechtigkeit und das Wohl des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Man reibt sich die Augen. Wenige Wochen zuvor hatte die Telekom ein Tabu gebrochen und eine Frauenquote eingeführt. Konnte dies noch leicht als Marketing eines Konzerns abgetan werden, der weibliche Kunden an sich binden möchte, so besitzt die Offensive der Bundesländer eine ganz andere Wucht. Plötzlich ist da mehr als die stete Flut von Nachrichten über die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen in vergleichbaren Positionen, mehr als der Girls' Day, mehr als die häufigen Berichte über geringfügige Beschäftigung von Frauen. Auf einmal wird es irgendwie konkret.
Monika und Anke, Kathrin und Sabine, Julia und Sirin sehen die Tagesthemen. Sie fühlen sich wenig angesprochen, denn ihre Gedanken kreisen um andere Probleme. Alle sechs Frauen haben ihr Erwerbsleben für längere Zeit unterbrochen. Finden sie zurück in den Arbeitsmarkt? Mittlerweile sind Monika, Anke und Kathrin über 50. Monika hat ihr Leben lang Teilzeit als Altenpflegerin gearbeitet, doch ihr Rücken spielte nicht mehr mit. Seit einigen Jahren ist sie erwerbsgemindert. Ein beruflicher Aufstieg blieb für sie reine Utopie, in Teilzeit ist der kaum möglich. Anke dagegen arbeitete über Jahrzehnte hinweg als Bautechnikerin in Vollzeit. Als ostdeutsche Frau hielt sie ihre Erwerbstätigkeit trotz der beiden Kinder für völlig normal, sie wuchs so auf, schon ihre Mutter arbeitete ganztags. Derzeit ist Anke arbeitslos, nicht zum ersten Mal. Auch sie stand nie vor der Entscheidung, eine Führungsposition einzunehmen. Sicher, das Zeug dazu hätte sie, doch auch in der DDR saßen Frauen selten in den Chefsesseln. Kathrin ist ihr westdeutsches Pendant. Sie schloss eine Lehre zur Tierarzthelferin ab, arbeitete in ihrem Beruf einige Zeit, heiratete und gründete eine Familie. Die Kinder brauchten sie daheim, davon war sie fest überzeugt. Sie unterbrach ihre Erwerbsarbeit. Alternativen hätte es allemal nicht gegeben, in ihrer Gegend ließen sich damals weit und breit kaum Kitas oder Kindergärten finden, erst recht nicht mit ganztägigem Betreuungsangebot. Mittlerweile sind ihre beiden Kinder erwachsen, doch keine Sekunde vergeht, ohne dass Kathrin sie zu Hause vermisst.
Sabine, Julia und Sirin sind jünger. Sabine ist Bibliothekarin in Rostock und kämpft mit dem sich verändernden ostdeutschen Arbeitsmarkt. Sie erhält nur noch befristete Arbeitsverträge, wechselte schon in geringfügige Beschäftigungen, doch von diesem Einkommen kann sie nicht leben. Seit einigen Jahren ist sie arbeitslos. Julia, die Floristin, versuchte nach der Geburt ihres Kindes ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Ohne Erfolg. Schließlich zog sie sich aus ihrem Job zurück. Sirin ist eine junge Deutsche mit türkischen Wurzeln. Sie legte das Abitur ab, absolvierte eine Lehre zur Bankkauffrau und arbeitete erfolgreich in ihrem Beruf. Jetzt ist sie alleinerziehende Mutter einer dreijährigen Tochter und brennt darauf, endlich wieder voll erwerbstätig zu sein. Sirin ist die einzige der sechs Frauen, die der bayerischen Justizministerin förmlich an den Lippen hängt. Selbst die Leitung einer Bankfiliale zu übernehmen, kann sich Sirin sehr gut vorstellen.
Monika, Anke, Kathrin, Sabine, Julia und Sirin werden uns durch dieses Buch

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Kapitel 3 Schattenfrauen: Nicht erwerbstätige Frauen in Deutschland (S. 45-46)

Die Zahl ist hoch: 5,6 Millionen Frauen zwischen 25 und 59 Jahren sind in Deutschland nicht erwerbstätig.1 Dies entspricht einem Anteil von 28 Prozent aller Frauen in diesem Alter. Manch eine von ihnen wäre gerne berufstätig, kann aber keine Erwerbsarbeit aufnehmen, da sie im eigenen Haushalt unabkömmlich ist. Andere Frauen würden ebenfalls gerne arbeiten gehen, haben aber über Jahre hinweg keinen passenden Job gefunden und sich mittlerweile frustriert zurückgezogen.

Da viele dieser Frauen keine staatlichen Leistungen erhalten, sind sie meistens nicht arbeitslos gemeldet. Julia gehört dazu. Wieder andere Frauen sind auf eine Erwerbstätigkeit dringend angewiesen. So auch Sabine, Julias Freundin aus Rostock. Sie hat sich vor kurzem von ihrem Mann scheiden lassen und sorgt seitdem allein für sich und ihren 13-jährigen Sohn, da der Exmann ihr den Unterhalt verweigert. Doch zurzeit ist sie arbeitslos und bezieht staatliche Leistungen. Es gibt weitere Fälle.

Einige Frauen wären gerne erwerbstätig, ihre Gesundheit lässt dies aber nicht (mehr) zu. So konnte die 55-jährige Monika nach einem Bandscheibenvorfall nicht mehr in ihrem Beruf als Altenpflegerin weiterarbeiten. Andere Frauen sind finanziell abgesichert, leben von ihrem Vermögen oder dem Einkommen des Ehemannes und wollen ganz einfach nicht erwerbstätig sein. Wir sehen, das Spektrum ist groß. All diese Frauen haben unterschiedliche Voraussetzungen, Erwartungen und Perspektiven. In diesem Kapitel berichten wir darüber. Ziel ist eine erste Bestandsaufnahme, bevor wir uns anschließend den Lebensverläufen dieser Frauen zuwenden.

Nicht erwerbstätige Frauen zwischen Staat, Markt und Familie


Welches Sozialprofil haben diese Frauen? Wir nutzen die Daten des Mikrozensus 2005 und orientieren uns an der Klassifikation des Statistischen Bundes amtes (StBa). Das StBa unterscheidet neben erwerbstätigen Frauen zwischen arbeitsuchenden Nichterwerbstätigen und reinen Nichterwerbspersonen. 2 Zu den erwerbstätigen Frauen gehören alle, die mindestens 15 Jahre alt und wenigstens eine Stunde in der Woche bezahlt beschäftigt sind. Arbeitsuchende sind nicht erwerbstätig, bemühen sich aber um eine Erwerbsarbeit. Sabine ist eine solche arbeitsuchende Frau.

Kathrin dagegen hat lange erfolglos versucht, wieder Arbeit als Tierarzthelferin zu finden. Dann gab sie es auf. Sie zählt zu den Nichterwerbspersonen. Von der Gesamtzahl nicht erwerbstätiger Frauen lassen sich 1,8 Millionen den arbeitsuchenden Nichterwerbstätigen zuordnen und 3,8 Millionen den Nichterwerbspersonen. Von allen nicht erwerbstätigen Frauen war knapp eine Million noch nie erwerbstätig. Unter den arbeitsuchenden Frauen finden sich 6 Prozent, die noch nie erwerbstätig waren, und bei den Nichterwerbspersonen 22 Prozent.

Inhaltsangabe

Inhalt

Zur Entstehung des Buches

Kapitel 1: Unentschieden: Frauen zwischen Beruf und Familie "Rückenwind für den Wiedereinstieg!"Pressemitteilung zum Start des Aktionsprogramms "Perspektive Wiedereinstieg"

Kapitel 2: Jenseits des Tellerrands: Ein europäischer Vergleich

Kapitel 3: Schattenfrauen: Nicht erwerbstätige Frauen in Deutschland

Kapitel 4: Spurensuche: Lebensverläufe nicht erwerbstätiger Frauen "So langsam ernte ich die Früchte" (Silke, 41)

Kapitel 5: Brücken in die Zukunft: Der Beruf ist entscheidend "Man darf nur nicht resignieren" (Christine, 55)

Kapitel 6: Arbeit ohne Lohn: Hausarbeit, Weiterbildung und freiwilliges Engagement "Ich baute dann meine Flötengruppen auf" (Elisabeth, 56)

Kapitel 7: Pflaster auf der Wunde: Die Bundesagentur für Arbeit und die Perspektive Wiedereinstieg "Ich möchte nicht nur Familienobjekt sein" (Anne, 38)

Kapitel 8: Geschafft: Der Wiedereinstieg von Frauen in den Arbeitsmarkt "Mir fehlt nur noch eine Oma" (Nina, 36)

Kapitel 9: Verschenkte Potenziale? Lebensverläufe nicht erwerbstätiger Frauen

Anmerkungen

Anhang

Steckbriefe: Europäische Länder im Vergleich

Nützliche Web-Adressen zum Thema Wiedereinstieg

Weiterführende Literatur

Dank

Inhaltsangabe

Inhalt Zur Entstehung des Buches Kapitel 1 Unentschieden: Frauen zwischen Beruf und Familie "Rü
ckenwind fü
r den Wiedereinstieg!"Pressemitteilung zum Start des Aktionsprogramms "Perspektive Wiedereinstieg" Kapitel 2 Jenseits des Tellerrands: Ein europä
ischer Vergleich Kapitel 3 Schattenfrauen: Nicht erwerbstä
tige Frauen in Deutschland Kapitel 4 Spurensuche: Lebensverlä
ufe nicht erwerbstä
tiger Frauen "So langsam ernte ich die Frü
chte" (Silke, 41) Kapitel 5 Brü
cken in die Zukunft: Der Beruf ist entscheidend "Man darf nur nicht resignieren" (Christine, 55) Kapitel 6 Arbeit ohne Lohn: Hausarbeit, Weiterbildung und freiwilliges Engagement "Ich baute dann meine Flö
tengruppen auf" (Elisabeth, 56) Kapitel 7 Pflaster auf der Wunde: Die Bundesagentur fü
r Arbeit und die Perspektive Wiedereinstieg "Ich mö
chte nicht nur Familienobjekt sein" (Anne, 38) Kapitel 8 Geschafft: Der Wiedereinstieg von Frauen in den Arbeitsmarkt "Mir fehlt nur noch eine Oma" (Nina, 36) Kapitel 9 Verschenkte Potenziale? Lebensverlä
ufe nicht erwerbstä
tiger Frauen Anmerkungen Anhang Steckbriefe: Europä
ische Lä
nder im Vergleich Nü
tzliche Web-Adressen zum Thema Wiedereinstieg Weiterfü
hrende Literatur Dank

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