Privatisierung der Arbeitslosenversicherung: Ein Konzept für Deutschland - Glismann, Hans H.; Schrader, K.

Hans H. Glismann K. Schrader 

Privatisierung der Arbeitslosenversicherung: Ein Konzept für Deutschland

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Privatisierung der Arbeitslosenversicherung: Ein Konzept für Deutschland

In dem Buch wird ein System privater Arbeitslosenversicherungen entwickelt, das Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen Anreize zur Verminderung von Arbeitslosigkeit gibt. Der Übergang zu diesem anreizkompatiblen System wird Arbeitnehmer oder Arbeitgeber nicht schlechter stellen als zuvor. Für Arbeitnehmer wird ein Modell zur Bestimmungdes individuellen Risikos und der darauf basierenden individuellen Prämien bei alternativen Leistungen privater Arbeitslosenversicherungen entworfen. Für die Arbeitgeberseite wird eine modifizierte Form des amerikanischen "experience rating" vorgeschlagen: Die Höhe des Arbeitgeberbeitrags wird an das Entlassungsverhalten gekoppelt, um über Rückkopplungseffekte Beschäftigungsanreize zu geben. Simulationsanalysen für Deutschland zeigen, dass das im Buch entwickelte System die Arbeitslosigkeit auf Dauer verringern hilft sowie die Kosten der Arbeitslosenversicherung und damit die Versicherungsbeiträge senken wird.


Produktinformation

  • Verlag: Springer, Berlin
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. XV, 332 S.
  • Seitenzahl: 356
  • Kieler Studien Bd.332
  • Best.Nr. des Verlages: 11373902
  • Deutsch
  • Abmessung: 243mm x 167mm x 27mm
  • Gewicht: 715g
  • ISBN-13: 9783540242390
  • ISBN-10: 3540242392
  • Best.Nr.: 13888144
Aus den Rezensionen: "... in den vergangenen Jahren wurde die Öffentlichkeit ... weitreichenden Konzept ... bedacht. ... eine große Zahl durch Sonderinteressen geleiteter Einlassungen, die bei geringer inhaltlicher Reife als Munition in gesellschaftlichen Verteilungskonflikten dienen ... Eine erfrischende Abwechslung hierzu bietet die jüngste Abhandlung von ... Glismann und ... Sehrader... der Entwurf einer privaten Arbeitslosenversicherung für Deutschland ... ist das wichtigste und interessanteste Kapitel ... Hervorzuheben ist, daß die Verfasser ein umfangreiches ... Kapitel ... der statistischen Analyse der Wohlfahrtswirkungen ihres Reformvorschlages widmen. ... Dem sozialpolitisch Interessierten sei darüber hinaus der umfangreiche und systematische Anhang empfohlen ... (in: ORDO - Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, 2006, Issue: 57, S. 402 ff.)
Hans H. Glismann, Institut für Weltwirtschaft, Kiel / Klaus Schrader, Institut für Weltwirtschaft, Kiel

Leseprobe zu "Privatisierung der Arbeitslosenversicherung: Ein..."

Alternative Systeme der Arbeitslosenversicherung: Erfahrungen und Vorschlage (S. 80-81)

Der Entwurf des Trennsystems gewanne an Uberzeugungskraft, wenn er den Vergleich mit altemativen Systemen oder Reformmodellen bestunde. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob von der Arbeitslosenversicherung Anreize zur Verminderung oder zur Verktirzung von Arbeitslosigkeit ausgehen. So mag es in der deutschen Geschichte der Arbeitslosenversicherung durchaus sinnvolle Ansatze gegeben haben, die in Vergessenheit geraten sind, es mag im Ausland Arbeitslosenversicherungen mit wirksamen, auf eine Absenkung der Arbeitslosigkeit zielenden Regeln geben, und es konnten unter den zahlreichen Reformideen im In- und Ausland durchaus weitere Ansatze fur die effiziente Arbeitslosenversicherung gefunden werden. Dieser Reihenfolge entsprechend wird zunachst die Geschichte der deutschen Arbeitslosenversicherung auf Anreizmechanismen hin analysiert, und unter dem gleichen Aspekt werden anschlieBend die Arbeitslosenversicherungen in westlichen Industrielandem einer naheren Betrachtung unterzogen. Den Abschluss dieses Kapitels bilden alternative Vorschlage zur Reform der Arbeitslosenversicherung in der deutschen und intemationalen wissenschaftlichen Literatur.

3.1 Historische Erfahrungen mit der Arbeitslosenversicherung in Deutschland

Bei der Suche nach einem effizienten System der Arbeitslosenversicherung kann ein Blick in die Geschichte der deutschen Arbeitslosenversicherung hilfreich sein. Anders als fUr die Analyse der Erfahrungen anderer Lander trifft hier nicht der Einwand zu, dass die institutionellen Bedingungen und vor allem die vorherrschende Mentalitat sowie das kulturelle Umfeld ganzlich andere als in Deutschland seien und daher keine Ruckschlusse erlaubten. Der Vergleich mit historischen Erfahrungen wird zwar auch durch den Wandel von Institutionen relativiert. Die Mentalitat wird von Stromungen des Zeitgeistes mit gepragt und das kulturelle Umfeld ist auch im Lande im Zeitablauf geradezu revolutionaren Anderungen unterworfen. Dennoch bleibt der Kern des Arguments von der gro- Beren Ahnlichkeit, wie die folgende Analyse zeigen wird, richtig. Zudem mag die historische Analyse den Werdegang des herrschenden Systems erklaren hel- fen und Antwort auf die Frage geben, an welchen Wiederstanden gegebenenfalls alternative Systeme beziehungsweise Reformversuche gescheitert sind.

Im Folgenden sollen die institutionellen Regeln zur Absicherung des Arbeitslosigkeitsrisikos dargestellt und analysiert werden, die seit der Griindung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 eingefuhrt wurden. Dabei geht es vor allem um die okonomischen Fragen nach der Hohe der Pramien und der zugesicherten Leistungen sowie darum, welche Anreize gesetzt wurden, uberhaupt eine - wie auch immer bezeichnete- Arbeitslosenversicherung abzuschlieBen und welche Anreize bestanden, die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder gegebenenfalls so rasch wie moglich zu beenden. SchlieBlich ist von Bedeutung, ob das jeweilige System der Arbeitslosenversicherung sich auf Dauer bewahrt hat oder ob es gescheitert ist, sei es aufgrund versicherungsimmanenter Probleme (zum Beispiel Moral hazard oder adverse Selektion) oder aufgrund von exogenen Storungen (Krieg, Inflation Oder Gesetzgebung).

3.1.1 Das Kaiserreich

Im deutschen Kaiserreich (hier 1871-1914) gab es keine zentralisierte Zustandigkeit - weder auf Reichs- noch auf Lander- oder Gemeindeebene - fur Beschaftigung und Arbeitslosigkeit. Unmittelbar beschaftigungsregelnde Gesetze gab es nicht, man kann sagen, dass auf den Arbeitsmarkten Vertragsfreiheit herrschte. Die Gewerbeordnung aus dem Jahr 1869 etwa schaffte die obligatorische Zunftbindung ab, garantierte Gewerbefreiheit sowie die Freiheit, Mitarbeiter auszubilden, und sie sicherte die freie Gestaltung des Arbeitsvertrages. Dies war spater Anlass fur die aufkommende Sozialdemokratie, „vorhandene Mi6- stande aus der Grundlage der bestehenden [freiheitlichen] Gewerbeverfassung [und] der privaten Produktion ...." herzuleiten (Jastrow und Badtke 1918: 177) und eine Verstaatlichung der Produktionsmittel und Abschaffung der Vertragsfreiheit auf dem Arbeitsmarkt zu verlangen.

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