Arbeitswut - Löpfe, Philipp; Vontobel, Werner

Philipp Löpfe Werner Vontobel 

Arbeitswut

Warum es sich nicht lohnt, sich abzuhetzen und gegenseitig die Jobs abzujagen

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Arbeitswut

Wie wütend macht es Sie, dass Sie zu viel arbeiten? Und wie viel Wut ist in einem, der trotz aller Bemühungen keine Arbeit findet? Zwischen beiden Formen von Arbeitswut gibt es einen Zusammenhang: Je mehr die einen arbeiten, umso weniger Arbeit bleibt für die anderen.

Stetig wachsende Produktivität, längere Arbeitszeiten und Vollbeschäftigung sind einfach unvereinbar. Nicht die Faulheit der Arbeitslosen ist das Problem, sondern die weit über die eigenen Konsumbedürfnisse hinausgehende Arbeitswut der großen Mehrheit. Arbeit und Konsum müssen wieder in Einklang gebracht werden. Deshalb kann es nicht darum gehen, die Faulen zur Arbeit zu zwingen, sondern die "Normalen" aus den Sachzwängen zu befreien, zu viel zu arbeiten. "Arbeitswut" kanalisiert dies nicht nur treffend und scharf, es zeigt auch, wie man sich ganz praktisch von der Wut befreien kann.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 170 S.
  • Seitenzahl: 170
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 140mm x 15mm
  • Gewicht: 255g
  • ISBN-13: 9783593385662
  • ISBN-10: 359338566X
  • Best.Nr.: 23332683
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.03.2008

Ihr Angsthasen, hetzt euch nicht ab!
Philipp Löpfe und Werner Vontobel loben die Gelassenheit / Von Dirk Schümer

Die Menschen arbeiten den größten Teil ihrer Zeit, um zu leben, und das bisschen, das ihnen an Freiheit übrigbleibt, ängstigt sie so sehr, dass sie alle Mittel anwenden, es loszuwerden." Dieses Zitat aus Goethes "Werther" eignet sich kaum als frohgemutes Motto für Philipp Löpfes und Werner Vontobels Buch über die Arbeitswut. Als Zustandsbeschreibung über die Lage des Kapitalismus hingegen würden die Autoren es wohl durchgehen lassen. Denn die Umverteilung von unten nach oben, der zunehmende Zeit- und Kostendruck, das globale Wettrennen um immer niedrigere Löhne und Herstellungspreise bildet den Rahmen für dieses dringliche Pamphlet.

"Warum es sich nicht lohnt, sich abzuhetzen und gegenseitig die Jobs abzujagen" - der Untertitel klingt wie eine Verheißung. Doch wissen die Autoren ebenso gut wie Millionen verängstigte Angestellte, dass es sich für die meisten sehr wohl lohnt, trotz satten Volkswohlstands länger zu arbeiten und auf adäquate Gehaltszuwächse zu verzichten. Angst ist ein guter Motivator: Die anderen …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Zustimmend hat Rezensent Dirk Schümer dieses Buch über "Arbeitswut" gelesen. Er schätzt die glasklaren Analysen und klugen Argumente der Autoren. Überzeugend zeigen sie seines Erachtens, dass es nicht zu wenig Arbeit gibt, sondern die Arbeit ungerecht verteilt ist: die einen schuften mehr oder weniger freiwillig viel zu viel, während die anderen gerne überhaupt arbeiten möchten. Deutlich wird für ihn die Unvereinbarkeit von wachsender Produktivität, längerer Arbeitszeiten und Vollbeschäftigung. Er sieht die Autoren in der Tradition amerikanischer Soziologen wie Richard Sennett, die ein desillusionierendes Bild von der Entfremdung im totalen Kapitalismus gezeichnet haben. Während er den Diagnosen der Autoren nur beipflichten kann, scheint Schümer im Blick auf die mögliche Lösung der Probleme pessimistischer als diese, wenn er am Ende seiner Besprechung die Frage aufwirft: "Hat unsere Zivilisation gegen die neofeudale Profitstruktur des Weltmarkts überhaupt noch eine Chance?"

© Perlentaucher Medien GmbH

01.07.2008, Manager Magazin Das Dilemma der Arbeit "Die Verve, mit der die Autoren schreiben, verleiht dem Buch einen erfrischenden Streitschrift-Charakter."
Phillip Löpfe und Werner Vontobel sind Wirtschaftsjournalisten und Autoren. Zuletzt erschien ihr gemeinsames Buch "Der Irrsinn der Reformen" (2005).

Leseprobe zu "Arbeitswut"

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Leseprobe zu "Arbeitswut" von Philipp Löpfe; Werner Vontobel

Kapitel 1

Wie viel Arbeit braucht der Mensch?

Geht es Ihnen auch so? Sie könnten gerade wieder in die Tischkante beißen, weil Sie mit der 40-Stunden-Woche im Büro schon längst nicht mehr auskommen. Also arbeiten Sie auch noch zu Hause, schreien die Kinder an, weil der Stress Ihre Nerven blank legt, und kriegen Krach mit Ihrem Partner. Die Alternative? Ein Underperformer sein, im Vergleich mit den Kollegen zurückfallen, den Job verlieren? Die Angst hält Sie im Laufrad. Aber so arbeiten zu müssen, das macht sie wütend.

Willkommen im Land der Arbeitswut.

Oder sind Sie ein glücklicher Workaholic? Weniger als 60 Stunden Arbeit in der Woche sind für Sie undenkbar, weil sich das Glücksgefühl erst dann einstellt, wenn Sie so richtig durchstarten.

Willkommen im Land der Arbeitswut.

Oder sind Sie vielleicht ganz ohne Arbeit und doch stets auf der Suche danach, jedoch ohne Erfolg? Fühlen Sie sich aussortiert, obwohl Sie doch noch so viel leisten könnten? Werden Sie von der Arbeitsagentur mit sinnlosen Maßnahmen, Vorladungen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen drangsaliert, obwohl Sie wie Ihr Arbeitsberater genau wissen, dass es für Sie nie wieder Arbeit geben wird? Spüren Sie, wie die Wut in Ihnen steigt?

Willkommen im Land der Arbeitswut.

In einem Land, in dem die einen mehr arbeiten als je zuvor, während die anderen ganz schlechte Aussichten haben, überhaupt wieder eine Arbeit zu bekommen. Die einen da oben, die anderen da unten.

Aber gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen der Arbeitswut der Vielbeschäftigten und der Arbeitswut der Joblosen? Ja, den gibt es, das ist unsere Überzeugung. Und mehr noch: Es könnte eine Lösung für das Problem der Arbeitswut geben, wenn man diesen Zusammenhang einmal genauer unter die Lupe nimmt. Das ist unsere Absicht.

Und wenn Sie nun sagen: Was geht's mich an? Ich habe eine Arbeit, aber ich mache mich nicht kaputt, das ist alles nicht mein Problem - dann sind Sie auf dem Holzweg. Die Konsequenzen der Arbeitswut betreffen die gesamte Gesellschaft. Sie richten Jahr für Jahr einen riesigen Schaden an, weil sie unnötige Kosten im Sozial- und Gesundheitssystem verursachen und in enormem Maße Kreativität und Innovation vernichten. Und das geht wohl doch uns alle an.

Willkommen im Land der Arbeitswut.

Leseprobe zu "Arbeitswut" von Philipp Löpfe; Werner Vontobel

Kapitel 9 Die neuen Oligarchen (S. 98-99)

Scotts ist eine Logistikfirma im Bundesstaat Ohio. Ihr CEO Jim Hagedorn hatte die Gesundheitsdaten der rund 6 000 Mitarbeiter analysieren lassen. Das Resultat war katastrophal: Die Hälfte der Scott-Belegschaft war übergewichtig bis krankhaft dick, ein Viertel rauchte. Hagdorn fürchtete gleichzeitig um das gesundheitliche Wohl seiner Mitarbeiter und um das finanzielle Wohl seiner Firma. In den USA werden die Krankenkassenprämien vom Arbeitgeber bezahlt und sie entwickeln sich als Lohnnebenkosten zu einem immer größeren Klotz am Bein der Unternehmen. Hagedorn beschloss deshalb zu handeln: Er ließ auf Kosten der Firma ein eigenes Medizincenter bauen, und er änderte die Verhaltensregeln am Arbeitsplatz.

Sich um seine Gesundheit zu kümmern war ab sofort keine freiwillige Aktion mehr. Mitarbeiter werden nun zu regelmäßigen Checks eingeladen und müssen dabei intimste Fragen beantworten, zum Beispiel: Woran sind Ihre Eltern gestorben? Wie ist das Verhältnis zu Ihrem Ehepartner? Fühlen Sie sich ausgebrannt? Wer zu dick ist, muss abspecken. Raucher erhalten eine Frist, in der sie sich von ihrem Laster entwöhnen lassen können. Wer nicht spurt, fliegt. »Wer raucht, handelt selbstmörderisch«, begründet Jim Hagedorn sein Gesundheitsregime. »Das dürfen wir nicht unterstützen. «

Das neue Reglement zeigt Wirkung, die Zwischenbilanz sieht wie folgt aus: Einem Mitarbeiter hat Hagedorn das Leben gerettet. Bei seinem Gesundheitscheck wurde ein potenziell tödlicher Herzklappenfehler entdeckt. Jeder dritte Raucher hat inzwischen sein Laster aufgegeben. Ein Stapelfahrer hat 30 Kilo abgenommen. Ein renitenter Raucher wurde entlassen. Er hat deswegen die Firma vor den Kadi und in die Schlagzeilen gebracht. Überlegen Sie: Darf ein Unternehmen seine Belegschaft zwingen, gesund zu leben? Dürfen Manager ihre Krankenkassenkosten auf Kosten der Freiheit der Mitarbeiter sanieren? Diese Fragen müssen nun die Richter entscheiden.

Jim Hagedorn hat den Liberalismus an seiner empfindlichsten Stelle getroffen, der Frage nach den Grenzen der persönlichen Freiheit. Jeder Mensch kann tun und lassen was er will, solange er damit keinem anderen Menschen Schaden zufügt, so lautet der klassische Grundsatz des Liberalismus. Schadet ein übergewichtiger Mitarbeiter den anderen? Warum darf man in Raucherzonen nicht ungestört paffen? Weil damit die Lohnnebenkosten des Unternehmens erhöht, dessen Wettbewerbsfähigkeit vermindert und so die Arbeitsplätze gefährdet werden, antwortet Hagedorn. Er begibt sich damit auf eine sehr heikle moralisch-philosophische Gratwanderung.

Gleichzeitig stellt sich auch die Machtfrage: Wer entscheidet über unseren Alltag, die Wirtschaft oder der Staat? In der postindustriellen Gesellschaft ist das Verhältnis von Wirtschaft und Staat sehr widersprüchlich geworden. Auffallend ist hauptsächlich die Staatsverdrossenheit, ja die Staatsfeindschaft der neuen Elite in der Wirtschaftswelt. Diese Finanzoligarchie, bestehend aus Bankern, Hedge-Fonds- und Topmanagern, nabelt sich vom Rest der Gesellschaft ab und begibt sich auf eine eigene Umlaufbahn.

Inhaltsangabe

Inhalt
1.Wie viel Arbeit braucht der Mensch?
2.25 Stunden sind genug
3.Die reinste Grausamkeit
4.Eine kurze Geschichte der Arbeit
5.Das Ende der Verantwortung
6.Arbeit um jeden Preis
7.Prekäre Verhältnisse
8.Cyborgs oder: Wie der Mensch zur Maschine wird
9.Die neuen Oligarchen
10.Der Wohlstandskrieg
11.So geht es nicht: Scheinlösungen
12.So könnte es gehen: Lösungen
Schlusswort
Literatur
Anmerkungen

Inhaltsangabe

Inhalt
1.Wie viel Arbeit braucht der Mensch?
2.25 Stunden sind genug
3.Die reinste Grausamkeit
4.Eine kurze Geschichte der Arbeit
5.Das Ende der Verantwortung
6.Arbeit um jeden Preis
7.Prekäre Verhältnisse
8.Cyborgs oder: Wie der Mensch zur Maschine wird
9.Die neuen Oligarchen
10.Der Wohlstandskrieg
11.So geht es nicht: Scheinlösungen
12.So könnte es gehen: Lösungen
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