Der Würfelspieler - Darwisch, Mahmud

Mahmud Darwisch 

Der Würfelspieler

Gedicht. Arabisch-Deutsch

Aus d. Arab. u. Vorw. v. Adel Karasholi
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Der Würfelspieler

"Während mehr als vier Dekaden war Darwish nicht nur eine Ikone der Palästinenser; er galt als der größte lebende Dichter arabischer Sprache schlechthin und als einer der bedeutendsten Innovatoren der arabischen Lyrik Vielleicht zum ersten Mal in der neueren Geschichte haben arabische Könige und Präsidenten den Tod eines Lyrikers beklagt", schrieb der jordanische Schriftsteller Fakhri Saleh in seinem Nachruf in der Neuen Zürcher Zeitung.
Wenige Wochen vor seinem Tod im August 2008 veröffentlichte Mahmoud Darwish in der in London erscheinenden Zeitung Al-Quds al-arabi ein langes Gedicht: "Der Würfelspieler".
Bereits mit den ersten Versen setzt Mahmoud Darwish an zu jener schonungslosen Selbstbefragung, jenem Sich-selbst-in-Frage-stellen, das sein Spätwerk bestimmte. Dabei werden Leben und Dasein zu einem Spiel des Zufalls und stehen unter der spürbaren Gegenwart des Todes, während die Suche nach der verlorenen Heimat weitergeht.
Die Unmittelbarkeit, mit der Darwish diese Gratwanderung mit Bildern von Vergeblichkeit und Hoffnung, Zweifel, Zerrissenheit, Angst und Liebe vereinigt, macht dieses Gedicht zu einem literarischen Vermächtnis.
Der Gedichtband vereinigt den arabischen Text und die Übertragung in die deutsche Sprache durch den Lyriker und engen Freund Adel Karasholi, der auch das Vorwort verfasste.


Produktinformation

  • Verlag: A 1 Verlagsges.
  • 2009
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 55 S.
  • Seitenzahl: 92
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 137mm x 11mm
  • Gewicht: 221g
  • ISBN-13: 9783940666086
  • ISBN-10: 3940666084
  • Best.Nr.: 25623401

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Dieser zweisprachige deutsch-arabische Gedichtband des palästinensischen Lyrikers Mahmoud Darwish zeigt dem Rezensenten Grenzen des Verstehens auf. Burkhard Müllers Glück, eine arabische Bekannte zu haben, wäre für jeden Leser von Vorteil, wie wir erfahren, die Vermittlungsleistung des Übersetzers reicht hier nicht immer aus, und der unkundige Leser vermag nicht einmal die Buchstaben in den Originaltexten zu entziffern. Rezensent Müller aber versteht, wie leicht die Übersetzung in diesem Fall den Ton und das Tempo der Gedichte verändern kann, wie leicht Realien auf der Strecke bleiben und die Texte den Leser beirren können. Schon die unterschiedliche Stellung der Lyrik im arabischen beziehungsweise deutschen Sprach- und Kulturraum erkennt Müller als Quelle des Missverstehens. Kann er die in den Texten verarbeitete Trauer noch am ehesten direkt begreifen, so bleiben ihm die politischen Implikationen des einst im palästinensischen Widerstand agierenden Autors mitunter unzugänglich.

© Perlentaucher Medien GmbH
Mahmoud Darwish wurde 1941 im Dorf al Birwe bei Akko (Palästina) geboren. Nach mehreren Inhaftierungen verließ er Israel und ging 1970 ins Exil. Darwish gilt als einer der herausragenden Dichter der arabischen Welt und als die poetische Stimme des palästinensischen Volkes. Zuletzt lebte er in Amman und Ramallah. Er starb 2008 in Houston/Texas.

Kundenbewertungen zu "Der Würfelspieler" von "Mahmud Darwisch"

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Bewertung von Marion Sens aus Augsburg am 03.08.2009 ***** ausgezeichnet
Kurz vor seinem Tod im August 2008 veröffentlichte der palästinensische Dichter Mahmud Darwisch (auch Mahmoud Darwish) das mehr als zwanzig Seiten lange Gedicht DER WÜRFELSPIELER in der in London erscheinenden Zeitung Al-Quds al-arabi. Die deutsche Übersetzung liegt seit Frühjahr 2009 durch den Münchner A1 Verlag vor.
Dem zweisprachigen Lyriker Adel Karasholi ist nicht nur eine ganz wunderbare Übersetzung gelungen: in dem ungewöhnlich langen Vorwort MAHMOUD DARWISH UND DIE FATA MORGANA DES FRIEDENS schildert er zudem das Leben seines literarischen Weggefährten in sehr persönlicher und liebevoller Weise. So gibt er einen Abriss über dessen künstlerische Entwicklung, die untrennbar, ja sogar abhängig von der Geschichte des palästinensischen Volkes ist.
Adel Karasholi nimmt Abschied von einem ganz besonderen Menschen, der als einer der herausragenden Dichter der arabischen Welt und als die poetische Stimme des palästinensischen Volkes gilt.
Mahmud Darwisch hat an seinem Ruhm, der ihn nach und nach vereinsamte, schwer getragen. Auch darüber schreibt er im WÜRFELSPIELER.
Geboren wurde er 1941 im Dorf Al Birwe bei Akko (ehemaliges Palästina). Als Siebenjähriger flieht er während des israelischen Unabhängigkeitskrieges in den Libanon und kehrt nach israelischer Staatsgründung heimlich in sein Geburtsland zurück. Siebzehnjährig veröffentlicht er sein erstes Gedicht und wird umgehend verhaftet.
Nach mehreren Inhaftierungen und jahrelangen Hausarresten geht Mahmud 1970 ins Exil und lebt vorübergehend u.a. in Beirut, Tunis, Paris, auf Zypern, in Amman und zuletzt in Ramallah.
Die Heimatlosigkeit begleitet ihn bis zu seinem Tod; auf die Frage WER BIN ICH OHNE EXIL? schreibt er:
An deinen Namen bindet mich das Wasser ... nichts führt mich aus den Schmetterlingen meiner Träume in die Wirklichkeit: kein Feuer, kein Lehm. Wir sind so leicht wie unsere Häuser in den fernen Winden. Wir sind Freund den fremden Geschöpfen zwischen den Wolken ...
Mahmud Darwisch ist bislang vielleicht der einzige, dem es gelang, arabische Dichtung durch kreative Inspiration mit moderner, europäischer Literatur in Einklang zu bringen.
Seine Gedichtbände erreichten Millionenauflagen, und das in der arabischen Welt, wo immer noch ca. 60% der Bevölkerung Analphabeten sind.
Die Franzosen haben Darwisch schon vor Jahrzehnten viel und gerne gelesen, das deutsche Publikum tut sich jedoch schwer, seine Gedichte gelten nach wie vor als Geheimtipp. Vielleicht werden Adel Karasholis Gedanken über Mahmud Darwisch dazu beitragen, dass auch die deutsche Übersetzung vom WÜRFELSPIELER gerne gelesen und verstanden wird.
Im vorliegenden Gedichtband werden Leben und Dasein zu einem Spiel des Zufalls und stehen unter der spürbaren Gegenwart des Todes.
Die Unmittelbarkeit, mit der Mahmud Bilder von Vergeblichkeit und Hoffnung, Zerrissenheit, Trauer und Liebe verbindet, macht dieses Gedicht nicht nur zu einem sehr persönlichen Bekenntnis, sondern auch zu einem poetischen Vermächtnis.
Angelehnt an arabische Dichter wie Nizar Qabbani und Abd al-Wahab al-Bayyati, aber auch an internationale Dichter wie Aragon, Brecht, Lorca und Neruda, sind seine Verse trotz Zorn und Traurigkeit voller Anmut und Zärtlichkeit.

2004 schrieb er noch in seinem Gedicht IN JERUSALEM:
Plötzlich schrie eine Soldatin:
Du schon wieder? Hab ich dich nicht getötet?
Und ich sprach: Du hast mich getötet - aber ich vergaß
genau wie du
zu sterben.

2008 schrieb er im WÜRFELSPIELER:
Ich glaube an meine Begabung
den Schmerz zu entdecken um zehn Minuten
vorm Sterben den Arzt zu rufen zehn Minuten
genügen um zufällig am Leben zu bleiben
und das Nichts zu enttäuschen.

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