Notizhefte - Ritter, Henning

Henning Ritter 

Notizhefte

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Sachbuch 2011

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Notizhefte

Henning Ritters Notizhefte sind in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren entstanden, am Rande seiner Tätigkeit als Redakteur des Ressorts "Geisteswissenschaften" (FAZ). Sie stehen in einer langen literarischen Tradition, von der französischen Moralistik bis zu Paul Valérys Cahiers/Hefte.

Die Lieblingsepoche des Autors ist fraglos das 18. Jahrhundert der Rousseau und Montesquieu, gerade wegen der Geständnisfreude, mit der es seine Leidenschaften bekennt. Vor allem aber interessiert ihn die geistige Konkurrenz zwischen den Epochen und Traditionen, das Unerledigte der Vergangenheit, ihre Lektionen; und die Gegenwart, als zuletzt kommende, wird um ihre scheinbare Überlegenheit gebracht, alle Perioden erhalten die gleiche Chance. Und so entsteht ein Gespräch zwischen den unabhängigsten Köpfen von der Aufklärung bis heute, von Montaigne bis Nietzsche und Darwin, von Büchner bis Canetti, Jünger und vielen anderen - ein Füllhorn voller immer wieder überraschender Lesefrüchte, Entwürfe, Maximen und Reflexionen; mit wiederkehrenden Motiven und Themen, wie etwa (unter dem Stichwort "Deutsche Dinge") die beständigen Eigenarten der Deutschen, die Rolle von Mitleid und Erinnerung in der heutigen Gesellschaft oder die Konkurrenz von Politik und Kultur in der deutschen Geschichte.

Die Notizen bewegen sich zwischen der lakonischen Knappheit des Aphorismus und dem Kurzessay; Spontaneität und Zufall sind ihr Signum, und sie sind ungeplant, notiert in ein Heft, das jederzeit zur Hand war. Es sind, um mit einer seiner schönen Trouvaillen zu sprechen, "Denksteine, die um und um gewendet werden müssen" (Goethe), Gedanken im Wartestand, die darauf warten, dass Autor und Leser sich ihnen zuwenden, um Gebrauch von ihnen zu machen.

Henning Ritters Notizhefte sind ein sehr persönlicher Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Denken im Spiegel einer unvermutet aktuellen Vergangenheit.


Produktinformation

  • Verlag: Berlin Verlag
  • 2010
  • 5. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 425 S.
  • Seitenzahl: 400
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 145mm x 22mm
  • Gewicht: 505g
  • ISBN-13: 9783827009586
  • ISBN-10: 3827009588
  • Best.Nr.: 29748153
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.11.2010

Weglassen, verschweigen und keinesfalls eine Debatte führen

Nach dem Humanismus ist vor dem Humanismus: Henning Ritter hat für den öffentlichen Freundeskreis seine "Notizhefte" herausgegeben - ein Generationenporträt im Selbstversuch.

Von Sandra Richter

Manche Bücher machen unwillkürlich schmunzeln, und häufig sind es Nebensächlichkeiten, die Sympathie wecken. Mit Henning Ritters "Notizheften" verhält es sich ebenso. Diese seien nicht für die Veröffentlichung gedacht gewesen, bemerkt der Autor. Doch "verlockten Stetigkeit und Abwechslungsreichtum der Notizen, sie Freunden zugänglich zu machen, die zu einer Veröffentlichung rieten". Geschickt wirbt Ritter um das Wohlwollen des Lesers. Ritter bezieht ihn in eine quasi intime Kommunikation ein, indem er seine Freunde anruft. Diese Art und Weise der Kommunikation gewährleistet Aufrichtigkeit. Außerdem immunisiert sie gegen Kritik: Was bloß für private Zwecke festgehalten und auf Geheiß Dritter veröffentlicht wurde, lässt sich strenggenommen nicht beurteilen.

Mit seiner rhetorischen Bitte gibt Ritter Gehalt, Ton und Stil seines Buches vor - indem er es in humanistischer …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.12.2010

Wie wenige es sind, mit denen es sich reden lässt
Henning Ritter weiß, wie man sich gegen die Zumutungen der Gelehrsamkeit und zugleich die Gefahren der Rechthaberei schützen kann.
Die Aufzeichnungen und Aphorismen in seinen Notizheften ergeben ein Brevier für alle skeptischen Freunde der Vernunft Von Thomas Steinfeld
Über mehr als zwei Jahrzehnte hat Henning Ritter, von 1985 bis 2008 der für die Rubrik „Geisteswissenschaften“ verantwortliche Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, alles, was er für bedenkenswert hielt, in Notizbüchern festgehalten. Der längste dieser Einträge beansprucht im Druck kaum mehr als eine Seite. Entstanden ist dadurch, „hinter dem Rücken des Autors“, wie dieser selbst bemerkt, ein Werk aus kleinen Stücken, das sich, je weiter man liest, zu einer großen Monographie aufblättert – ähnlich wie es bei Michel de Montaigne ist und manchmal auch bei Friedrich Nietzsche. Manche dieser Eintragungen sind anschaulich und leicht: „Von Stendhals ,De l’amour’, das er 1822 veröffentlichte, wurden bis 1837 siebzehn Exemplare verkauft. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Autor auf Entschädigung …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Ein großes Buch aus kurzen Texten, Gedanken und wie der Titel sagt, aus "Notizen". Zeit gelassen hat sich der Rezensent Martin Meyer mit der Lektüre und mit der Besprechung: Zeit, versichert er, die dieses gehaltvolle Werk auch verdient. Nicht weniger als eine Summe des Denkens und der Haltung zur Welt, zur Kunst, zur Geschichte sind diese Schriften, die gedankliche Summe des selbst erklärten Konservativen und Ex-FAZ-Redakteurs Henning Ritter. Als Zukunftsskeptiker in einem sehr grundsätzlichen Sinn zeigt der sich darin. Die Avantgarde als Idee eines forciert-revolutionären Neuen ist, so seine Überzeugung, ein für allemal vorüber (und war ohnehin keine von Ritter sonderlich geschätzte Sache). Was bleibt, sind Nachbearbeitungen, Posthistoire, Hermeneutik, Besinnung aufs abendländische Erbe. Das wird bei Montaigne und Rousseau und Nietzsche genauer verfolgt. Nichts, preist der Rezensent, ist überflüssig in diesem Band, der Verfasser ein großer Leser und Hermeneut. Alles ist für Meyers Begriffe klug gedacht. Die Zeit, die er sich für den Band nahm, war darum, darf man aus der äußerst umfangreichen Rezension schließen, alles andere als vergeudete Zeit.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Ein kostbares Werk."
Henning Ritter, 1943 geboren, war von 1985 bis 2008 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verantwortlich für das Ressort "Geisteswissenschaften". Zahlreiche Publikationen, u.a. als Herausgeber von Jean-Jacques Rousseaus Schriften und Montesquieus Meine Gedanken. Mes pensées - Aufzeichnungen; zuletzt veröffentlichte er "Nahes und fernes Unglück. Versuch über das Mitleid" (2004) und "Die Eroberer. Denker des 20. Jahrhunderts" (2008). Im Jahre 2000 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen, er ist Träger des Friedlieb-Ferdinand-Runge-Preises und des Ludwig-Börne-Preises. Henning Ritter lebt bei Frankfurt a. M.

Blick ins Buch "Notizhefte"

10 Marktplatz-Angebote für "Notizhefte" ab EUR 11,00

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