Im Gefolge des israelisch-palästinensischen Konflikts, der 2.
Intifada, des Terroranschlags vom 11. September und des Irakkriegs
ist eine neue Debatte über den Antisemitismus in Gang gekommen. Sie
bezieht sich auf die Welle antijüdischer Gewalt in Frankreich
2000/2001, aber beispielsweise auch auf die hoch politisierte
Debatte 2000/2001 über das antijüdische Pogrom von Jedwabne in
Polen während der NS-Okkupation, den großen Erfolg antijüdischer
Fernsehsendungen in den Medien Ägyptens 2002/03 mit Motiven aus den
"Protokollen der Weisen von Zion" oder das Wiederaufleben
der 'eurasischen' Ideologie in Russland. Ebenso verschieden
sind Motivationen oder Trägergruppen: Neonazis, Islamisten
(insbesondere gewaltbereite junge Männer), Rechtsextremisten sowie
Antiamerikanisten, antizionistische Teile der europäischen Linken,
aber auch ganz normale Bürger, die in Israel einen Hauptfaktor für
die Bedrohung des Weltfriedens sehen.
Chr. von Braun / E.-M. Ziege: Einführung - H. Cancik: Der antike
Antisemitismus und seine Rezeption in der Moderne - R. Rürup:
Antisemitismus und moderne Gesellschaft. Antijüdisches Denken und
antijüdische Agitation im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert -
Ph. Burrin: Über den Antisemitismus der Nationalsozialisten - W.
Bergmann: Formen und Funktionen des Antisemitismus in Europa nach
1945 - R. Erb: "Epigonen und Importeure". Antisemitismus
im Zeitalter globaler Kommunikation im 20. Jahrhundert - M.
Hausleitner: Der rumänische Holocaust und die Holocaust-Kontroverse
in Rumänien - G. Nordbruch: Modernisierung, Anti-Modernismus,
Globalisierung. Judenbilder, Verschwörungstheorien und
gesellschaftlicher Wandel in der arabischen Welt - V. Rossmann:
Anti-Semitism and Geopolitics in Post-Communist Russia - B.
Kosmala: Die polnisch-jüdischen Beziehungen nach 1945 und die
aktuelle Holocaust-Debatte in Polen - P.-A. Taguieff: Die Neue
Judenfeindschaft in Frankreich. Israelophobie und Palästinophilie,
Islamisierung und Antizionismus
Christina von Braun, geboren 1944 in Rom, lebte bis 1981 als freie Autorin in Paris. Sie drehte etwa 50 Filmdokumentationen und Fernsehspiele und verfasste zahlreiche Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. Seit 1994 Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin.
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