Das Glossar der Gegenwart versammelt die Leitbegriffe von heute.
Rund fünfzig Artikel untersuchen Konzepte von "mittlerer
Reichweite", aber hoher strategischer Funktion, die in den
aktuellen Debatten eine Schlüsselstellung einnehmen:
Deutungsschemata, mit denen die Menschen sich selbst und die Welt,
in der sie leben, interpretieren; normative Fluchtpunkte, auf die
ihr Selbstverständnis und Handeln geeicht sind; schließlich
konkrete Verfahren, mit denen sie ihr Verhalten zu optimieren
suchen. Die Artikel präparieren die Antinomien gegenwärtiger
Selbst- und Sozialverhältnisse heraus und verbinden
wissenschaftliche Analyse mit politischer Diagnostik und Kritik. In
der Summe ergibt sich ein Register zeitgenössischer
"Menschenregierungskünste" (Foucault).
Erst im vorigen Jahr seien auf Deutsch Vorlesungstexte von Michel Foucault aus den Jahren 1978/79 erschienen, die bei der Foucault-Rezeption in Deutschland seltsamerweise nie eine Rolle gespielt hätten, wundert sich Michael Schefczyk. In diesen Vorlesungen hätte Foucault die Grundlagen der "governmentality studies" entwickelt, die den Zusammenhang von Regieren und Mentalität untersuchten. Die Herausgeber des "Glossar der Gegenwart" waren auch die Herausgeber der erst im Jahr 2000 auf Deutsch publizierten "Gouvernementalität der Gegenwart", teilt Schefczyk mit. Das nun vorliegende Glossar mit einer Artikelsammlung von rund 40 Einzelbeiträgen zu zentralen Begriffen wie Aktivierung, Globalisierung, Monitoring, Netzwerk, Wellness und so weiter knüpft an diese Gouvernementalitätsgeschichte Foucaults an. Schefczyk kritisiert nicht die Texte im einzelnen, die meistens durchaus lesenswert seien. Seines Erachtens könnten jedoch die Herausgeber den selbst formulierten Theorieanspruch nicht halten, wonach ihr Glossar ein angemessenes Instrument sei, "die Gegenwart auf Begriffe zu bringen". Für ihn leistet das Glossar genauso viel und genauso wenig, wie es gemäß der Duden-Definition auch zu leisten hat: es enthält ein Verzeichnis von Begriffen, die erläutert werden.