Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft - Latour, Bruno

Bruno Latour 

Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft

Übersetzer: Roßler, Gustav
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Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft

"Man muß die Gesellschaft verändern!" - Diese Parole aus alter Zeit ist nach wie vor aktuell, denn die heutige Gesellschaft ist voller Härte und Zumutungen. Um diese Veränderung zu ermöglichen, sollte man aber vielleicht erst einmal versuchen, den Begriff "Gesellschaft" zu verändern und den Riß zwischen der Praxis der Soziologie, der Theorie der Politik und des Glaubens an die Idee der Gesellschaft zu schließen. Um einen Ausweg aus dieser Krise zu finden, sollte - so die provokative These dieses Buchs - diese Spannung bis zum äußersten ausgereizt werden.Bruno Latour, der die etablierten Grenzen zwischen Wissenschaft, Kultur, Technik und Natur eingerissen hat, unterscheidet zwei unterschiedliche Konzepte von Gesellschaft. Das eine betrachtet "Gesellschaft" als eine unveränderliche abstrakte Entität, die ihren Schatten auf andere Bereiche wirft: auf die Wirtschaft, das Recht, die Wissenschaft etc. Für das andere ist "Gesellschaft" notwendig instabil: eine unerwartete Verbindung von ganz unterschiedlichen Akteuren, die die Gewißheit, einer gemeinsamen Welt anzugehören, in Frage stellen. Die Analyse dieser Verbindung ist nach Bruno Latour Aufgabe der Soziologie.

»Man muß die Gesellschaft verändern!« Diese Parole aus alter Zeit ist nach wie vor aktuell, denn die heutige Gesellschaft ist voller Härte und Zumutungen. Um diese Veränderung zu ermöglichen, sollte man aber vielleicht erst einmal versuchen, den Begriff »Gesellschaft« zu verändern und den Riß zwischen der Praxis der Soziologie, der Theorie der Politik und des Glaubens an die Idee der Gesellschaft zu schließen. Um einen Ausweg aus dieser Krise zu finden, sollte so die provokative These dieses Buchs diese Spannung bis zum äußersten ausgereizt werden.
Bruno Latour, der die etablierten Grenzen zwischen Wissenschaft, Kultur, Technik und Natur eingerissen hat, unterscheidet zwei unterschiedliche Konzepte von Gesellschaft. Das eine betrachtet »Gesellschaft« als eine unveränderliche abstrakte Entität, die ihren Schatten auf andere Bereiche wirft: auf die Wirtschaft, das Recht, die Wissenschaft etc. Für das andere ist »Gesellschaft« notwendig instabil: eine unerwartete Verbindung von ganz unterschiedlichen Akteuren, die die Gewißheit, einer gemeinsamen Welt anzugehören, in Frage stellen. Die Analyse dieser Verbindung ist nach Bruno Latour Aufgabe der Soziologie.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2010
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 488 S.
  • Seitenzahl: 488
  • Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft Nr.1967
  • Best.Nr. des Verlages: 29567
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 108mm x 27mm
  • Gewicht: 292g
  • ISBN-13: 9783518295670
  • ISBN-10: 3518295675
  • Best.Nr.: 27943971
"Der Reiz der Latour schen Kritik besteht gerade darin, dass sie nicht allzu rücksichtsvoll mit dem Überkommenen umgeht. Sie verspricht, den verschlafenen sozialtheoretischen Diskurs zu irritieren. An manchen Stellen des Buches meint man sogar zu spüren, wie der Autor selbst darüber staunt, wohin ihn seine Verve führt. Und Staunen und Irritation stehen ja bekanntlich am Anfang jeder Erkenntnis." Robin Celikates Literaturen

»Gerne konzediert man Latour den polemischen Übermut, mit dem dieses Buch geschrieben ist. und mit dessen Hilfe er sich vom Normalbetrieb eines Faches absetzt, das sich so empirisch wie kritisch mit einem Bild der Gesellschaft eingerichtet hat, das zunehmend folkloristische Züge trägt. Mit diesem Buch steht ein weiteres Mal vor Augen, wie groß der Unterschied ist zwischen der soziologischen Theorie auf der einen Seite, die in der Lage ist, sich und der Sache, um die es ihr geht, nie so ganz über den Weg zu trauen, und einer Sozialforschung auf der anderen Seite, die ihr Repertoire an Begriffen und Methoden nur bereithält, um den nächsten Gegenstand damit einzufangen und einzuordnen.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.12.2007

Trauen Sie sich nie so ganz über den Weg!

Schon lange war die Soziologie nicht mehr so sehr bei der Sache wie in dem neuen Buch von Bruno Latour. Seine Soziologie stimmt mit dem überein, was Niklas Luhmann mit der Systemtheorie vorhatte.

Spätestens beim Zahnarzt wünscht man sich, dieses Buch nicht gelesen zu haben. Jede andere Soziologie wäre hilfreicher. Mit Max Weber würde man die Rationalisierung begrüßen, die im technischen Fortschritt der Instrumente liegt, und seine Schmerzen als Erinnerung an frühere, vielleicht lebendigere Zeiten begrüßen. Mit Emile Durkheim würde man sich darauf konzentrieren, das korporative Selbstbewusstsein der Zahnärztin zu prüfen, und darauf hinweisen, dass auch der Patient andernorts seine wichtige Stellung in der Gesellschaft hat. Mit Talcott Parsons könnte man bewundern, wie subtil die Unterscheidungen gebaut sind, die zwischen Arzt und Patient körperliche Berührungen ermöglichen, ohne je die Option der Intimität in Reichweite zu rücken. Sogar mit Erving Goffman, dem Meister der Interaktionsanalyse, könnte man sich ablenken, indem man sich an den Gedanken hält, dass man sich in einer Zahnarztpraxis …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Bruno Latours "neue Soziologie" erweist sich als fulminanter Angriff auf die Vorstellung einer fest gefügten Gesellschaft und skizziert stattdessen das Bild einer sozialen Wirklichkeit, die aus lauter Netzwerke bildenden Individuen besteht, konstatiert Ludger Heidbrink. Eindringlich rät der Rezensent davon ab, Latours Buch tatsächlich als "Einführung" zu lesen, wie es der Untertitel vorschlägt, denn der Autor pflege eine am Dekonstruktivismus geschulte, mitunter undeutliche und zum Teil sehr mühsame Schreibweise. Trotzdem ringt es Heidbrink einigen Respekt ab, wie energisch der französische Autor um eine neue Theorie des Sozialen ringt und deshalb hat er das Buch durchaus interessiert zur Kenntnis genommen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Bruno Latour wurde 1947 im der burgundischen Kleinstadt Beaune als Sohn einer Winzerfamilie geboren. Nach einem Studium der Philosophie und Anthropologie promovierte er 1975 an der Universität Tours. 1979 veröffentlichte Latour zusammen mit dem britischen Soziologen Steve Woolgar Laboratory Life, das Ergebnis seiner Feldstudien im Labor des späteren Nobelpreisträgers Roger Guillemin. Dabei konnte Latour aufzeigen, welche Rollen rhetorische Strategien und technische Artefakte bei der "Konstruktion wissenschaftlicher Tatsachen" spielen. Mit dem 1987 erschienenen Science in Action weitete Bruno Latour diese zunächst sozialkonstruktivistische Argumentation auf das Gebiet der Technik aus. Er entwickelte zusammen mit anderen Soziologen, vor allem Michel Callon und John Law, die Akteur-Netzwerk-Theorie, die über den Sozialkonstruktivismus hinausgeht. Anders als dieser geht die Akteur-Netzwerk-Theorie nicht davon aus, dass Technik und Wirklichkeit sozial konstruiert sind. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass Technik/Natur und das Soziale sich in einem Netzwerk wechselseitig Eigenschaften und Handlungspotentiale zuschreiben. Latour entwickelte später auf Basis dieser Überlegungen mit "Wir sind nie modern gewesen" und "Das Parlament der Dinge" eine Kritik der "modernen

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