Die Gesetze der Nachahmung - Tarde, Gabriel de

Gabriel de Tarde 

Die Gesetze der Nachahmung

Aus d. Französ. v. Julia Wolf
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Die Gesetze der Nachahmung

Gabriel Tarde war zu Lebzeiten neben Emile Durkheim die Hauptfigur der Soziologie in Frankreich. In seinem Hauptwerk Die Gesetze der Nachahmung von 1890 entwirft er eine Soziologie, die die Erklärung jeglicher gesellschaftlichen Veränderung aus dem Begriff der "Nachahmung" gewinnt: "Gesellschaft ist Nachahmung!" Anstatt den Blick auf Individuen und Gruppen zu richten, konzentriert sich Tarde auf die Handlungen und Ideen, nach denen diese Individuen und Gruppen klassifiziert werden. An ihnen liest er die Variablen und Regularitäten ab, die das Muster des Sozialen bilden. Diese Gesetzmäßigkeiten und die fundamentale Rolle der Nachahmung für soziale Phänomene überhaupt untersucht Tarde anhand einer Fülle von konkreten Beispielen aus allen Bereichen der Gesellschaft. Entstanden ist ein Meisterwerk der Soziologie, dessen Einfluß u. a. auf Gilles Deleuze, Bruno Latour, Peter Sloterdijk und die moderne Theorie der Meme von seiner ungebrochenen Aktualität zeugt.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 400 S.
  • Seitenzahl: 400
  • Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft Nr.1883
  • Best.Nr. des Verlages: 29483
  • Deutsch
  • Abmessung: 176mm x 109mm x 23mm
  • Gewicht: 238g
  • ISBN-13: 9783518294833
  • ISBN-10: 3518294830
  • Best.Nr.: 23308212

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Eine Revision steht an, meint der Rezensent Martin Stempfhuber, und zwar des ganzen Fachs der Soziologie. Nach abseits der Disziplin stehenden Denkern wie Deleuze/Guattari bringt nun auch der abtrünnige Bourdieu-Schüler Bruno Latour den frühen Soziologen Gabriel Tarde wieder ins Spiel. Der hatte einst die Fehde um die Grundlegung der Soziologie gegen den Kollegen Emile Durkheim verloren. Gegen dessen vermeintliche "soziale Tatsachen" führte Tarde das Prinzip der "Nachahmung" als Basisfaktor des Gesellschaftlichen ins Feld. Von heute aus kann man sehen, so Stempfhuber, welche Vorzüge dieser Gegenentwurf hat. In der Nachahmung, wie Tarde sie denkt - nämlich ohne Akteur mit stark wirkender Intentionalität -, ist die Variation und also der Wiederholung die Differenz stets schon eingeschrieben. Da liegt ein wichtiger Unterschied zu den starr gedachten Oppositionen der Strukturalisten. Am Beispiel des Händeschüttelns führt Tarde das nach Ansicht des Rezensenten zwar zeitgebunden, aber sehr überzeugend vor. Anwendbar wäre das heute sehr wohl, so Stempfhuber, auf die Massenmedien, die weltweite Ähnlichkeiten ausprägen, bei deren Rezeption Differenzen andererseits niemals ausbleiben.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.11.2010

Von Schlafwandlern
und Händeschüttlern
Universeller Wiederholungszwang: Gabriel Tarde wird
als soziologischer Klassiker für unsere Zeit gefeiert
Die „Tausend Plateaus“ von Gilles Deleuze und Félix Guattari sind zum poststrukturalistischen Kultbuch avanciert. An einer Stelle des Buches machen die Autoren, die sich als Anti-Soziologen gerieren,einen Kniefall vor einem lange in Vergessenheit geratenen Soziologen: Sie schreiben eine Hommage an Gabriel Tarde (1843-1904). Nur im Anschluss an Tarde, sagen sie, sei eine radikale Neuerfindung der Soziologie als einer „Mikro-Soziologie“ möglich, die sich genau für die Unwahrscheinlichkeit dessen interessiert, was konkurrierende Soziologien als „soziale Tatsachen“ oder „kollektive Vorstellungen“ in stabilen gesellschaftlichen Strukturen verankert sehen. Denn es ist doch gerade die soziale Regelmäßigkeit, die erst einmal erklärt werden muss und nicht immer schon vorausgesetzt werden kann.
Gabriel Tarde geht es um „die kleinen Nachahmungen, Gegensätze und Erfindungen, die eine Materie unterhalb der Vorstellung bilden“. Mit diesem Programm machen Deleuze und Guattari ernst – bis hin …

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»Es herrscht ›Tardomanie‹ - sie gilt dem Großvater der poststrukturalischen Philosophie.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.09.2003

Intelligenz ist, wenn man klaut
Alles nur Nachahmung: Gabriel de Tarde leitet die Zivilisation aus dem Herdentrieb ab

Die Soziologie als wissenschaftliche Disziplin ist ein Kind der beiden letzten Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts. Rückblickend stehen dafür in Frankreich vor allem Emile Durkheim und seine Equipe. Doch es gab eine Reihe konkurrierender Programme, und Durkheim sah sich nicht zuletzt verstrickt in eine sich verschärfende Dauerkontroverse mit einem Autor, der schon etabliert war: mit Gabriel de Tarde (1843 bis 1904). Dieser war hoher Verwaltungsbeamter zunächst in seiner Vaterstadt Sarlat, später im Pariser Justizministerium, zugleich Kriminologe, Statistiker, Philosoph und Soziologe. Seit 1900 lehrte er am Collège de France, bereits 1890 hatte er seine soziologisch-programmatische Schrift über "Die Gesetze der Nachahmung" vorgelegt.

Dieses Buch liegt nun im Jahre 2003 erstmals in deutscher Übersetzung vor. Zu tun hat das damit, daß der Kampf um die Soziologie und ihre Grenzen in jüngster Zeit neu entflammt ist. Muß die geltende Geschichte des Faches umgeschrieben werden, ist der Lorbeer des "Klassischen" neu zu …

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Gabriel Tarde (1843-1904) war Professor für Philosophie am Collège de France in Paris.

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