Pharmaforschung im 20. Jahrhundert - Bürgi, Michael

Michael Bürgi 

Pharmaforschung im 20. Jahrhundert

Arbeit an der Grenze zwischen Hochschule und Industrie

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Pharmaforschung im 20. Jahrhundert

Seit ihrer Entstehung im späten 19. Jahrhundert ist die schweizerische Pharmaindustrie auf akademisch ausgebildete Fachkräfte und universitäre Forschungsresultate angewiesen. Die Universitäten ihrerseits profitierten schon früh von industriellen Dienstleistungen und Geldspenden. Der Autor zeichnet die über hundertjährige Gratwanderung der Pharmaforschung zwischen Hochschule und Industrie nach und leistet damit einen Beitrag zur Erklärung der Wissensproduktion im 20. Jahrhundert, der auch für das Verständnis der heutigen Situation von Bedeutung ist.
Absprachen über Studienpläne und die Besetzung vakanter Lehrstühle, industriefinanzierte Hochschullabore oder das Streben von Industrieforschern nach akademischer Anerkennung werden praxisnah beschrieben und gesellschaftsgeschichtlich interpretiert. Die Verbindung von mikrohistorischer Zugangsweise und Langzeitperspektive öffnet den Blick für eine nachhaltige Veränderung in den Kooperationspraktiken von Hochschule und Pharmaindustrie. Anfänglich war die Zusammenarbeit von historisch gewachsenen Gemeinsamkeiten geprägt. Insbesondere in der Chemie stimmten Ziele und Vorgehensweisen der industriellen und akademischen Forschung weitgehend überein. Dies änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Pharmaunternehmen in den biologischen Wissenschaften neue Ansprechpartner suchten. Nun erlangten Grenzziehungen zwischen akademischer und industrieller Forschung, zwischen "Grundlagenforschung" und "Zweckforschung", mithin also die Ausdifferenzierung der gesellschaftlichen Teilbereiche Wissenschaft und Wirtschaft, eine bisher ungekannte Orientierungsfunktion, die den Handlungsspielraum aller beteiligten Akteure grundlegend veränderte.


Produktinformation

  • Verlag: Chronos
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 250 S. m. 20 Abb.
  • Seitenzahl: 304
  • Interferenzen, Studien zur Kulturgeschichte der Technik Bd.17
  • Deutsch
  • Abmessung: 228mm x 159mm x 18mm
  • Gewicht: 370g
  • ISBN-13: 9783034010702
  • ISBN-10: 3034010702
  • Best.Nr.: 32720972

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensent Robert Jütte hält sich mit Urteilen über Michael Bürgis Studie zur "Pharmaforschung im 20. Jahrhundert" bedeckt. Stattdessen beschränkt er sich auf eine Zusammenfassung ihres Inhalts. Danach untersucht Bürgi, beginnend im 19. Jahrhundert, die Geschichte des Verhältnisses von schweizerischer Pharmaforschung und -industrie; nicht zuletzt zur Überprüfung der These, dass beide Bereiche institutionell und personell zunehmend verschmelzen würden. Eine solche Verschmelzung konstatiert Bürgi allerdings von Anfang an, schreibt Jütte, übrigens analog zur deutschen Gründerzeit der chemischen Industrie. Ganze Institute hätten von Forschungsgeldern etwa des Pharmaunternehmens Hoffmann-La Roche profitiert, informiert der Rezensent. Auf Ansätze zu einer Trennung von akademischen und wirtschaftlichen Interessenssphären in den Sechzigern sei im folgenden Jahrzehnt jedoch bereits wieder ein Trend zu verstärkter Kooperation gefolgt. "Komplexer" sei das Verhältnis beider zueinander geworden, lautet die ultimative Einsicht des Kritikers.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.06.2011

Grundlagen möchten auch angewandt sein
Michael Bürgi verfolgt die moderne Pharmaforschung auf ihrem Weg zwischen Hochschule und Industrie

1980 gab der Professor für Molekularbiologie an der Universität Zürich, Charles Weissmann, auf einer Pressekonferenz im Park Plaza Hotel in Boston bekannt, dass es der von ihm mitbegründeten Genfer Firma Biogen gelungen war, Interferon künstlich herzustellen. Weltweit überschlugen sich die Medien, diese wissenschaftliche Sensation zu vermelden. Allerdings mischten sich schon damals einige kritische Stimmen unter den Jubelchor, die die Verknüpfung von wissenschaftlichen und kommerziellen Interessen anmerkten. 1981 diskutierte das Committee on Genetic Experimentation des International Council of Scientific Unions auf einer Tagung in Rom nicht nur die bioethischen Aspekte der molekularbiologischen Forschung, sondern auch das Verhältnis von Hochschule und Industrie.

Einer der Teilnehmer forderte, dass Hochschulangehörige, die ein eigenes Unternehmen gründeten, die Universität verlassen müssten. Weissmann, der sich angesprochen fühlte, rechtfertigte sein Verbleiben an der Universität Zürich unter …

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Inhaltsangabe

Einleitung1 Bildungsinterventionen1.1 Forschungsinfrastrukturen in der Industrie1.2 Bildungspolitische Aushandlungsprozesse2 Forschungskooperationen2.1 Das Labor2.2 Die Stoffe2.3 Die Hochschule3 Entgrenzungsstrategien3.1 Die Akademisierung der Industrieforschung3.2 Der neue scientist-entrepreneur4 Arbeit an der Grenze zwischen Hochschule und IndustrieZusammenfassung

2 Marktplatz-Angebote für "Pharmaforschung im 20. Jahrhundert" ab EUR 15,00

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