Warum verschaffen sich Akteure Vorteile auf Kosten anderer? Warum
nehmen oder behalten sie Wertgegenstände, die ihnen nicht gehören
oder nicht zustehen, wenn sich im Rahmen alltäglicher
Handlungsvollzüge spontan die Gelegenheit dazu bietet?
Die vorliegende Studie geht dieser Frage nach und verfolgt das
Ziel, solche als "kriminell" bezeichneten Aktivitäten
angesichts günstiger Gelegenheiten zu erklären und aus der sozialen
Situation von Akteuren heraus zu verstehen.
Auf der Grundlage des Modells der Frame-Selektion werden die
wichtigsten kriminalsoziologischen Theorien in den Bezugsrahmen
eines Makro-Mikro-Makro-Modells soziologischer Erklärungen
integriert und auf die Selektion kriminellen Handelns bezogen. Am
Beispiel von Gelegenheiten zu Fundunterschlagungen und
ungerechtfertigten Bereicherungen wird dieser integrative Ansatz
einer empirischen Analyse unterzogen. Die Studie, in der eine
Stichprobe der Allgemeinbevölkerung postalisch befragt wurde, führt
zu dem Ergebnis, dass kriminelles Handeln angesichts von
Gelegenheiten als rationales Handeln aufgefasst werden kann,
welches weniger durch instrumentelle Anreize als vielmehr durch
nicht-instrumentelle Anreize in Verbindung mit kognitiven
Strategien der Rechtfertigung strukturiert ist.
"Eifler stellt die Vielfältigkeit des Themas eindrucksvoll dar, ohne sich dabei in theoretischen Konstrukten zu verlieren. Somit ist ihre Darstellung gleichermaßen für Theoretiker und Praktiker geeignet. Letztere sollten aus Eiflers Forschungen die Lehre ableiten, dass es gilt, den Tätern möglichst keine Gelegenheiten zu schaffen. Wer mehr Prävention an Stelle von Repression fordert, sollte dieses Buch sehr aufmerksam lesen." Resümee: Argumente für mehr Prävention." www.bundespolizeigewerkschaft.de, 13.02.2009
"Eifler stellt die Vielfältigkeit des Themas eindrucksvoll dar, ohne sich dabei in theoretischen Konstrukten zu verlieren. Somit ist ihre Darstellung gleichermaßen für Theoretiker und Praktiker geeignet. Letztere sollten aus Eiflers Forschungen die Lehre ableiten, dass es gilt, den Tätern möglichst keine Gelegenheiten zu schaffen. Wer mehr Prävention an Stelle von Repression fordert, sollte dieses Buch sehr aufmerksam lesen." Resümee: Argumente für mehr Prävention." www.bundespolizeigewerkschaft.de, 13.02.2009
"Eifler stellt die Vielfältigkeit des Themas eindrucksvoll dar, ohne sich dabei in theoretischen Konstrukten zu verlieren. Somit ist ihre Darstellung gleichermaßen für Theoretiker und Praktiker geeignet. Letztere sollten aus Eiflers Forschungen die Lehre ableiten, dass es gilt, den Tätern möglichst keine Gelegenheiten zu schaffen. Wer mehr Prävention an Stelle von Repression fordert, sollte dieses Buch sehr aufmerksam lesen." Resümee: Argumente für mehr Prävention." www.bundespolizeigewerkschaft.de, 13.02.2009
:PD Dr. Stefanie Eifler ist gegenwärtig als Hochschuldozentin an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld tätig.
Leseprobe zu "Kriminalität im Alltag"
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Leseprobe zu "Kriminalität im Alltag" von Stefanie Eifler
3. Empirische Untersuchung (S. 71-72)
Im Mittelpunkt dieser Studie steht kriminelles Handeln angesichts von Gelegenheiten, angesichts von Situationen also, die es ermöglichen, sich im Rahmen alltäglicher Handlungsvollzüge Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen. Es wird vermutet, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der Akteure entweder unhinterfragt oder aufgrund von Überlegungen andere übervorteilen, ganz maßgeblich durch die soziale Situation der Akteure strukturiert ist. Nachdem in den vorhergehenden Teilen der Studie entsprechende theoretische Vorstellungen erörtert und Forschungsfragen formuliert wurden, widmen sich die nachfolgenden Ausführungen nun der empirischen Analyse der aus diesen Überlegungen abgeleiteten Untersuchungshypothesen (vgl. Kap. 2.5).
3.1 Methoden
Für die situationsbezogene Analyse kriminellen Handelns wurden im vorliegenden Zusammenhang zunächst Ausschnitte der alltäglichen Erfahrung ausgewählt, die übereinstimmend als ›günstige Gelegenheiten‹ betrachtet werden. Auf der Grundlage von Vorstudien (vgl. Kap. 2.1) wurden zwei solcher Ausschnitte der alltäglichen Erfahrung für die vorliegende Untersuchung ausgewählt: eine Situation, in der sich einem Akteur die Möglichkeit bietet, einen gefundenen Geldschein unbemerkt zu behalten, und eine weitere Situation, in der ein Akteur die Gelegenheit erhält, bei einem Einkauf in einer Bäckerei irrtümlich erhaltenes Wechselgeld stillschweigend zu einzustecken (vgl. Kap. 2.4).
Beide Situationen eröffnen sich im Zuge von Routinen des alltäglichen Lebens spontan und erfordern, dass Akteure sich in irgendeiner Weise zu ihnen verhalten. Am Beispiel dieser Situationen verfolgt die Studie die Frage, inwiefern kriminelles Handeln angesichts von Gelegenheiten entweder als unhinterfragtes oder als überlegtes Handeln vor dem Hintergrund der sozialen Situation von Akteuren aufzufassen ist (vgl. Kap. 2.4).
In bisherigen Studien wurden die sozialen Bedingungen kriminellen Handelns häufig mittels experimenteller Designs untersucht. Laborexperimente wurden jedoch vielfach kritisiert, weil sie im Vergleich zu alltäglichen Handlungsvoll zügen ›künstliche‹ Situationen darstellen, eine geringe ›Realitätsnähe‹ aufweisen (mundane realism, Aronson/Carlsmith 1968) und vergleichsweise homogene Gruppen von Akteuren untersuchen. Feldexperimente können demgegenüber sicherlich realitätsnah gestaltet werden, weisen jedoch den Nachteil auf, dass keine Informationen über Einflüsse der sozialen Situation von Akteuren auf deren Handeln erhoben werden können.
In der vorliegenden Studie sind Einflüsse der Merkmale von Gelegenheiten auf kriminelles Handeln allerdings nicht von Interesse. Vielmehr sollen an ›gleichen Gelegenheiten‹ - d. h. an übereinstimmend als ›günstig‹ definierten Gelegenheiten - Einflüsse ›unterschiedlicher‹ sozialer Situationen von Akteuren auf kriminelles Handeln untersucht werden. Daher wurden Techniken der Umfrageforschung gewählt, die die Analyse des kriminellen Handelns einer möglichst heterogenen Gruppe von Akteuren ermöglichen, und die ein möglichst hohes Maß an Vergleichbarkeit des Kontextes kriminellen Handelns erreichen können.
Kriminelles Handeln angesichts von Gelegenheiten wurde folglich nicht über Proxy-Variablen abgebildet, vielmehr wurden standardisierte Situationen mit dem Verfahren der Vignettentechnik modelliert (vgl. Kap. 2.1). Ein Vorteil von Vignetten im Vergleich zu anderen Erhebungstechniken wird darin gesehen, dass sie eine Annäherung an die alltäglichen Handlungsvollzüge von Akteuren ermöglichen und eine Standardisierung des Kontextes, vor dessen Hintergrund gehandelt wird, leisten.
Inhaltsangabe
Aus dem Inhalt: Theorierahmen - Soziale Bedingungen krimineller Handlungen - Situationslogik krimineller Handlungsentscheidungen
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