Die Macht der Psychiatrie - Foucault, Michel

Michel Foucault 

Die Macht der Psychiatrie

Vorlesungen am Collège de France (1973-1974)

Übersetzer: Brede-Konersmann, Claudia; Schröder, Jürgen
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Produktbeschreibung zu Die Macht der Psychiatrie

In seinem epochalen Buch "Wahnsinn und Gesellschaft" unternahm Michel Foucault eine Archäologie der Trennung von Wahnsinn und Vernunft. Seine Untersuchungen enden dort mit der Medizinisierung des Wahnsinns zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In der hier vorliegenden Vorlesung am College de France nimmt Foucault den Faden wieder auf, verschiebt aber zugleich seine Deutungsperspektive. Nun geht es ihm um eine Genealogie der modernen Psychiatrie und der spezifischen Wissensformen, die sie hervorgebracht hat. Man kann, das ist die These dieses Buches, den Erkenntnissen der Psychiatrie über den Wahnsinn nur dann Rechnung tragen, wenn man sie ausgehend von den Dispositiven und den Wissenstechniken analysiert, die die Behandlung der Kranken bestimmen. Die Psychiatrie ist nicht Ergebnis eines neu gewonnenen Wissens über den Wahnsinn, sondern Resultat von disziplinären Dispositiven, die fortan dieses Wissen organisieren. Michel Foucaults Untersuchung konzentriert sich vor allem auf die Frühzeit der Psychiatrie von Pinel bis Charcot, also auf jene Periode, die der Geburt der Psychoanalyse vorhergeht und zugleich ihre diskursiven Bahnen vorzeichnet. Die Vorlesung schließt mit der doppelten "Depsychiatrisierung" des Wahnsinns in den Neurowissenschaften und der Psychoanalyse, deren Auswirkung über die Bewegung der Antipsychiatrie bis in die Gegenwart reicht.

Produktinformation


  • Verlag: Suhrkamp
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 595 S.
  • Seitenzahl: 595
  • Best.Nr. des Verlages: 58445
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 132mm x 34mm
  • Gewicht: 591g
  • ISBN-13: 9783518584453
  • ISBN-10: 3518584456
  • Best.Nr.: 14100932

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Erfreut zeigt sich Rezensent Wolfgang U. Eckart über diesen Band mit Michel Foucaults Vorlesungen über die "Macht der Psychiatrie", die er am College de France 1973-1974 gehalten hatte. Wie Eckart berichtet, nimmt der französische Philosoph und Sozialhistoriker (1926-1984) in den 12 öffentlichen Vorlesungen das Thema seines erfolgreichen Werks "Wahnsinn und Gesellschaft" von 1961 wieder auf und erweitert zugleich seine Deutungsperspektive. Nun gehe es ihm nicht mehr allein um die gesellschaftlichen Strukturen von Geisteskrankheit, sondern um eine Genealogie der modernen Psychiatrie sowie um jene spezifischen Denk- und Wissensformen, die sie in ihrer Genese als medizinische Disziplin hervorgebracht hat. Beeindruckt hat Eckart insbesondere der wissenschaftliche Apparat des Bandes von Jacques Lagrange, der die Vorlesungsreihe aus Tonbandmitschnitten akribisch ediert hat. Ein Lob geht auch Claudia Brede-Konersmann und Jürgen Schöder, die den Text "elegant" ins Deutsche übertragen haben. Insgesamt würdigt er Foucaults Vorlesungen über die "Macht der Psychiatrie" als ein "Feuerwerk philosophisch geleiteter Wissenschaftsgeschichte". Leichte Kost sind die Vorlesungen allerdings nicht. Die Sammlung fordere ein bewusstes Lesen und "entfaltet ihren intellektuellen Charme in der permanent produktiven Verunsicherung des Lesers".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.01.2006

Krisen des Geistes
Alte und neue Geschichten der Psychiatrie
Zwei neue Sachbücher sind der Geschichte der Psychiatrie gewidmet. Michel Foucaults „Die Macht der Psychiatrie” und die von dem Medizinhistoriker Heinz Schott und Psychiater Rainer Tölle verfasste „Geschichte der Psychiatrie”, zwei sehr unterschiedliche Werke. Während der französische Philosoph und Sozialhistoriker Michel Foucault (1926-1984) wesentlich gestützt auf die französische psychiatrische Literatur des frühen 19. Jahrhunderts eine strukturalistische Deutung der Geisteskrankheiten und ihrer Erforschung und Behandlung in gesellschaftskritischer Perspektive vorlegt, wagen Schott und Tölle eine geradezu enzyklopädische Gesamtdarstellung der Psychiatriegeschichte von der Dämonologie bis in die Gegenwart.
„Ich möchte, dass diese Hospize in heiligen Hainen gebaut werden. Häufig wäre es zweckdienlich, wenn der Neuankömmling von Maschinen hinuntergebracht würde und dass er, bevor er seinen Bestimmungsort erreicht, immer weitere und erstaunlichere Orte durchquerte und dass die örtlichen Priester besondere Gewänder trügen.”
Diese 1817 publizierte romantische Utopie des …

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Paul-Michel Foucault, geb. 15. Okt. 1926 in Poitiers, gest. am 25. Juni 1984 an den Folgen einer HIV-Infektion; studierte Philosophie und Psychologie in Paris. 1952 Assistent für Psychologie an der geisteswissenschaftlichen Fakultät in Lille; 1955 Lektor an der Universität Uppsala (Schweden). Nach Direktorenstellen an Instituten in Warschau und Hamburg kehrte er 1960 nach Frankreich zurück, wo er bis 1966 als Professor für Psychologie und Philosophie an der Universität Clermont-Ferrand arbeitete. 1965 und 1966 war er Mitglied der Fouchet-Kommission, die von der Regierung für die Reform des (Hoch-)Schulwesens eingesetzt wurde. Nach einer Gastprofessur in Tunis (1965-1968) war er an der Reform-Universität von Vincennes tätig (1968-1970). 1970 wurde er als Professor für Geschichte der Denksysteme an das renommierte Collège de France berufen. Gleichzeitig machte er durch sein politisches Engagement auf sich aufmerksam. 1975-1982 unternahm er Reisen nach Berkeley, Japan, Iran und Polen.

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