Im Land der Regenbogenschlange - Altmann, Andreas

Andreas Altmann 

Im Land der Regenbogenschlange

Unterwegs in Australien

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Im Land der Regenbogenschlange

Traumkontinent Australien

Drei Monate, ein Kontinent, 25 000 Kilometer. Ein Buch voller Geschichten von Menschen, die der Autor unterwegs getroffen hat. Von Erin, die mit elf per Motorrad ausbüchste. Von Jeffrey, dem Aborigine, der fünf Milliarden Dollar erben könnte, aber nicht will. Und von Fred, der mit seinen kriminellen Preisboxern durchs Outback zieht.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 328 S.
  • Seitenzahl: 328
  • rororo Taschenbücher Nr.25317
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 115mm x 25mm
  • Gewicht: 265g
  • ISBN-13: 9783499253171
  • ISBN-10: 3499253178
  • Best.Nr.: 26385854
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.02.2009

Wo Land mehr zählt als Geld

Australien ist weit weg, sehr groß, dünn besiedelt und sein Bierkonsum gewaltig. Wenn man Andreas Altmanns zwölftes Buch gelesen hat, findet man diese Klischees mehr als bestätigt: Es ist sogar verdammt groß, meist menschenleer - und es wird noch weit mehr gesoffen als gedacht. Drei Monate war Altmann unterwegs, fünfundzwanzigtausend Kilometer hat er zurückgelegt, mit dem Auto, dem Bus oder dem Zug. Sein Reisebericht will ein "Buch für die Minderheit" sein, für jene, die "das Reisen (und das Leben) als einen Zustand begreifen, der einmalig ist". Ihn interessieren die Geschichte(n) des Kontinents und die seiner Bewohner. Das kann Len, der wie so viele verzweifelt nach "Sträflingen" in seinem Stammbaum sucht, damit die eigene Existenz endlich interessant wird. Oder es kann sich um Immigranten handeln wie Thào, von dessen Leidensgeschichte in Vietnam und seiner Flucht nach Australien. Und dann gibt es noch die lange Reihe jener, die ihren alltäglichen Rassismus gegenüber den Aborigines pflegen. Altmann besucht einen Preisboxerzirkus mit harten Jungs, der durchs Outback zieht, jedoch auch den Aborigine Jeffrey, der auf Uran im …

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"Das Ganze ist fesselnd und wunderbar geschrieben." -- FAZ<br/><br/>"Es ist ein Genuss, die Prosa dieses abenteuerlustigen Menschenfischers zu lesen." -- DEUTSCHLANDRADIO<br/><br/>" Wenn es einen deutschen Reiseschriftsteller vom Kaliber eines Bruce Chatwin gibt, dann ist dies Andreas Altmann." -- DIE WELT

"Das Ganze ist fesselnd und wunderbar geschrieben." FAZ Es ist ein Genuss, die Prosa dieses abenteuerlustigen Menschenfischers zu lesen." DEUTSCHLANDRADIO Wenn es einen deutschen Reiseschriftsteller vom Kaliber eines Bruce Chatwin gibt, dann ist dies Andreas Altmann." DIE WELT

"Das Ganze ist fesselnd und wunderbar geschrieben." FAZ "Es ist ein Genuss, die Prosa dieses abenteuerlustigen Menschenfischers zu lesen." DEUTSCHLANDRADIO " Wenn es einen deutschen Reiseschriftsteller vom Kaliber eines Bruce Chatwin gibt, dann ist dies Andreas Altmann." DIE WELT
Andreas Altmann, Reporter und Buchautor. Ausbildung am Mozarteum in Salzburg, Schauspieler am Bayerischen Staatsschauspiel und am Wiener Schauspielhaus. Arbeitete als Chauffeur, Tellerwäscher, Nachtportier und Fabrikarbeiter, bevor er anfing, Reportagen zu schreiben. Aufenthalt in einem indischen Ashram, später in einem Zen-Kloster in Japan. Lebte in New York und Mexico City. Träger des Egon-Erwin-Kisch-Preises. Zahlreiche Veröffentlichungen u. a. "Weit weg vom Rest der Welt" und "Im Land der Freien" (beide Rowohlt). Seine Reportagen erscheinen u. a. in der "Zeit", im "Stern", im "FAZ-Magazin", im "SZ-Magazin", in "GEO", "Merian", "Focus" und im "Playboy". Er lebt in Paris.

Leseprobe zu "Im Land der Regenbogenschlange" von Andreas Altmann

(S. 99-100)

Ich will einen Mann treffen, von dem ich bereits in Sydney erfahren habe. Durch die Zeitung. Ich war sofort begeistert von ihm, er schien mir so außergewöhnlich anders. Jeffrey Lee ist Aborigine und besitzt ein Stück Land, auf dem Uran gefunden wurde. Grob geschätzter Wert des Vorkommens: Fünf Milliarden Australian Dollar, weit über 3 Milliarden Euro. Um den Zusammenhang seiner Geschichte besser zu verstehen, hier ein paar Vorinformationen: In den 60er Jahren fingen die Ureinwohner an, sich gegen die Besitznahme ihrer Heimat juristisch zu wehren. Es kam – auch mit Hilfe weißer Anwälte und der Unterstützung eines Teils der weißen Bevölkerung – zu spektakulären Auseinandersetzungen.

Der berühmte Mabo Case führte 1992 zu einem Urteil des höchsten Gerichts, das den Schwarzen das Recht zustand, ihr Land als ihr Eigentum zu beanspruchen – wenn sie nachweisen können, dass es sich um die Erde ihrer Vorfahren handelt. Spätere Regierungen, vor allem die Konservativen, versuchten das Gesetz auszuhebeln, zumindest auszuhöhlen. Stets getrieben von dem Hintergedanken, die dort verborgenen Bodenschätze zu plündern. Jetzt will man Jeffreys Besitz – er ist der letzte Überlebende »of his people«, des Djok-Clans – ausbeuten. Die 14 000 Tonnen Uran hätten sie gern.

Aber der Mann will nicht. Auf die Milliarden kann er verzichten, er will seiner Arbeit nachgehen und hinterher fischen und jagen, er will »happy« sein. So jemanden muss man einmal in seinem Leben treffen, einen, der sich nicht kaufen lässt. Auch nicht zu einem exorbitanten Preis. Ich versuche, einen Leihwagen zu mieten, will den Besuch an einem Tag erledigen. Doch das geht nicht, alles ausgebucht. Dann eben den Greyhound-Bus. Das bedeutet mehr Aufwand, mehr Zeit, Ungewissheit. Aber wie so oft erweitern Umwege die Ortskenntnis. Der Fahrer ist eine Wiedergutmachung, gibt freundlich Auskunft, leiert keine Vorschriften, hält lässig mittendrin, um die Raucher zu einer kleinen Sünde einzuladen. Die Fahrt geht nach Westen, nach Jabiru, dem Zentrum des Kakadu-Nationalparks.

Hier auf den 19 000 Quadratkilometern lebt der Unkäufliche. Genauere Angaben habe ich nicht. Irgendwo stand noch geschrieben, dass sich jeder Besucher des Parks wappnen solle, denn er laufe Gefahr, beim Anblick des Naturwunders in Ohnmacht zu fallen. Gute Nachrichten, für Schönheit sinke ich gern auf die Knie. Nach drei Stunden kommen wir an, der Ort ist klein, Supermarkt, Post, Verwaltungsgebäude, ein Reisebüro. Ab jetzt bin ich zu Fuß unterwegs, einen Kilometer weiter gibt es in der Kakadu-Lodge noch ein Bett in einem Vier-Mann-Dormitory.

Ich hasse öffentliche Schlafsäle, aber kein Einzelzimmer weit und breit. Den Rucksack dalassen und die nächsten drei Kilometer über verbrannte Erde zum Bawoll Visitor Center eilen. Und dabei versuchen, so wurde nahegelegt, giftigen Schlangen auszuweichen. Ich wandere auf einem schmalen Pfad über ein Land, das gestern ein Brandstifter angezündet haben muss. Allein auf der Welt fühlt man sich, Schweiß strömt und nur das pochende Herz ist zu hören. Und die Lust auf Massenmord, die fühlt man auch. Australische Fliegen sind eine Spezies, die zum Tierhass verpflichtet.

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