Beten - Fischer, Georg; Backhaus, Knut

Georg Fischer Knut Backhaus 

Beten

Perspektiven des Alten und Neuen Testaments

Mitarbeit: Dohmen, Christoph; Söding, Thomas, Von Georg Fischer u. Knut Backhaus
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Beten

DIE NEUE ECHTER BIBEL THEMEN ist die erste katholische, ökumenische ausgerichtete Reihe zu zentralen Themen biblischer Theologie. Auf überschaubarem Raum und in verständlicher Sprache zeigen ausgewiesene Fachleute, was das Alte und das Neue Testament in den wesentlichen Fragen des Glaubens zu sagen haben.

DIE NEUE ECHTER BIBEL THEMEN weist auf, worin die Spannung und die Einheit zwischen den beiden Teilen der Heiligen Schrift besteht. In jedem Band werden dem neuen Testament vorgestellt. Ein abschließender Dialog diskutiert, wie sich die zentralen Aussagen des Alten Testaments im Licht des Neuen darstellen und umgekehrt.

DIE NEUE ECHTER BIBEL THEMEN bringt sachkundige Informationen über die Hauptthemen biblischer Theologie und gibt wichtige Anstöße, die Heilige Schrift in ihren beiden Testamenten als Urkunde des Glaubens neu zu entdecken.


Produktinformation

  • Die Neue Echter Bibel, Themen
  • Bd.14
  • Verlag: Echter
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 152 S.
  • Seitenzahl: 152
  • Deutsch
  • Abmessung: 237mm x 155mm x 18mm
  • Gewicht: 274g
  • ISBN-13: 9783429030728
  • ISBN-10: 3429030722
  • Best.Nr.: 27514246
Prof. Dr. Christoph Dohmen hat den Lehrstuhl für Exegese und Hermeneutik des Alten Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg inne. Seit 2001 ist er Mitglied der Päpstlichen Bibelkommission.

Blick ins Buch "Beten"


Leseprobe zu "Beten" von Georg Fischer; Knut Backhaus

E. Die Hochblüte des Gebets – der Psalter (S. 62-63)

Der vorherige Teil D ließ erkennen, wie sehr Beten in den ausgehenden Jahrhunderten vor der Zeitenwende in verschiedenen Kreisen des Judentums eine verbreitete, gängige Praxis geworden ist. Dies bezeugt noch mehr das letzte in der Besprechung ausständige Buch des AT, die Psalmen, die zur Gänze aus Sammlungen von Gebeten bestehen und in denen unser Thema seine höchste Blüte erlebt hat. Die Fülle und Dichte, welche das Beten in den Psalmen auszeichnet, ist mitverantwortlich für ihre einmalige Ausstrahlung. Es gibt in der Literaturgeschichte der Menschheit keine anderen Texte, die über Jahrtausende in verschiedenen Kulturen, Sprachen und sogar Konfessionen das Beten so sehr bestimmt haben wie die Psalmen.

Bis heute tragen sie auch das Stundengebet der Kirche, dienen als Zwischengesang in der Liturgie, inspirieren Einleitungs- oder Kommunionverse der Gottesdienste und bilden die Grundlage für viele Lieder – und dies, obwohl ihre ursprünglichen Melodien verloren gegangen sind. Die folgenden Ausführungen wollen einige Gründe für diesen unvergleichlichen Einfluss beleuchten. Es ist hier völlig unmöglich, auch nur annähernd den Psalmen mit ihrer Reichhaltigkeit und künstlerischen Qualität gerecht zu werden. Deshalb erfolgt die Besprechung des Psalmenbuches anhand von charakteristischen Zügen dieser Gebete, die jeweils an konkreten Einzelbeispielen aufgezeigt werden.

1. Glück der Gottesnähe und Erfahrung der Gott-Ferne – Ps 42–43

Viele Psalmen bezeugen eine innige Vertrautheit mit Gott, die einerseits wunderschönes Zeugnis eines gelungenen Weges mit ihm ist, anderseits eine faszinierende, einladende, ansteckende Wirkung ausübt. Diese Anziehung hängt wesentlich damit zusammen, dass auch der Gegenpol, die ›Abwesenheit‹ Gottes, benannt wird und als erfahrenes Leid im Hintergrund steht. Ein gutes Beispiel für diese Spannung bietet der Doppelpsalm 42–43. Er setzt in 42,2f mit gleichsam ›tierischer‹ Sehnsucht nach Gott ein, die dem Schmerz der von anderen zu hörenden Anfrage »Wo ist dein Gott?« (V. 4.11) und den Vorwürfen an ihn, den Beter vergessen oder sogar verworfen zu haben (42,10, 43,2), gegenübersteht. In diese Zerrissenheit hinein treten freudige Erinnerung (42,5.7) und Hoffnungen (V. 8, und der Refrain V. 6.12, 43,5, ein »Herzberuhigungsgebet«).

Sie leiten eine Bewegung auf 43,3f hin ein, die auf die erfüllte, lobende Begegnung mit dem »Gott der Freude meines Jubels« zuläuft. Dort lösen sich Unsicherheit und Schmerzen in der erlangten Nähe Gottes in Zuversicht auf. Andere Psalmen beschreiben ähnliche Erfahrungen. Zu ihnen zählen Ps 16, aus dem obiges Motto genommen ist, Ps 17 mit einmaligen Bitten in V. 7f und der Erwartung am Ende in V. 15, Ps 23, in dem Gott als »Hirt und Wirt«2 gegen Bedrohungen schützt, Ps 27, mit Gott als Licht und Heil, selbst wenn die Eltern einen aufgeben sollten (V. 10),

Ps 63, in dem der Beter sogar in wasserlosem Land nach Gott schmachtet (V. 2) und seine Verbundenheit mehr als das Leben schätzt (V. 4), sowie viele weitere. Das eben gefallene Stichwort »Verbundenheit« (hebr. hesed, oft auch mit »Gnade, Liebe ...« übersetzt), als anhaltende treue Zuneigung zu verstehen, benennt eine Grundeigenschaft Gottes, es kehrt u.a. gehäuft wieder in der bekannten Formulierung »... denn ewig währt seine Huld«, so rahmend in Ps 118,1–4.29, und als durchgängige ›Antwort‹, 26x (bei weitem am meisten im AT), in Ps 136.

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