Produktives Altern und informelle Arbeit in modernen Gesellschaften
Der Sammelband macht die Mehrdimensionalität des Themas
"Produktives Altern und informelle Arbeit" deutlich. Die
einzelnen Aufsätze unterscheiden sich nicht nur in ihrem
Blickwinkel (internationale, nationale und lokale Perspektive),
sondern beschäftigen sich auch mit unterschiedlichen Formen und
Inhalten informeller Arbeit von Älteren (z.B. Ehrenamt,
Nachbarschaftshilfe oder aber familiäre Pflege) und nutzen dazu
unterschiedliche Untersuchungsmethoden. Ein zentraler Befund ist,
dass informelle Arbeit nicht voraussetzungslos ist, sondern in
starkem Maße von der individuellen ebenso wie gemeinschaftlichen
Verfügbarkeit von Ressourcen abhängt. Auch darf das positive
Leitbild des "produktiven Alterns" nicht zu einer
Stigmatisierung (un)freiwillig unproduktiver Personen führen.
"Insgesamt liefert dieses Kapitel der Fachliteratur wertvolle Erkenntnisse und Denkanstöße für alle, die sich wissenschaftlich oder beruflich mit den Aspekten von Ehrenamt, informeller Hilfe, Pflegetätigkeit und Produktivität im Alter beschäftigen." www.deutsche-seniorenpresse.de, 02.10.2008
"Insgesamt liefert dieses Kapitel der Fachliteratur wertvolle Erkenntnisse und Denkanstöße für alle, die sich wissenschaftlich oder beruflich mit den Aspekten von Ehrenamt, informeller Hilfe, Pflegetätigkeit und Produktivität im Alter beschäftigen." www.deutsche-seniorenpresse.de, 02.10.2008
"Insgesamt liefert dieses Kapitel der Fachliteratur wertvolle Erkenntnisse und Denkanstöße für alle, die sich wissenschaftlich oder beruflich mit den Aspekten von Ehrenamt, informeller Hilfe, Pflegetätigkeit und Produktivität im Alter beschäftigen." www.deutsche-seniorenpresse.de, 02.10.2008
Dr. Marcel Erlinghagen ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Ruhr-Universität-Bochum sowie am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg/Essen.PD Dr. Karsten Hank ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mannheim Research Institute for the Economics of Aging (MEA).
Leseprobe zu "Produktives Altern und informelle Arbeit in modernen Gesellschaften"
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Leseprobe zu "Produktives Altern und informelle Arbeit in..."
Produktives Altern und informelle Arbeit (S. 9)
Stand der Forschung und Perspektiven
Karsten Hank &, Marcel Erlinghagen
1 Hintergrund
Der demografische Strukturwandel moderner Gesellschaften lässt sich besonders deutlich in Europa beobachten (z.B. Grundy 1996, Billari/Kohler 2004). Als Folge dauerhaft niedriger Geburtenziffern und einer stetig steigenden Lebenserwartung findet ein gesellschaftlicher Alterungsprozess statt, dessen Konsequenzen Staat und Wirtschaft ebenso wie Familie und Individuum vor erhebliche Herausforderungen stellen.
Entsprechend steht der demografische Wandel mit Schlagworten wie ‚Vergreist die Republik?’ oder ‚Sterben die Deutschen aus?’ in einer Reihe mit anderen gesellschaftlichen Krisendebatten des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts, wie jenen über das ‚Ende der Arbeitsgesellschaft’ oder die ‚Klimakatastrophe’.
Zur Bewältigung dieser und anderer kollektiver Herausforderungen wird häufig die Stärkung des bürgerschaftlichen oder zivilgesellschaftlichen Engagements als quasi Allheilmittel gefordert (vgl. kritisch hierzu Backes 2006, Erlinghagen 2001).
Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel bzw. dem Prozess der Bevölkerungsalterung spiegelt sich die Forderung nach einer Stärkung unbezahlter, freiwilliger und gemeinnütziger Aktivitäten – vor allem im neuen Leitbild des ‚produktiven Alterns’ wider, das die positiven Aspekte einer Beteiligung Älterer an produktiven Tätigkeiten auch jenseits der Erwerbstätigkeit betont (z.B. Morrow-Howell et al. 2001).
Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass durch den Anstieg der ‚aktiven Lebenserwartung’ (Klein/Unger 2002) sowie der massiven vorzeitigen Ausgliederung älterer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus dem Erwerbsleben (z.B. Brugiavini et al. 2005) sich vielfältige neue Perspektiven und Anforderungen für die Lebensgestaltung im Alter ergeben.
Konnten Ältere früher nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben häufig nur noch wenige Lebensjahre erwarten, schließen sich heute neue, langjährige biographische Phasen an, die bislang als Massenphänomen unbekannt waren (z.B. Baltes/Smith 2003).
Die Verlängerung der Ruhestandphase und der verbleibenden gesunden Lebenszeit stellt für die ‚Neuen Alten’ eine Herausforderung dar, die in vielerlei Hinsicht positiv bewertet werden kann. Nie waren die Spielräume für die individuelle Entwicklung und Entfaltung älterer Menschen größer als heute. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass innerhalb der verlängerten Phase des Ruhestandes auch neue Verpflichtungen, etwa im Bereich der Pflege (z.B. Künemund 2000), auftreten können.
Die in den letzten Jahren wieder verstärkt geführte Debatte um intergenerative Gerechtigkeit betont darüber hinaus die Verantwortung der Senioren für eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung. Angesichts eines sich verschlechternden Verhältnisses zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern oder aber der von zukünftige Generationen zu tragenden, im wesentlichen aber von früheren Generationen verursachten Schuldenlast der öffentlichen Haushalte scheinen sich so auch die gesellschaftlichen Erwartungen an Senioren gewandelt zu haben.
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass in den vergangenen Jahren informelle Tätigkeiten – wie etwa Netzwerkhilfe für Nachbarn, Freunde und Verwandte aber auch ehrenamtliche Arbeit – als eine Möglichkeit diskutiert worden sind, wie ältere Menschen produktiv mit ihren neu gewonnenen Freiheiten (und neuen Verpflichtungen) umgehen können (z.B. Künemund 2006, Schroeter/Zängl 2006).
Die Frage nach Umfang, Art und Potentialen informeller Arbeit im Alter ist nicht nur aus sozialwissenschaftlicher Forschungsperspektive interessant, sondern ist vor allem für die Ausgestaltung und Orientierung praktischer Politik relevant. In der Debatte um die Folgen des demografischen Wandels darf nicht allein die zunehmende ‚Alterslast’ thematisiert werden, sondern es muss auch das Potential informeller Arbeit von Älteren in seinen Möglichkeiten und Grenzen ausgelotet werden.
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