Sündenfall - Füller, Christian

Christian Füller 

Sündenfall

Wie die Reformschule ihre Ideale missbrauchte

Gebundenes Buch
 
1 Kundenbewertung
***** ausgezeichnet
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
19 ebmiles sammeln
EUR 18,99
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Sündenfall

Viele gute Ideen haben wir der Reformpädagogik zu verdanken. Doch die Fähigkeit zur Selbstkritik scheint ihr bisweilen zu fehlen mit fatalen Folgen für die ihr anvertrauten Schützlinge. Die Odenwaldschule galt fast hundert Jahre lang als das reformpädagogische Vorzeigeinternat und war doch Schauplatz eines unheimlichen Lehrstücks. Während man den Schulleiter Gerold Becker als charismatischen Superlehrer feierte, ließ dieser alle Formen sexuellen Missbrauchs zu und beging sie selbst. Christian Füller, Journalist und ausgewiesener Kenner der Bildungslandschaft Deutschland, stellt in Sündenfall die entscheidende Frage: ob nicht der Missbrauch die Achillesferse der Reformpädagogik ist. Nur wenn sich die Reformpädagogen mit der Nähe zwischen Lehrern und Schülern aufrichtig auseinandersetzen, können sie ihre Integrität zurückgewinnen und Schüler geschützt werden.
"Wodurch ließ sich die pädagogische Elite Deutschlands korrumpieren? Sie hat getan, was sie nie wieder tun wollte: wegsehen, nicht-wahrhaben-wollen, zum Komplizen werden. Der Fall Odenwaldschule ist der Sündenfall der liberalen Republik." Christian Füller


Produktinformation

  • Verlag: Dumont Buchverlag
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 255 S.
  • Seitenzahl: 255
  • Best.Nr. des Verlages: 536/09634
  • Deutsch
  • Abmessung: 217mm x 144mm x 27mm
  • Gewicht: 420g
  • ISBN-13: 9783832196349
  • ISBN-10: 383219634X
  • Best.Nr.: 32393962

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Nicht ganz leicht zu verknusen war für Gunter Hofmann dieses Buch des taz-Bildungsredakteurs Christian Füller, der darin den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule aufzuarbeiten versucht. Füller widmet den Erfahrungen der missbrauchten Schüler breiten Raum, diskutiert die alles duldende Atmosphäre in der taz und stellt sich selbst in Frage, da er beim Aufkommen der ersten Berichte über den Missbrauch 1999 nicht reagierte. Soweit geht Hofmann noch d'accord. Die Vorwürfe, die Füller jedoch gegen das liberale Vorzeigemilieu erhebt, zu dessen Galionsfiguren die Reformpädagogen Hartmut von Hentig, Gerold Becker und Hellmut Becker, aber auch Zeit-Herausgeberin Marion Dönhoff gehörten, die will Hofmann so nicht gelten lassen. Dass es sich hier um eine "Täterlobby" handele, die sich zum Teil aus ostpreußischen Adelsgesellschaften oder George-Kreisen kannte und eine autoritäre Elitenerziehung unter liberalen Vorzeichen plante, das geht Hofmann zu weit.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.03.2011

Sündenfälle mit System
Moralischer Bankrott der Reformer: Christian Füller
berichtet über Missbrauch an der Odenwaldschule
Es kommt selten vor, dass ein Buch mit einer persönlichen Entschuldigung beginnt. Christian Füller, Journalist der taz und dort seit langem mit Bildungsthemen betraut, bittet in seinem Buch über die sexuellen Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule um Verzeihung. Es sei ein „schwerer professioneller Fehler“ gewesen, dass er Ende der neunziger Jahre auf erste Medienberichte nicht reagiert habe. Füller ist als journalistisches Raubein bekannt, aber die verschleppte Geschichte der Odenwaldschule hat ihn getroffen und sehr bewegt.
Für Füller und die meisten Linksliberalen des Landes war das private Internat im hessischen Heppenheim lange Zeit ein leuchtendes Vorbild. Es war der Inbegriff einer kindgerechten und demokratischen Reformpädagogik. Vor einem Jahr ist dann Schritt für Schritt die grausame Wahrheit ans Licht gekommen. Mindestens 132 Schüler sind in den vergangenen Jahrzehnten Opfer sexueller Übergriffe geworden; so haben es zwei Juristinnen im Auftrag des Internats ermittelt. Der Fall Odenwaldschule sei …

Weiter lesen

"Man muss es Füller hoch anrechnen, dass er in seiner Redaktion und in seinem Buch bei diesem Thema kein Blatt vor den Mund nimmt." -- SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

"Man muss es Füller hoch anrechnen, dass er in seiner Redaktion und in seinem Buch bei diesem Thema kein Blatt vor den Mund nimmt." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG "Christian Füller gelingt es mit klarem Blick und tiefer Einfühlung sehr gut die Missbrauchs-Mechanismen offenzulegen." AACHENER ZEITUNG

"Man muss es Füller hoch anrechnen, dass er in seiner Redaktion und in seinem Buch bei diesem Thema kein Blatt vor den Mund nimmt." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG Christian Füller gelingt es mit klarem Blick und tiefer Einfühlung sehr gut die Missbrauchs-Mechanismen offenzulegen. AACHENER ZEITUNG

"Man muss es Füller hoch anrechnen, dass er in seiner Redaktion und in seinem Buch bei diesem Thema kein Blatt vor den Mund nimmt." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG "Christian Füller gelingt es mit klarem Blick und tiefer Einfühlung sehr gut die Missbrauchs-Mechanismen offenzulegen." AACHENER ZEITUNG
Christian Füller, geboren 1963, ist Politikredakteur bei der "taz" und schreibt regelmäßig für SPIEGEL ONLINE über Bildung und Schule.

Leseprobe zu "Sündenfall" von Christian Füller

2 DAS SYSTEM BECKER (S. 24-25)

Wie sich die Odenwaldschule von einer Vorzeigeschule zu einem Ort systematischer sexueller Gewalt verwandelte. Der Mann hat keinen leichten Weg vor sich. Er kommt herunter über den wiesengesäumten Kiesweg. Gleich wird er den Goetheplatz erreichen, das Zentrum der Odenwaldschule Oberhambach. Eine ganze Schar von Schülern folgt dem großgewachsenen Herrn. Sie ziehen und zerren an ihm. Sie umringen ihn. Er klopft ihnen auf die Schulter und legt seinen Arm um sie.

So geht er, halb geschoben und geschubst, in Richtung des Gründungshauses der Schule. Es war ursprünglich das Lindenheim, ein Ausflugslokal, das die Heppenheimer nach Wanderungen besuchten. Vor 100 Jahren wurde begonnen, darin Schüler zu unterrichten. Inzwischen befindet sich die Bibliothek darin, eigentlich ein ruhiger Ort. Auf dem gekiesten Vorplatz sehen die Leute nun aber ein richtiges Spektakel. Es ist ein Ereignis, wenn Gerold Ummo Becker zurückkommt an die Schule, die er 13 Jahre lang geleitet hat. Und doch wissen alle hier: So wird es nie wieder sein. Wenn sein Nachfolger über den Campus der Schule geht, springen keine Kinder herbei, um ihn zu umarmen oder zu herzen. Obwohl Wolfgang Harder ein sehr freundlicher Herr ist. Fast zu freundlich.

Er geht stets leicht vornübergebeugt. Nur schimmert in seiner Nettigkeit etwas Unterwürfiges durch. Das mögen die Schüler nicht. Die älteren unter ihnen sagen, er sei ein Schwächling. Als Gerold Becker die Schule verlassen hatte, schrieb ein Schüler in großen Lettern an eines der Häuser: »Gerold, komm zurück!« Harder musste die Liebeserklärung an seinen Vorgänger lesen, bis ihn endlich ein Mitarbeiter erlöste und die Schrift übermalte. Wir sind im Jahr 1987. Gerold Becker kehrt für einen Besuch an seine Schule zurück. Wieder ist der Unterschied zwischen den Schulleitern mit Händen zu greifen. Becker steht am Goetheplatz inmitten der Schüler. Er krault einem Jungen vertraut den Kopf. Gerade so, als wäre er nie weg gewesen.

Keine Frage, Becker liebte die Kinder. Und die Kinder liebten ihn. Allerdings wissen wir nun, dass Gerold Becker die Kinder mehr liebte, als es einem Pädagogen oder sonst einem Menschen zusteht. Er liebte sie als Objekte seiner Sexualität. Er streichelte sie nicht nur am Kopf, sondern auch an den Genitalien. Becker verübte sexuelle Gewalt an diesen Kindern. Er überfiel sie nachts im Schlaf. Laut einem Untersuchungsbericht habe er ein Kind sogar vergewaltigt. Gerold Becker, ein Vergewaltiger?

Es ist ein Schock, etwas beinahe Unvorstellbares. Gerold Becker, geboren 1936, ist von Hause aus Pfarrer. Er studierte Theologie und war danach sehr kurz im Kirchendienst. Dann wechselte er zur Erziehungswissenschaft. Er war Assistent in Göttingen und begann eine Promotion an jenem Institut, wo auch sein Freund Hartmut von Hentig einen Lehrstuhl hatte. Danach ging er an die Odenwaldschule und wurde ihr Leiter. Becker war ein Mann des Worts.

Er dürfte der einzige deutsche Schulleiter sein, der jemals eingeladen wurde, bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche die Laudatio zu halten. Auf Kongressen und pädagogischen Workshops tuschelten die Zuhörer, wenn er auftrat. Und sie raunten, wenn er zu einer seiner Reden ansetzte. Becker war bekannt dafür, dass er sensibel und einfühlsam die Realität von Kindern beschreiben konnte. Und wie er eine Pädagogik zu entwickeln suchte, die Kindern eine unverletzte Entwicklung möglich macht.

Kundenbewertungen zu "Sündenfall" von "Christian Füller"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(1)
***** sehr gut
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
Schreiben Sie eine Kundenbewertung zu "Sündenfall" und Gewinnen Sie mit etwas Glück einen 15 EUR buecher.de-Gutschein

Bewertung von Derböseröse aus Darmstadt am 21.06.2011 ***** ausgezeichnet
Christian Füller hat mit seinem Buch "SÜNDENFALL" sicher ein Standardwerk zum Thema "sexueller Missbrauch" vorgelegt.
Er beschreibt das Phänomen sehr nachvollziehbar anhand konkreter Fälle aus der Odenwaldschule.
Er zeichnet die Biographie des Haupttäters, Gerold Becker nach - und zwar in einer Detail- und Faktenfülle, die an sich schon geeignet ist, die Verhältnisse an Gerold Beckers Odenwaldschule zu erklären - auch dessen Peronalpolitik.
All die bislang rätselhaften, selbst Insidern verborgenen Hintergründe und Zusammenhänge werden hier auf eine rein sachliche, nüchterne und nachvollziehbare Weise anhand nachprüfbarer Fakten aufgedeckt.
Trotzdem ist dieses Buch nicht nur ein Buch über die Odenwaldschule.
Christian Füller abstrahiert und stellt den Fall in den historischen, wie aktuellen, erziehungswissenschaftlichen Zusammenhang - der ist sein Fachgebiet.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Sie kennen "Sündenfall" von Christian Füller ?
Tipp: Stöbern Sie doch mal ein wenig durch ausgewählte aktuelle Bewertungen in unserem Shop

2 Marktplatz-Angebote für "Sündenfall" ab EUR 11,85

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
wie neu 11,85 0,00 Kreditkarte, offene Rechnung AHA-BUCH GmbH 99,6% ansehen
13,00 2,50 PayPal, Selbstabholung und Barzahlung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) buecherhesse 96,5% ansehen
Mehr von