Die Ameisenzählung - Glattauer, Daniel

Daniel Glattauer 

Die Ameisenzählung

Kommentare zum Alltag

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Die Ameisenzählung

"Absolut unterhaltsam und unbedingt lesenswert!" -- Vormagazin

"Irgendwie müsste man als Leser Rezeptgebühr bezahlen für das therapeutische Lachen, das einem die exemplarischen Beobachtungen aus dags Edelfeder bescheren." -- Kleine Zeitung Graz

"Eine längst unverzichtbar gewordene soziale, weil dem geistigen und seelischen Wohlbefinden zuträgliche Errungenschaft: die Umrahmung der Arbeitswoche durch dag [Daniel Glattauer]." -- Der Standard


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 218 S.
  • Seitenzahl: 224
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46760
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 119mm x 18mm
  • Gewicht: 180g
  • ISBN-13: 9783442467600
  • ISBN-10: 3442467608
  • Best.Nr.: 25546965
"Eine längst unverzichtbar gewordene soziale, weil dem geistigen und seelischen Wohlbefinden zuträgliche Errungenschaft: die Umrahmung der Arbeitswoche durch dag [Daniel Glattauer]."
Daniel Glattauer, geb. 1960 in Wien, ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig und schreibt für die Tageszeitung Der Standard.

Leseprobe zu "Die Ameisenzählung" von Daniel Glattauer

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Leseprobe zu "Die Ameisenzählung" von Daniel Glattauer

Haben Sie schon einmal ein Vorwort geschrieben? -. Ich auch nicht. Ich lese nur öfters welche. Die meisten klingen wie Panikattacken der Bedeutsamkeit. Anbei lernt man oft Namen fremder Menschen kennen, ohne die das Buch nie zustande gekommen wäre, wofür sich der Autor interessanterweise immer bedankt. Nie beglückwünscht ein Autor eine Person, die versucht hat, ihm das Buch auszureden. Überhaupt werden Menschen, die schlechte Bücher verhindern, in der Literatur nicht ausreichend gewürdigt.

Manchmal, wenn die Autoren frisch verliebt sind (oder diesen Anschein erwecken wollen), knallen sie an den Rand einer zumeist leeren Seite ein sinnliches, oft in kursiver Schrift gesetztes "Für Mimi" hin. Der Leser hat dann bei der Lektüre stets das beklemmende Gefühl, Mimis Buch zu lesen.

Manche Autoren, denen vorwortmäßig so gar nichts einfällt, belehnen einen Wortkünstler, der einmal präventiv etwas sehr Passendes über das Buch gesagt hat. Da liest man dann: "Alle Schatten sind Lichter", oder Ähnliches. Im schlimmsten Fall steht "Saint-Exupery" darunter. Nie aber wird ein Vorwort (vor)wörtlich genommen und erschöpft sich in sich selbst: VORWORT. (Aus. Das war es schon. Kommen wir zur Sache.) Vermutlich schafft das einen zu hohen Erwartungsdruck auf das Nachfolgende. Egal, ich riskiere es: VORWORT!

Wenn man jemanden trifft, den man kennt, gibt es, je nach Grad der Freude über die Begegnung, vier Möglichkeiten: Entweder man grüßt nicht, indem man wegschaut. Oder man grüßt nicht, obwohl man hinschaut. Oder man grüßt. Oder man küsst.

Nun haben wir den Verdacht, dass heute mehr geküsst wird als früher. Wir halten das für einen Rückschritt zu mehr Feuchtigkeit in der Gesellschaft. Schuld sind Männer, die plötzlich beweisen wollen, wie zärtlich sie sein können - vor allem zueinander.

Das Unangenehme am Begrüßungskuss ist die geringe Trefferquote. Täglich spielen sich Hunderte Dramen der Begegnung ab, zum Teil auf offener Straße:
- Küsser eins (K1) peilt die linke Wange von Küsser zwei (K2) an. Der hält ihm die rechte entgegen. Es kommt zu einem unerwünschten Streifkuss.

- K1 und K2 jagen der je weggedrehten Wange des Gegenübers nach, küssen ins Leere und drohen das Gleichgewicht zu verlieren.

- K1 und K2 halten je eine Wange zum Kuss hin. Ein schmerzvoller Ohrenreiber ist die Folge.

- K1 will nur einmal, K2 rechnet mit Beidseitigkeit und donnert K1 den Kiefer gegen die Nase. Fürs Erste genug! Wir sind Verfechter des ehrlichen Händedrucks.

Wie gesagt, wendet sich die Gesellschaft bei Begrüßungen immer mehr vom warmen Händedruck ab und übt sich in der hochkomplizierten Form des gegenseitigen Doppelwangenkusses. Um ihn zu beherrschen, müssten die Partner Tag und Nacht trainieren. Ein derart eingespieltes Team frönt aber eher dem Zungenkuss. Oder gar keinem mehr.

Die klassischen kusstechnischen Pannen haben wir bereits beschrieben. Begrüßungsküsser wandern aber auch stets am Grat des erotischen Missverständnisses. Hier die wichtigsten Vorkehrungen:
- Lippen nach innen gewölbt und fest zusammengepresst halten, etwa so, wie man sich ein Lachen verbeißt. Zunge sicherheitshalber am hinteren Gaumen verstecken.

- Mund niemals wuchtig auf die Wange des Grußpartners klatschen lassen. Vorher abbremsen. Sollte es zu keiner Berührung kommen, nur ja keine weiteren Versuche starten. Man würde es Ihnen als Schmusereiversuch auslegen.

- Augen beim Küssen nicht schließen! Möglichst treuherzig dreinschauen.

- Zur Unterstreichung der Harmlosigkeit des Wangenkusses diesen mit einem liebevoll schmatzenden "Mmmpftsch" ausklingen lassen.

Woran erkennt man, dass man nicht mehr so jung ist wie früher? Wir sind uns hoffentlich einig: Banalitäten wie Jahreszahlen, Lachfalten ohne Lachen, Muskelkater ohne Muskeln und Schuppen ohne Haare sind keine Alterskriterien. Ein gutes Indiz fürs Älterwerden ist die Beobachtung, dass die Leute rundherum immer jünger werden. Alt ist man aber erst, wenn man niemanden mehr sieht, der älter sein könnte als man selbst.

Nicht mehr jung ist man, wenn man sich fragt, wann man das letzte Mal eine Nacht durchgemacht hat. Noch weniger jung ist man, wenn man sich nicht mehr fragt, wann man das letzte Mal eine Nacht durchgemacht hat. Schon recht deutlich alt ist man, wenn man fragt, was "durchmachen" heißt.

Jung ist man, wenn man statt eines Schuhlöffels die Finger verwendet ... Nicht mehr jung ist man, wenn man nie mehr ohne Schuhlöffel verreist. Gar nicht mehr jung ist man, wenn man nur deshalb nicht nie mehr ohne Schuhlöffel verreist, weil man nicht mehr verreist. Ganz und gar nicht mehr jung ist man, wenn man sich weigert, einen Schuhlöffel zu verwenden, der kürzer als fünfzig Zentimeter ist. Aber wirklich alt ist man erst, wenn man im Kreise jüngerer Verwandter die Formulierung: "Nimm gefälligst den Schuhlöffel!" verwendet.

Übersetzen ist menschlich. Hier einige Passagen der deutschen Gebrauchsanweisung für ein taiwanisches Radiogerät, welches Herr Rudolf in Wien erwarb:
Spezifizierungen. Das ist ein klein, das dünnest MW/ UKW Stereo Hi-Fi in der Welt, mit faltbar stereo Kopfphon. Ein stereo Kopfphon Wagenwinde wird versehen, Sie Können die Musik privat gemessen. Teile und Ihre Funktion.

1. Stereo Mini Wagenwinde: a) Verbinden Sie das Kopfphon zu Wagenwinde, um Musik zu geniessen b) Setzen Sie das stereo Kopfphon in Kopfphon Wagenwinde ein, die Macht ist an, sonst die Macht ist ab.

3. Für UKW Band, die Tafel wird angezündet, nur als den Laut des Radios wird erhalten.

4. Drehen Sie das Blatt, die Stellung des Zeigers wird drehen bis die richtige Stellung erreicht.5. Stellung Zeiger: Es zeigt die Häufigkeit, die Sie vom Radio hören. 7) Wenn Sie kleinen Lärm wollen, als die Stereo Wirkung, setzen den Umschalter an "Mono". Machtquelle. 1) Öffnen Sie die Tür für Batterie des Abteils, schleifen Sie die Tür in der Richtung des Pfeils. 2) Setzen Sie zwei UM-4 Batterie in Abteil, die Polarität soll Zeichen im Abteil zusammentreffen. 3) Schließen Sie die Tür. Lieber Herr Rudolf, wir wünschen Ihnen guten Empfang.

Kundenbewertungen zu "Die Ameisenzählung" von "Daniel Glattauer"

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Bewertung von hasewue am 29.07.2009 ***** gut
Seit mehr als zehn Jahren schreibt der Autor Daniel Glattauer Kolumnen unter dem Begriff „Kommentare zum Alltag“ für die österreichische Tageszeitung „Der Standard“. In „Die Ameisenerzählung“ werden dem Leser 219 dieser Kommentare aus der Zeit von 1995 – 2000 nähergebracht.
So schreibt Glattauer über Österreich im Allgemeinen und dem Österreicher im Einzelnen; er schildert auf unterhaltsame und witzige Weise Alltagssituationen und die Probleme, die solche Situationen mit sich bringen.
Glattauers Art zu schreiben ist an sich schon hervorragend. Charmant und stellenweise skurril berichtet er von ganz alltäglichen Geschehnissen und bringt den Leser dabei oft zum schmunzeln.
Dennoch sind manche Abschnitte und Themen sehr zäh, was wohl daran liegt, dass jede Kolumne nicht länger als eine Seite ist. Deswegen ist es auch schwerer richtig in das Buch hineinzufinden.
„Die Ameisenzählung“ ist kein Buch zum „sofort – in – einem – Rutsch“ – lesen. Im Gegenteil, man sollte sich nach einigen Kolumnen immer mal wieder eine kleine Pause gönnen.
Trotzdem ist es Daniel Glattauers charmante Erzählweise, die seine Werke so lesenswert macht.

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