Jede Kultur und jede Epoche, insbesondere unsere auf kritische
Selbstreflexion abgestellte, sieht sich in die Pflicht genommen,
auf den ihr genuinen Wissensbegriff zu reflektieren, wenn sie nicht
einfach wissenschaftsgläubig verfahren will. Eine Wissensdiagnose
im Kulturen- und Epochenvergleich erscheint insbesondere an
Bruchstellen angezeigt, an deren einer wir stehen, insofern unser
Zeitalter von einem Wissenschaftszeitalter, das von der
systematischen Darstellbarkeit des Gegebenen überzeugt war, zu
einem Informationszeitalter übergeht, das an die Stelle des
systematisch geordneten Wissens ein isoliertes, fragmentarisches,
allenfalls lexikalisch oder enzyklopädisch gesammeltes Wissen
setzt. In diesem Buch werden einerseits die historischen Wandlungen
und Revolutionen des Wissens herausgearbeitet, andererseits wird
versucht, phänomenologisch die sehr heterogenen Wissenstypen wie
das instinktive, das emotional-situative und gestische, das
praktische, das theoretisch-wissenschaftliche Wissen sowie
paranormale oder transnormale Wissensarten wie Traum, Weissagung,
Hellsehen, Telepathie in einen morphologischen Raster zu bringen,
der eine Übersicht und Ordnung gestattet.
Karen Gloy, geboren 1941, ist ordentliche Professorin für Philosophie und Geistesgeschichte an der Universität Luzern und Lehrbeauftragte an der Universität Wien. Sie hat Gastprofessuren und -dozenturen in aller Welt, u.a. in China, Taiwan, Kolumbien, Griechenland.
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