Nacktheiten - Agamben, Giorgio

Giorgio Agamben 

Nacktheiten

Übers. v. Andreas Hiepko
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Nacktheiten

Das neue Buch von Giorgio Agamben umkreist in kurzen, literarisch-philosophischen Denkbildern den Körper in seiner Entblößung, in seiner Nacktheit: von der Bulimie zu den glorreichen Körpern der Heiligen, die weder essen noch lieben, von den verborgenen theologischen Implikationen der Nacktheit zu den neuen Formen unpersönlicher Identität, welche die biometrischen Dispositive der Menschheit auferlegen. Zielpunkt aller Überlegungen ist die Untätigkeit, nicht als Muße oder Trägheit, sondern als Paradigma menschlicher Handlung und einer neuen Politik.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 199 S. m. z. Tl. farb. Abb.
  • Seitenzahl: 200
  • S. Fischer Wissenschaft
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 134mm x 20mm
  • Gewicht: 315g
  • ISBN-13: 9783100005304
  • ISBN-10: 3100005309
  • Best.Nr.: 27956580
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.11.2010

2. Die verwaltete Nacktheit

Giorgio Agamben sucht wie kein zweiter Philosoph nach den antiken, frühchristlichen und theologischen Gründungsakten und Weichenstellungen, die unser Leben in Recht, Gesellschaft, Politik und Staat bis heute kontaminieren. In seinem Essayband "Nacktheiten" arbeitet er heraus, wie all die Formen der Nacktheit, die in Pornographie, Werbung, Fernsehen oder Kunst erscheinen, von theologischen Setzungen durchdrungen sind. Wenn Agamben der Künstlerin Vanessa Beecroft, die gern wenig bekleidete Frauen in Museen vorführt, vorwirft, sie liefere damit ihre Darstellerinnen der "Komplizenschaft von Ware und Theologie" aus, wird sein Anliegen deutlich. Weil Beecroft keine Ahnung von den theologischen Implikationen der Nacktheit hat, hält sie ihre Performance-Schmarren für Kritik. Nacktheit aber, wie Beecroft sie ausstellen lässt, hat nur wenig mit den gezeigten Körpern zu tun, sie folgt einem geistigen Schöpfungsakt, aus dem dann die Inbesitznahme der Körper durch Kirche, Wissenschaft und Staat in der Geschichte der abend- und morgenländischen Kultur folgte. Den vorläufigen Gipfel der wissenschaftlichen Verwaltung der Nacktheit durch Recht …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.10.2010

Die zwei Körner des Phoenix
Überall lauert das theologische Erbe: Der italienische Philosoph Giorgio Agamben und sein neues Werk „Herrschaft und Herrlichkeit“
In dem vor gut acht Monaten erschienenen Roman „Axolotl Roadkill“ der jungen Berliner Autorin Helene Hegemann begegnet man folgendem Szenario: Eine weibliche Figur soll das Werk „Homo Sacer“ des italienischen Philosophen Giorgio Agamben (im Original 1995, deutsch 2002 publiziert) für einen Freund „systematisch strukturieren“. Mit der Lektüre des Buches fährt sie auch dann fort, als dieser Freund angefangen hat, die Leserin per Cunnilingus zu stimulieren.
Als die Autorin, durch Plagiats- und Pornographie-Vorwürfe zum Skandalthema geworden, am 11. Februar 2010 in der Fernsehshow von Harald Schmidt zu Gast war, entspann sich folgender Dialog. Schmidt: „Dann treffe ich, das hat mich natürlich besonders gefreut, auf Seite 47 ff. auf den Namen Giorgio Agamben. Was hast du für eine Beziehung zu ihm, wie findest du seine Werke?“ – Hegemann: „Du, ich hab kein einziges seiner Werke gelesen – ich kenne natürlich den Namen“ – „Das ist ein Philosoph . . .“ – „Ich …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Nicht viel hält Rezensent Uwe Justus Wenzel von der seit Jahren nicht nur in Deutschland grassierenden Verehrung des italienischen Philosophen Giorgio Agamben. Die eigentlich immer gleiche Methode dieses Denkers glaubt er auch in diesem Band mit gesammelten kürzeren Texten beobachten zu können. Diesmal werde eben die "Nacktheit" gedeutet mit Hinweis auf die theologische Herkunft unserer Betrachtung derselben - das sei der übliche Doppelschritt: der Verweis auf die Wirkungsmacht der Theologie bei gleichzeitig behauptetem Bemühen um die Entschärfung der Theologoumena. Wenzel gibt zu, dass er vieles in den Texten nicht versteht und schließt daraus offenbar, dass sie oft schlechterdings unverständlich sind. Umso entschiedener werde das alles jedoch von Agamben verkündet. In Inhalt und Gestus ist hier für wirkliche Zeitdiagnostik, bedauert der sichtlich ungehaltene Wenzel, wenig zu holen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Giorgio Agamben wurde 1942 in Rom geboren. Er studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluß des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken.
Als Herausgeber der italienischen Ausgabe der Schriften Walter Benjamins fand Agamben eine Reihe von dessen verloren geglaubten Manuskripten wieder auf. Seit Ende der achtziger Jahre beschäftigt sich Agamben vor allem mit politischer Philosophie. Er lehrt zur Zeit Ästhetik und Philosophie an den Universitäten Venedig und Marcerata und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris, Berkeley, Los Angeles, Irvine.

Blick ins Buch "Nacktheiten"

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