Nachdenkliches für Führungskräfte - Schreiber, Matthias; Rosenthal, Claudius

Matthias Schreiber Claudius Rosenthal 

Nachdenkliches für Führungskräfte

Illustrator: Steiger, Ivan
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Nachdenkliches für Führungskräfte

Sie suchen nach Vorbildern? Sie wollen Leitplanken für den Unternehmeralltag? Dass sich in Ihrem
Handeln auch Ihre Werte widerspiegeln? Und Ihre Entscheidungen nachhaltig sind?
Claudius Rosenthal und Matthias Schreiber zeigen in kurzen und kurzweiligen Geschichten u. a. von Martin Luther und Pablo Picasso, von John F. Kennedy und Margot Käßmann, wie das gehen kann. Teils heiter, teils nachdenklich - und stets so, dass im vermeintlich Gewöhnlichen das Außergewöhnliche erkennbar wird. Beeindruckend zeigen die Autoren, wie christliche Werte im Alltag von Managern und Führungskräften Wirklichkeit werden können.
Zugespitzt werden die vorausschauenden wie nachgehenden Texte mit Zeichnungen des Illustrators Ivan Steiger (FAZ, Süddeutsche Zeitung ...).
Lassen Sie sich inspirieren!


Produktinformation

  • Verlag: Scm R. Brockhaus
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 143 S. m. Zeichn. v. Ivan Steiger
  • Seitenzahl: 144
  • Best.Nr. des Verlages: 226441000
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 119mm x 18mm
  • Gewicht: 224g
  • ISBN-13: 9783417264418
  • ISBN-10: 3417264413
  • Best.Nr.: 33363455
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.01.2012

Um 6 Uhr wieder zu Haus sein
Ein außergewöhnlicher Ratgeber aus christlicher Sicht

Als Winston Churchill einmal bei einem Empfang zu Gast war - irgendwo auf einem prächtigen, altherrschaftlichen Landsitz -, wurde er im Laufe des Abends von der Gastgeberin angesprochen. Diese informierte ihn völlig verstört, dass einer der Gäste aus dem diplomatischen Corps im wahrsten Sinne des Wortes einen silbernen Löffel in der Westentasche habe verschwinden lassen. Und weil es sich bei dem Besteck um ein unersetzbares Erbstück handele, wolle sie, die Gastgeberin, dazu auch nicht schweigen.

Guter Rat war also teuer. Was tun in einer solchen Situation? "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein", heißt es in Johannes 8,7. Matthias Schreiber und Claudius Rosenthal fragen: "Was heißt das eigentlich im Alltag? Was heißt das, wenn man Papier und Stifte aus dem Büro mit nach Hause nimmt? Oder wenn man beobachtet, wenn ein Mitarbeiter das macht? Darf man sich dann umdrehen? Wegsehen? Kann man als Christ dann schweigen?"

Dreißig Situationen dieser Art zeigen die Autoren auf - und berichten, wie Führungskräfte und Vorbilder darauf …

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Leseprobe zu "Nachdenkliches für Führungskräfte"

LUTHERS LOT .............. (S. 63-64)

Es muss eine beeindruckende Macht-Demonstration gewesen sein – damals, an jenem 17. April 1521. Wenige Monate zuvor war Martin Luther zum Ketzer erklärt worden. Und jetzt stand er in Worms vor dem Reichstag. Genauer gesagt: vor dem kaiserlichen Orator. Und zwischen den beiden Männern ein Tisch mit den von Luther verfassten Büchern.

Ob er anerkenne, dass dies seine Bücher seien, wurde der Augustiner-Mönch gefragt. Und ob er die darin enthaltenen Lehren widerrufen werde. Auf die erste Frage wusste Luther schnell eine Antwort zu geben. Für die zweite jedoch – eine „Frage des Glaubens und der Seelen Seligkeit“ – erbat er sich Bedenkzeit. Die bekam er auch. Und tags darauf soll er dann in Form einer Rede geantwortet haben, die mit dem Wort geschlossen haben soll: „Hier stehe ich und kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen!“ So soll es gewesen sein. Sicher

„Hier stehe ich und kannnicht anders. Gott helfe mir.Amen!“

ist man sich nicht. Die Legendenbildung machte auch vor dem Reformator nicht halt. Keine Legende ist aber folgende Überlieferung: dass Luther seine Rede beendete unter Verweis auf das Gewissen. „Nur, wenn mein Gewissen in Gottes Wort gefangen ist, will ich widerrufen. Denn es ist nicht geraten, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“ „Was macht das für einen Unterschied?“, ist man geneigt zu fragen. Im einen wie im anderen Fall bleibt Luther standhaft. Und das sei letztlich das, was zähle. In der Tat: Mit Blick auf die weitere Kirchengeschichte ist diese Standhaftigkeit gewiss von größter Bedeutung gewesen. Und doch macht es einen Unterschied, ob Luther das eine oder das andere gesagt hat. Denn das eine und das andere Wort trennen Welten.

Und es ist bezeichnend, dass das um vieles bekanntere Wort die Gründe eben nicht nennt, die Luther anführte: Im „Hier stehe ich und kann nicht anders“ allein wird nicht sichtbar, dass der Christ gefangen sein wollte im Wort Gottes – und überwunden im Gewissen. „Überwunden im Gewissen.“ In der zunächst eigentümlich klingenden Formulierung liegt ein Perspektivwechsel, der uns gleichermaßen fremd geworden ist und der doch einmalig bleibt:

Luther versteht sich nicht als gebunden durch das Gewissen. Sondern erst das Gewissen entbindet ihn und gibt ihm Freiheit. Das Gewissen, das ihn leitet, ist nicht etwas, dass sich des Nachts rührt und den Gefühlshaushalt durcheinanderbringt. Sondern Gewissen, wie Luther es erfährt und begreift, ist ein gleichberechtigtes Mit-Bedenken. Sein Gewissen ist eine Instanz, die zum Handeln befähigt. Die Argumente vorhält. Keine „Setzungen“.

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