Mythos Motivation - Sprenger, Reinhard K.

Reinhard K. Sprenger 

Mythos Motivation

Wege aus einer Sackgasse

Illustrator: Plaßmann, Thomas
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Mythos Motivation

Ob Lob, Prämien oder Incentives - alles, was in Unternehmen zur Mitarbeiter- Motivation praktiziert wird, ist kontraproduktiv, wie die Finanzkrise nur allzu deutlich zeigte. Reinhard K. Sprenger zerlegt die weitverbreiteten Anreizsysteme in unseren Unternehmen und ihre kontraproduktiven Folgen. Mit einem neuen Kapitel zum Thema Boni und Gehaltsmanagement, das auch auf die Fehlentwicklungen der letzten Jahre eingeht - denn nie waren Reinhard K. Sprengers Thesen so aktuell wie heute.

Kudos, premiums, incentives, performance-adjusted compensation, the entire range of tricks and techniques that companies apply to motivate their employees - it's all counter-productive. Drawing on numerous examples Reinhard K. Sprenger shows how you can unleash the joy of achievement and retain good employees.

With a new chapter on the topics of bonuses and salary management that also covers the misguided developments of recent years - because Sprenger's theories have never been more relevant than today.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2010
  • 19., aktualis. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 295 S. m. 10 Karikat. v. Thomas Plaßmann.
  • Seitenzahl: 295
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 154mm x 30mm
  • Gewicht: 495g
  • ISBN-13: 9783593392004
  • ISBN-10: 3593392003
  • Best.Nr.: 28081410
"Deutschlands meistgelesener Managementautor" (DER SPIEGEL)<br/><br/>"Der bekannte Führungsexperte Reinhard K. Sprenger trifft ins Schwarze." (CAPITAL)<br/><br/>"Deutschlands einziger Management-Guru, der diesen Titel wirklich verdient." (FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND)

01.05.2010, Acquisa Mythos Motivation "Sprengers Thesen sind provokant - und regen gerade deshalb zum Nachdenken an."
Dr. Reinhard K. Sprenger, 'Deutschlands meistgelesener Managementautor' (Der Spiegel), geboren 1953, lebt in Essen und Santa Fe, New Mexico. Er ist Doktor der Philosophie. Nach seinem Studium war Sprenger wissenschaftlicher Referent beim Kultusministerium in Nordrhein-Westfalen. Seine Stellung als Leiter der Personalentwicklung bei 3M gab er auf, um einer der gefragtesten Berater für Personalentwicklung und Managementtraining zu werden. Er berät nationale wie internationale Firmen wie Coca-Cola, 3M, BASF, Philip Morris, Hewlett Packard, Thyssen Handelsunion, Siemens, Daimler-Benz . Außerdem ist er Lehrbeauftragter an den Universitäten Berlin, Bochum, Essen und Köln. Er gilt als der profilierteste Führungsexperte Deutschlands. Zu seinen Kunden zählen nahezu alle Dax-100-Unternehmen.

Leseprobe zu "Mythos Motivation"

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Leseprobe zu "Mythos Motivation" von Reinhard K. Sprenger

"Im Nachhinein weiß man immer besser, was man vorher hätte wissen sollen. Diejenigen, die sagen, sie hätten schon vor 2008 die Finanz- und Wirtschaftskrise kommen sehen, sind daher wahrscheinlich eher eitel als weitsichtig. Aber dieses Buch kann für sich in Anspruch nehmen, vor fast zwanzig Jahren die zentralen Fragen gestellt zu haben: Kann man Motivation kaufen? Sind Menschen steuerbar - und wenn ja, wie? Welche Folgen haben Anreize? Was sind die Spät- und Nebenfolgen der Bonussysteme? In Politik und Wirtschaft hätte man wissen können: Anreize unterlaufen die menschliche Freiheit - und das macht niemand straflos. Meine Kritik an den Anreizsystemen schien schon damals - ich betone: schien - eine verspätete Position. Ein Rückzugsgefecht, das die Eigenschaft hat, ähnlich der "guten Sache" verloren zu sein. Es war daher nicht zu erwarten, dass der Weltlauf das Thema erneut auf die Tagesordnung setzte. Ursprünglich wollte ich die Krise nutzen, um meine Bemerkungen zum Entgeltmanagement zu aktualisieren, die ich schon der 14. Auflage beigefügt hatte. Es ging mir darum, ihren Gebrauchswert zu erhöhen und im Licht der erneuten Diskussion um Managergehälter noch klarer zu akzentuieren. Während der Arbeit daran verspürte ich den Wunsch, beide Themenkomplexe - Krise und Entgeltpolitik - in einen philosophischen und geschichtlichen Zusammenhang zu setzen. Sie finden all das in den beiden Kapiteln am Schluss dieses Buches. Für den Rest des Buches sah ich keine Veranlassung, etwas am Text zu ändern. An den Tatsachen ändert sich nichts, auch wenn der Sprachgebrauch sich ändert. Ich hege keine Hoffnung, schon gar nicht erwarte ich, dass sich die im Folgenden dargestellten Erkenntnisse nunmehr auf breiter Basis durchsetzen. Aber vielleicht kann doch die eine oder andere Führungskraft für sich und ihre Mitarbeiter daraus etwas Gutes und Praktisches entstehen lassen. ..."

Leseprobe zu "Mythos Motivation" von Reinhard K. Sprenger

Loben als Herrschaftszynismus (S. 80-82)

»Und wie ist es dir gelungen, ihn fertig zu machen?« »Durch Lob …« (E. Kishon)

Schon Abraham Lincoln formulierte für Führungshandbücher: »Wir sind alle für Komplimente empfänglich, das stimmt. Wir wollen alle Anerkennung, und zwar Anerkennung, die von Herzen kommt, und finden sie doch allzu selten. Alle Menschen haben einen nagenden, nie stillbaren Hunger danach. Aber nur die wenigen, denen es tatsächlich gelingt, diesen Hunger anderer zu stillen, nur diese ganz wenigen haben eine wirkliche Macht über die Menschen, und wenn ein solcher Mann stirbt, dann trauert sogar der Leichenbestatter.« Lincolns Sätze: Man muss sie sehr genau lesen. Dann erschließt sich die eigenartige Spannung des Themas, das einen Bogen spannt von einer Anerkennung, die »von Herzen kommt«, zu einem Bedürfnis, das »Macht über Menschen« heißt. Eines vorweg: Dieses Kapitel richtet sich vor allem an »fortgeschrittene « Führungskräfte. Wenn ich in manchen Punkten dieser Analyse von einigen Hardlinern unterstützt werde, so kann ich nur versichern, dass mir jede Einigkeit mit ihnen zutiefst unerwünscht ist.

Grundbedürfnis nach Zuwendung

Dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, ist lange bekannt. Vor allem auf Anerkennung kann kein Mensch verzichten, wenn er nicht unsicher, verbittert und unglücklich werden will. Selten können wir davon genug bekommen, ja, nicht wenige Menschen sind gleichsam »wandelnde Anerkennungsdefizite«, weil sie selbst und die Menschen um sie herum oft so sparsam damit umgehen. Aus allen Ritzen ihres Daseins saugen sie dieses wärmende Gefühl der Zustimmung.

Das Grundbedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung ist insbesondere von der Kinderpsychiatrie immer wieder untersucht worden. René A. Spitz hat, wie andere Forscher vor ihm, darauf hingewiesen, dass Säuglinge ohne Zuwendung durch Körperberührung, Gehaltenwerden und zärtlichen Stimmenklang selbst unter sonst günstigen Lebensumständen degenerieren, krankheitsanfällig werden und sogar sterben können. Dies ganz im Gegenteil zu solchen Kindern, die unter sonst ungünstigen Umständen (unhygienisch, unterernährt) an der Seite zugewandter Kontaktpersonen aufwachsen.

Das Kleinkind, das noch wenig Maßstäbe für sein Tun und Lassen hat, braucht nach vorherrschender Lehrmeinung das Lob seiner Eltern dringend als Richtschnur seines Handelns. Dies bleibe hier undiskutiert, Lob für Kinder ist heute nur allzu oft die Fast-Food-Zuwendung der Zeitmangel-Generation. Sicher ist, dass Kinder, wenn sie denn keine positive Zuwendung bekommen, sich diese auf irgendeine Weise negativ holen. Mit anderen Worten: Ein Kind, dem keine oder nur ungenügend positive Zuwendung zukommt, holt sich lieber böse Worte und Blicke oder sogar Schläge, als dass es gar keine Beachtung findet. Dieser Reflex scheint gut zu funktionieren, wie in einer britischen Studie festgestellt wird: Danach »ernten« britische Kinder täglich durchschnittlich 412 negative Bemerkungen, aber nur 37 positive!

Inhaltsangabe

Vorwort
Einleitung
Erster Teil
Sichtungen
Der Impuls aus der Praxis
Der Sprachnebel der "Motivation"
Die freizeitorientierte Schonhaltung
Der kurze Hebel der Motivierung
Verdacht als Unternehmenskultur
Grammatik der Ver-Führung
Zweiter Teil
Entlarvungen
Sisyphos: Belohnen und Bestechen
Loben als Herrschaftszynismus
Bonus-Systeme als Nullsummen-Spiele
Doping
Ideen bringen Geld. Bringt Geld auch Ideen?
Passivität als Führungs-Konzept
Revue der Abwertung
Gegen-Reden
Gehaltsmanagemen
tDritter Teil
Führungen
A. Fordern statt verführen
Exkurs: Dialogisch führen
B. Demotivation vermeiden
Beziehungskisten
Nicht-Zutrauen
Unterfordern der Leistungsfähigkeit
Zerteilung der Arbeit
Mangelnder Freiraum als fehlende Leistungsmöglichkeit
C. Epilog: Versuch über Selbstachtung
Literatur

Inhaltsangabe

Inhalt
Vorwort zur erweiterten Ausgabe
7
Vorwort
9 Einleitung 13
Erster Teil Sichtungen
Der Impuls aus der Praxis
19
Der Sprachnebel der "Motivation"
22 Die freizeitorientierte Schonhaltung
28
Der kurze Hebel der Motivierung
35
Verdacht als Unternehmenskultur
42
Grammatik der Ver-Führung
56
Zweiter Teil Entlarvungen
Sisyphos: Belohnen und Bestechen
69
Loben als Herrschaftszynismus 80 Bonussysteme als Nullsummenspiele 95
Doping 116
Ideen bringen Geld. Bringt Geld auch Ideen?124 Passivität als Führungskonzept 137 Revue der Abwertung 144
Gegen-Reden 160
Dritter Teil Führungen
A. Fordern statt verführen 171 Exkurs: Dialogisch führen 183
B. Demotivation vermeiden187
Beziehungskisten 192
Nicht-Zutrauen 199
Unterfordern der Leistungsfähigkeit 208
Zerteilung der Arbeit 216
Mangelnder Freiraum als fehlende Leistungsmöglichkeit 224
C. Epilog: Versuch über Selbstachtung242
Von der Finanzkrise als Krise des Machbaren 253 Umrisse eines verführungsfreien Entgeltmanagements 262
Literatur 291