Der vorliegende Sammelband, der im Nachgang zur Siegener
Mittelstandstagung 2006 entstanden ist, stellt die
betriebswirtschaftliche Mittelstandsforschung in ihrer gesamten
Breite dar und zeigt den künftigen Forschungsbedarf auf. Im Fokus
stehen folgende Themen: Unternehmensgründung und -nachfolge,
Strategisches Management, Innovationsmanagement, Marketing und
Internationalisierung, Finanzierung, Rechnungswesen und Steuern
Kleine und mittlere Unternehmen bilden das Rückgrat der deutschen
Volkswirtschaft. Ihr Erfolg trägt die positive wirtschaftliche
Entwicklung der letzten Jahre wesentlich mit. Dennoch sind
spezifische Aspekte von mittelständischen Unternehmen in der
betriebswirtschaftlichen Forschung nach wie vor
unterrepräsentiert.
Der vorliegende Sammelband, der im Nachgang zur Siegener
Mittelstandstagung 2006 entstanden ist, schließt diese Lücke, indem
die betriebswirtschaftliche Mittelstandsforschung in ihrer gesamten
Breite dargestellt sowie der künftige Forschungsbedarf aufgezeigt
wird. Im Fokus stehen folgende Themen:
? Unternehmensgründung und -nachfolge
? Strategisches Management
? Innovationsmanagement
? Marketing und Internationalisierung
? Finanzierung
? Rechnungswesen und Steuern
Prof. Dr. Peter Letmathe ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Wertschöpfungsmanagement insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen an der Universität Siegen.
Leseprobe zu "Management kleiner und mittlerer Unternehmen"
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Leseprobe zu "Management kleiner und mittlerer Unternehmen"
Unsicherheit, Legitimation und junge Unternehmen (S. 3)
Michael J. Fallgatter
1 Problemstellung und Vorgehensweise
In einigen Kernbereichen hinterlässt die Entrepreneurshipforschung einen unbefriedigenden Eindruck: eine Reproduktion wichtiger Forschungsergebnisse scheint verbreitet zu sein. Dies gilt v.a. für Studien zur Notwendigkeit einer Geschäftsplanung, zur Erfolgsfaktorenforschung und auch für Teile der äußerst traditionsreichen Forschungen zur Unternehmerperson. So münden einige Studien in weitgehend uniformen Darstellungen der als Allgemeingut einstufbaren typischen Unternehmereigenschaften (vgl. Fallgatter 2002, 116-126).
Eine wesentliche Ursache für diese Situation ist methodischer Natur: Oft lässt es sich bei empirischen Studien nicht umgehen, dass Stichproben sehr heterogen sind und hinsichtlich ihres Potenzials stark unterschiedliche Typen junger Unternehmen sich in der gleichen Untersuchung wieder finden.
Dies liegt daran, dass kaum valide Prognosen über Entwicklungen junger Unternehmen möglich sind, da Innovationen, Geschäftskonzeptionen, Branchen und Umweltbedingungen regelmäßig erst im Zeitablauf hinsichtlich ihres ökonomischen Potenzials fundiert eingeschätzt werden können. Allerdings vernachlässigen auch theoriebildende Arbeiten eine explizite Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Typen junger Unternehmen und unterscheiden junge Unternehmen üblicherweise lediglich in formaler Hinsicht nach Gründungspersonen bzw. -institutionen oder hinsichtlich prägender Finanzierungsquellen.
Dies nimmt der vorliegende Beitrag zum Ausgangspunkt und thematisiert Typen junger Unternehmen, also Unternehmen in den ersten fünf bis acht Jahren nach ihrer Gründung. Den Kern der Argumentation bilden die spezifische Unsicherheitssituation junger Unternehmen sowie etablierte Studien zur Branchenentwicklung. Der Beitrag arbeitet eine innovative Systematik heraus und ermöglicht so einen vertieften Einblick in zentrale Zusammenhänge der Entwicklung junger Unternehmen. Die Argumentation verbleibt nicht auf einer deskriptiv-sys- tematisierenden Ebene, sondern widerspricht einigen als anerkannt und bestätigt eingestuften Forschungsergebnissen.
Der Beitrag setzt sich aus fünf Kapiteln zusammen. Das folgende Kapitel stellt einen Zusammenhang zwischen jungen Unternehmen und verschiedenen Unsicherheitssituationen her. Dazu wird auf entscheidungstheoretische Überlegungen Bezug genommen. Dies führt zu drei Unsicherheitssituationen junger Unternehmen und erhebt einen grundlegenden und umfassenden Anspruch (2). Im Anschluss stellt sich die Frage nach der Entwicklung von Unsicherheitssituationen.
Eine Beantwortung erfolgt unter Rückgriff auf die Legitimationsforschung. Angesprochen ist die Akzeptanz und Durchsetzbarkeit von neuen Geschäftskonzeptionen und Innovationen (3). Diese beiden Argumentationsstränge schaffen die Basis für die Differenzierung von Typen junger Unternehmen. Leitend ist dabei die Frage, wie Ressourcenaustauschprozesse in den vorgestellten Unsicherheitssituationen in Gang kommen können (4). Ausgehend von den so differenzierten Typen junger Unternehmen lassen sich einige etablierte Erkenntnisse und Überzeugungen neu bewerten (5).
2 Junge Unternehmen und Unsicherheitssituationen
2.1 Formale Unterscheidung junger Unternehmen
Vorschläge zur Systematisierung junger Unternehmen setzen vielfach an institutionellen Gegebenheiten, bspw. der Rechtsform, der Finanzierungsform, den Gründerpersonen oder den Gründungsunternehmen an. Den Ausgangspunkt einer umfassenden formalen Systematisierung bildet auf der einen Seite die Frage, ob ein Unternehmen bereits besteht (vgl. Saßmannshausen 2001, 129, Fallgatter 2002, 27).
Die Begriffe „Strukturschaffung und -veränderung" erfassen diesen Sachverhalt und führen zur Unterscheidung von originären und derivativen Gründungen. Auf der anderen Seite lassen sich junge Unternehmen nach den initiierenden Personen oder Institutionen unterscheiden (s. Abb. 1). Den primären Gegenstand der Entrepreneurshipforschung bilden üblicherweise die originären Gründungen. Vor allem von etablierten Unternehmen durchgeführte Projekte sowie risikokapitalfinanzierte Unternehmen erklären sich weitgehend von selbst.
Demgegenüber weniger eindeutig unterscheiden sich Existenz- und Unternehmensgründungen. Diese begriffliche Differenzierung spricht erhebliche Unterschiede in den Geschäftsideen sowie dem Wachstums- und Beschäftigungspotenzial an (vgl. Szyperski/Nathusius 1977, 27-28, Fallgatter 2004a, 25- 27).
Inhaltsangabe
- Unternehmensgründung und -nachfolge
- Strategisches Management
- Innovationsmanagement
- Marketing und Internationalisierung
- Finanzierung
- Rechnungswesen und Steuern
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