Ludwig Klages (1872-1956) ist einer der Hauptvertreter der
Lebensphilosophie im 20. Jahrhundert sowie der Begründer der
wissenschaftlichen Graphologie. Eine besondere Bekanntheit
erreichte er mit seinem provozierenden Hauptwerk 'Der Geist als
Widersacherder Seele' (1929-32), einem der letzten
umfassend-systematischen philosophischen Entwürfe inDeutschland,
und seinem Aufruf 'Mensch und Erde'(1913), einer scharfen
Kritik der Naturzerstörung, die ihn heute als Vordenker der
Ökologiebewegung erscheinen läßt. Ausgehend von Klages'
Bedeutung für ein Naturverständnis, das auch eine
'ganzheitliche' undheidnisch-religiöse Dimension
einschließt, erläutert Reinhard Falter auf eine fundierte und doch
allgemein verständliche Weise die wichtigsten Aspekte von
Klages' Philosophie,behandelt diese in ihrem Zusammenhang mit
Lebensphilosophie, Phänomenologie und Kulturkritik der Zeit und
expliziert ihre Relevanz für die Gegenwart.Falters Buch ist derzeit
die einzige Einführung in das Denken von Ludwig Klages.
Der Philosoph Ludwig Klages ist heute mehr ein Gerücht denn ein Klassiker - und noch dazu nicht gerade von allerbestem Ruf, erklärt der "upj." zeichnende Rezensent. Dass die Einsortierung als "Kryptofaschist" allzu einseitig, wenn nicht falsch ist, versuche der Historiker Reinhard Falter in seiner Studie nachzuweisen. Zudem seien der "lebens- und naturphilosophische" Hintergrund der Klagesschen Gedankenwelt und seine entschiedene "Zivilisationskritik" womöglich sogar ein guter Anlass, den Autor wiederzuentdecken. Diese Wiederentdeckung, konstatiert der Rezensent, ist wenigstens dem Autor des Bandes durchaus gelungen. Die "Dichte" der Darstellung sei bestechend.
Reinhard Falter (geb. 1960) ist Philosoph und Historiker. Er lebt als Dozent und freier Autor in München und ist Vorsitzender des Instituts für naturphilosophische Praxis e.V. Seine Forschungsschwerpunkte sind antike Erfahrungsreligion, Lebens- und Naturphilosophie, bayerische Geschichte und antike Numismatik. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Vermittlung von philosophischer Theorie mit (natur- und landschaftsschützerischer) Praxis: So wurde auf seine Initiative hin die Isar südlich von München renaturiert. Neben zahlreichen Aufsätzen publizierte er mehrere Bücher, darunter "Warum ist Bayern anders?" (2001), "Ludwig Klages - Lebensphilosophie als Zivilisationskritik" (2003) und "Natur neu denken" (2004).
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